{"id":60823,"date":"2022-11-06T14:37:13","date_gmt":"2022-11-06T13:37:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/gemeinsam-testen-cohiba-robusto\/"},"modified":"2022-12-07T14:51:51","modified_gmt":"2022-12-07T13:51:51","slug":"gemeinsam-testen-cohiba-robusto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/gemeinsam-testen-cohiba-robusto\/","title":{"rendered":"Gemeinsam testen \u2013 Cohiba Robusto"},"content":{"rendered":"<p>Man braucht den Namen nur zu erw\u00e4hnen, und schon scheiden sich die Geister: Cohiba.<\/p>\n<p>Die einen beginnen in Erinnerungen zu schwelgen, die anderen verdrehen die Augen und wieder andere interessiert es \u00fcberhaupt nicht. Vor allem in der letzten Zeit konnte man in den Zigarrenlounges dieser wundersamen Welt die Passionados diskutieren h\u00f6ren. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand wurde so mancher Zigarre die Freundschaft aufgek\u00fcndigt, und wie so oft war der Ausl\u00f6ser das liebe Geld und der schn\u00f6de Mammon. Wohl kaum einer blieb von der letzten Preiserh\u00f6hung kubanischer Zigarren verschont. Und damit herzlich willkommen in unserem literarischen Rauchsalon zu einem gemeinsamen Tasting der ganz besonderen Art. Zugegeben, das heutige Tasting wird nicht ohne harsche Realit\u00e4t zurechtkommen, und dennoch werden wir uns wie immer um Objektivit\u00e4t bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Viele Jahre beziehungsweise viele Jahrzehnte galt sie als die Zigarre schlechthin. Cohiba war das Ma\u00df aller Dinge und die Cohiba Robusto war die Robusto der Robustos, der Prototyp, die Benchmark, die rote Linie des guten Geschmacks, eine absolute Institution und ein gemeinsamer Nenner, auf den sich alle einigen konnten. Doch so wie sich die Zeiten \u00e4ndern, so \u00e4ndern sich Geschm\u00e4cker, die Wahrnehmung und nicht zuletzt auch der Preis, und mit dem Preis \u00e4ndert sich die Wahrnehmung. Damit sind wir bei der Gretchenfrage und des Pudels Kern. Die Frage, die wir uns heute stellen wollen, ist schlicht und ergreifend, ob die Cohiba Robusto ihren Preis noch wert ist und ob sich die eigene Wahrnehmung der Zigarre ver\u00e4ndert hat, seit der internationale Preis auf das Preisniveau von Hongkong angehoben wurde. Ausnahmsweise sei mir als Autor verg\u00f6nnt, das Wort direkt an Sie zu richten, aber in Vorbereitung auf diesen Text war es schon eine erhebliche Erfahrung, den Tabakfachh\u00e4ndler meines Vertrauens aufzusuchen und dort f\u00fcr f\u00fcnf Robustos EUR 340,00 (EUR 68,00 pro St\u00fcck in \u00d6sterreich) auf den Ladentisch zu legen. In diesem Moment stellte sich besonders die Dringlichkeit der Frage nach meiner eigenen Objektivit\u00e4t. Denn um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich w\u00fcrde wohl niemals so viel Geld f\u00fcr f\u00fcnf Robustos ausgeben.<\/p>\n<p><img class=\" wp-image-61334 alignleft\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Cohiba-2-500x888.gif\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"560\" \/><\/p>\n<p>Nun, da diese Tatsache offen auf dem Tisch liegt, k\u00f6nnen wir uns endlich unserem Tasting widmen. Also, greifen Sie zu einer Cohiba Robusto und begleiten Sie mich auf der kurzen Reise durch eine Welt von gestern, die vielleicht zuweilen auch ewig gestrig wirkt. Wir werden sehen.<\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr einen geraden Schnitt entschieden: ein klassischer Schnitt f\u00fcr eine klassische Zigarre. Die Cohiba Robusto ruht fest gerollt zwischen meinen Fingern. Der Kaltzug offenbart das typische Cohiba-Aroma zwischen Leder, Erde und dem, was wohl einzig als kubanischer Geschmack bezeichnet werden kann. Ein Geschmack, den man aus hundert Zigarren erkennen kann. Der Kaltzug ist bereits oft die erste H\u00fcrde, denn wenn man Pech hat, ist das Zugverhalten so mancher kubanischer Sch\u00f6nheit gelinde gesagt etwas verhalten. Doch ich habe Gl\u00fcck und der Kaltzug wirkt nahezu optimal. Wie alle im Entubado-Stil gerollten Zigarren (traditionelle kubanische Rollmethode) nimmt die Cohiba Robusto schnell Feuer an, und die ersten Z\u00fcgen offenbaren eine w\u00fcrzig-cremige Dichtheit, die den Gaumen umspielt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie einzigartig sich Terroir auf eine Zigarre auswirken kann. Denn diesen Geschmack findet man tats\u00e4chlich nur in kubanischen Zigarren. Es ist diese Mischung aus Kraft und Creme, gepaart mit einer ganz besonderen Mineralit\u00e4t. Die ersten Z\u00fcge der Cohiba Robusto werden von diesem Aroma gepr\u00e4gt. Ein Autor hat einmal sehr treffend von \u201egez\u00e4hmter kubanischer Wildheit\u201c gesprochen. Eine wirklich vortreffliche Beschreibung!