{"id":43702,"date":"2021-11-10T13:29:57","date_gmt":"2021-11-10T12:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=43702"},"modified":"2021-11-10T13:30:42","modified_gmt":"2021-11-10T12:30:42","slug":"toscano-gewachsen-unter-der-sonne-italiens-geboren-im-feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/toscano-gewachsen-unter-der-sonne-italiens-geboren-im-feuer\/","title":{"rendered":"Toscano &#8211; Gewachsen unter der Sonne Italiens, geboren im Feuer"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Zigarren, die sind so sch\u00f6n, dass man sie am liebsten nicht rauchen, sondern stundenlang daran riechen und sie z\u00e4rtlich streicheln m\u00f6chte. Das glatte, makellose Deckblatt, Formen, die dem Design-Labor eines Sportwagenherstellers entsprungen scheinen, die pr\u00e4zise Handwerkskunst, die von Zigarre zu Zigarre nur bei sehr genauem Hinsehen kleinste Unterschiede offenbart, ein bet\u00f6render Duft, der einem fast die Sinne raubt \u2013 und es gibt die Toscano. Eine Sch\u00f6nheit erst auf den zweiten Blick. Eine Zigarre aus Italien, die die Zigarrenwelt seit \u00fcber 200 Jahren polarisiert und provoziert.<\/p>\n<p><strong>Italienische Lebensfreude pur<br \/><\/strong>Von ihren leidenschaftlichen Anh\u00e4ngern liebevoll \u201estortignacolo\u201c, die Krumme genannt, steht die Toscano-Zigarre seit 1815 f\u00fcr italienisches Lebensgef\u00fchl pur. Als gesch\u00e4tzter Begleiter zum Espresso am Morgen oder einem Grappa zum Abschluss eines \u00fcppigen Abendessens ist sie fester Bestandteil des legend\u00e4ren \u201edolce vita\u201c: Italienisches Temperament trifft auf aromatische St\u00e4rke, handwerkliche Perfektion aus Tradition sorgt f\u00fcr eine komplexe Aromenvielfalt, die einzig steht in der Zigarrenwelt. Das hat gute Gr\u00fcnde. Denn neben dem Geschick und der enormen Erfahrung der RollerInnen, ist der Anbau sowie die spezielle Verarbeitung und Veredelung des Dark Fired Kentucky-Tabaks ausschlaggebend f\u00fcr die hohe Qualit\u00e4t des Endproduktes.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ihre uritalienische Herkunft: Rund 60 Prozent des verarbeiteten Tabaks stammt heute noch immer aus Italien. Mehr als 200 landwirtschaftliche Betriebe mit \u00fcber 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den traditionellen Anbauregionen Toskana, Kampanien, Umbrien, Latium und Venetien produzieren &#8211; je nach Saisonverlauf &#8211; zwischen 1.800 bis \u00fcber 2.000 Tonnen Kentucky Tabak f\u00fcr die Toscanos. Und das teils seit Generationen. M\u00f6glich wird dies durch langfristige Vereinbarungen, die Toscano mit dem italienischen Ministerium f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft getroffen hat, und die den Tabakbauern aktuell bis 2024 Abnahmevolumina von Kentucky-Tabak garantiert. Das schafft Planungssicherheit auf Seiten der Produzenten, sorgt f\u00fcr Kontinuit\u00e4t der italienischen Produktionskette, und ist damit ein wichtiger Baustein, um Anbau von Qualit\u00e4tstabaken aus Italien auch in Zukunft zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>130 Arbeitstage pro Hektar<br \/><\/strong>Denn Tabakanbau ist vor allem personalintensiv und in gro\u00dfen Teilen immer noch Handarbeit. Der Arbeitseinsatz pro Hektar ist bei Tabak der h\u00f6chste unter allen landwirtschaftlich genutzten Kulturpflanzen. Insgesamt werden pro Hektar Kentucky-Tabak rund 1.000 Stunden pro Jahr ben\u00f6tigt, was rund 130 Arbeitstagen entspricht. Jeder Arbeitsschritt erfordert dabei besondere Sorgfalt und jede Menge Erfahrung: Von der Aussaat, dem Umpflanzen der S\u00e4mlinge, Aufzucht, Beschneiden und Ausd\u00fcnnen, bis zu Ernte, Trocknung und Sortierung. Die Ernte ist immer eine der heikelsten Phasen, da hier bereits die Basis f\u00fcr die weitere Veredelung gelegt wird. Es werden maximal drei Bl\u00e4ttern gleichzeitig geerntet, damit die Tabakbl\u00e4tter jeweils den gleichen Reifegrad und nach der Trocknung den gleichen Farbton, die gleiche Textur und die gleiche Elastizit\u00e4t des Gewebes aufweisen. Dies alles wird rigoros von Hand durchgef\u00fchrt, um eine h\u00f6chstm\u00f6gliche Qualit\u00e4t des wertvollen Rohmaterials zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>\u201eManufaktur\u201c im besten Wortsinn<br \/><\/strong>Das diese \u00e4u\u00dferst selektive Arbeit auf den Tabakfeldern, durchaus vergleichbar mit dem Anbau hochklassiger Weine, sich direkt auf den Ertrag auswirkt, leuchtet ein. Rund einhunderttausend Bl\u00e4ttern pro Hektar \u2013 deutlich weniger als andere Tabaksorten, deren Hektarertrag die zehnfache Menge ausmachen kann \u2013 sorgen f\u00fcr ideale Wachstumsbedingungen der Kentucky-Tabakpflanzen, die ihren optimalen Reifegrad nach rund 90 Tagen erreichen. Doch von der Aussaat bis zur fertigen Zigarre f\u00fcr Aficionados, die das Besondere einer Toscano zu sch\u00e4tzen wissen, vergehen mehr als zwei Jahre. Es dauert so lange, da auch die fertige Zigarre noch einen Reifungsprozess durchl\u00e4uft, der je nach Sorte zwischen vier und zw\u00f6lf Monaten dauert. Erst dann erreichen die Zigarren die volle Reife und bekommen den unverwechselbaren, typischen Geschmack, f\u00fcr die eine Toscano so sehr gesch\u00e4tzt wird. <img class=\"alignleft size-large wp-image-43709\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Toscano_Feuertrocknung-770x1210.jpg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"817\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Toscano_Feuertrocknung-770x1210.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Toscano_Feuertrocknung-500x786.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Toscano_Feuertrocknung.jpg 795w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/p>\n<p><strong>Legende einer Legende<br \/><\/strong>Was heute durch ausgefeilte Sensorik und im Labor anhand chemischer Prozesse erkl\u00e4rt werden kann, war in der Entstehungszeit der Toscano zu Beginn des 19. Jahrhunderts weitestgehend unbekannt. Intuition, Erfahrung und der Zufall sollten der Toscano zu ihrer Geburt verhelfen: 1815 soll ein starker Sommerregen einige im Freien stehen gelassene F\u00e4sser mit aus den USA importiertem Kentucky-Tabak komplett durchn\u00e4sst haben. F\u00fcr den Besitzer der F\u00e4sser ein enormer wirtschaftlicher Verlust. Es war die Zeit, in der die Toskana unter der aufgekl\u00e4rten Herrschaft der Lothringer stand und Tabak in Kleistmanufakturen f\u00fcr den regionalen Markt verarbeitet wurde.<\/p>\n<p>Die Katastrophe h\u00e4tte das Aus f\u00fcr den Produzenten bedeuten k\u00f6nnen, entpuppte sich jedoch als wahrer Gl\u00fccksfall: Der Tabak war inzwischen fermentiert und galt f\u00fcr konventionelle Nutzung als verdorben. Sei es aus Verzweiflung, sei es einer Eingebung des Augenblicks geschuldet: Der fermentierte Tabak wurde in der Sonne der Toskana getrocknet und als Einlage f\u00fcr Zigarren ohne Umblatt verwendet. Das Geschmacksergebnis muss nicht nur den Hersteller verbl\u00fcfft haben \u2013 die Zigarren wurden begeistert aufgenommen und verkauften sich in Rekordzeit. Soweit die Legende.