<\/p>\n<p>Das erste Drittel beginnt also sehr landestypisch und nach und nach gesellen sich Noten von Kaffee hinzu. Achten Sie auf die bitteren Nuancen im Hintergrund. Auch diese erinnern an Kaffee. Bei einer l\u00e4ngeren Reifezeit von ca. f\u00fcnf Jahren w\u00fcrde sich diese Bitterkeit freilich in S\u00fc\u00dfe verwandeln. Doch auch so ergibt sich ein \u00e4u\u00dferst interessanter Smoke. Gegen Ende des ersten Drittels kann man retronasal den Duft von frisch gebackenem Brot entdecken und \u2013 mit viel Fantasie \u2013 sogar etwas Vanille. Legen Sie Ihre Zigarre an dieser Stelle am besten etwas ab. Sie hat sich eine Pause verdient.<\/p>\n<p>Nach der Pause merkt man, dass diese kubanische \u201eInstitution\u201c nicht so mild bis mittelkr\u00e4ftig ist, wie man es gewohnt ist. Im zweiten Drittel legt die Cohiba Robusto deutlich an Kraft zu, was ihr jedoch gut bekommt. Genauso wie die hintergr\u00fcndige Pfeffernote, die erst auf den zweiten, wenn nicht sogar dritten Blick zu erahnen ist. Hinzu kommt der Hauch von Schokolade. Es empfiehlt sich, diese Zigarre besonders langsam zu rauchen, denn Zigarren im Entubado-Stil sind generell etwas fester gerollt. Der Trick ist hierbei, das Tempo so anzupassen, dass die Zigarre gerade nicht ausgeht. So vermeidet man Hei\u00dfrauchen und kann sich den Aromen perfekt n\u00e4hern. Besonders Holzaromen m\u00f6gen Hitze gar nicht.<\/p>\n<p>Das letzte Drittel ist noch mal ein Aufkommen von Lederaromen, verbunden mit etwas Erde und schokoladigem Kaffee. Auch etwas Pfeffer l\u00e4sst sich erahnen. Und am Ende erwartet einen ein letzter Schluck von Bitterschokolade.<\/p>\n<p>Nach diesem etwas kurzen \u201eReisef\u00fchrer\u201c durch den Rauchverlauf widmen wir uns aber der wichtigsten Frage, jener nach dem Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis. Die Wahrnehmung ver\u00e4ndert sich definitiv durch die Preiserh\u00f6hung, so viel kann ich sagen. Sofern man es nicht gewohnt ist, \u00fcber EUR 60,00 f\u00fcr seine Zigarren auszugeben, sorgt dieser neue Preis f\u00fcr ein ganz besonderes Erlebnis. Selbst wenn man die Zigarre schon davor geraucht hat \u2013 dieses Bewusstsein l\u00e4sst sich kaum abstellen. Aber ist diese Zigarre den neuen Preis wert?<\/p>\n<p>Diese Frage l\u00e4sst sich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln beantworten. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der neue Preis absolut gerechtfertigt. Angebot und Nachfrage heben den Preis. So gesehen ist diese Preispolitik selbstverst\u00e4ndlich komplett nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite steht jedoch die Tatsache, dass sich aufgrund der angehobenen Preise die Fertigungsweise wohl nicht wirklich \u00e4ndern wird. Es wird also mit Sicherheit immer noch Probleme mit Zugverhalten geben, und man wir immer noch Zigarren jahrelang einlagern m\u00fcssen, bevor sie einem den versprochenen Rauchgenuss verg\u00f6nnen. Und hier ist die Frage legitim, ob einem der Preis von \u00fcber EUR 60,00 gerechtfertigt erscheint.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich kann f\u00fcr meinen Teil diese Frage recht einfach beantworten. Obwohl ich hier definitiv eine wirklich gro\u00dfartige Zigarre geraucht habe, so ist mir diese sicherlich keine EUR 68,00 wert. Es gibt f\u00fcr mich gleichwertige und auch bessere Zigarren f\u00fcr wesentlich weniger Geld, deren Verarbeitung zudem deutlich exakter ist.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist mein Wort nicht ma\u00dfgebend. Geschm\u00e4cker sind immer noch verschieden, und so wird uns der Mythos der kubanischen Zigarre weiterhin begleiten. Er wird die Gem\u00fcter erhitzen und begl\u00fccken und nach wie vor Stoff f\u00fcr Gespr\u00e4che und hitzige Diskussionen bieten. Denn am Ende des Tages ist eine Cohiba zwar ein Mythos, aber dennoch einfach nur eine Zigarre, und das ist auch gut so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl keine andere Zigarre ist so sagenumwoben wie die Cohiba. Kubanische Zigarren sorgen immer wieder f\u00fcr Diskussionen.<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":61331,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[39],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60823"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60823"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60823\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/61331"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}