<\/p>\n<p><strong>Kleine Ursache, gro\u00dfe Wirkung<br \/><\/strong>Keine Legende hingegen ist, dass in der Toskana bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts \u2013 das erste Tabakmonopol datiert auf das Jahr 1645 \u2013 Tabak angebaut und verarbeitet wurde und somit bereits ein enormes Wissen und reichlich Erfahrung rund um die Tabakpflanze bestand. Wahr ist auch, dass Fermentieren zu den \u00e4ltesten Kulturtechniken der Menschheit z\u00e4hlt, mit deren Hilfe Lebensmittel haltbar gemacht werden oder deren Geschmack seit Urzeiten gezielt verbessert wird. Die Fermentierung des Tabaks zur Qualit\u00e4tssteigerung ist deshalb ein naheliegender Gedanke, reduziert der klassische G\u00e4rungsprozess bei Temperaturen zwischen 50 \u00b0C und 60 \u00b0C beim getrockneten Rohtabak doch den Nikotingehalt, und Eiwei\u00dfverbindungen der Pflanze, die charakteristische, sortenspezifische Aromen \u00fcberdecken, werden abgebaut. Ein Effekt, der sich besonders positiv auf den f\u00fcr die Toscano verwendeten Kentucky-Premium-Tabak auswirkte, denn so entstand ein v\u00f6llig neuer, aromatisch-w\u00fcrziger Geschmack.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Der Zufall bekommt System<br \/><\/strong>Der Kentucky-Tabak wird heute, um den Sommerregen des Jahres 1815 zu simulieren, nach der Auswahl und Sortierung in F\u00fcllung und Deckblatt zun\u00e4chst in Tanks mit entmineralisiertem Wasser gef\u00fcllt. Dann wird der Tank entleert und der Tabak verbleibt dort bis zum n\u00e4chsten Tag. Nach dem Abtropfen wird der Tabak f\u00fcr 14 bis 20 Tage in die &#8222;Marnoni&#8220;, die Fermentierungsbottiche, gelegt und gepresst. Im Laufe der Tage steigt die Temperatur allm\u00e4hlich an und der nat\u00fcrliche Fermentationsprozess beginnt. F\u00fcr eine m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige und schonende Fermentierung werden die gepressten Ballen mehrfach von Hand umgeschichtet. Es braucht nicht nur enormes Wissen, um die spezifischen Eigenschaften des Tabaks herauszuarbeiten, sondern ganz viel Zeit: Die nikotinreduzierende Fermentation dauert je nach Zigarrensorte zwischen 30 und 50 Tage. Doch genau dieser langsame, schonende Prozess erst verleiht der Toscano ihre intensiven Aromen und eine St\u00e4rke, die das Geschmacksbild aller Toscani pr\u00e4gt und perfekt abrundet. Das Prinzip Toscano: Eine traditionelle Methode, der die Manifatture Sigaro Toscano S. p. A. in den Manufakturen in Lucca und Cava de\u2019 Tirreni in der N\u00e4he der Amalfik\u00fcste in der Provinz Salerno, bis heute treu geblieben ist und die zur DNA dieses Zigarrenklassikers geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Feuertaufe f\u00fcr den Kentucky-Tabak <br \/><\/strong>Schicksal jeder Zigarre ist es, genussvoll in Rauch aufzugehen. Denn daf\u00fcr sind sie gemacht. Bei der Toscano kommt dem Rauch jedoch noch eine weitere, eine entscheidende Bedeutung zu: Um den maximalen Geschmack aus jedem einzelnen Tabakblatt hervorzulocken, wird der Kentucky-Tabak einer direkten Feuertrocknung unterzogen. Sie wurde in unterschiedlichen Ecken der Welt fast zeitgleich im fr\u00fchen 19. Jahrhundert entwickelt, um am Ende des Sommers, bei sinkenden Temperaturen und h\u00f6herer Luftfeuchtigkeit, nicht mehr allein auf die extrem witterungsabh\u00e4ngige Lufttrocknung angewiesen zu sein. Mit einem f\u00fcr die Toscano \u00e4u\u00dferst positiven Effekt: Die nach der Ernte in langen Reihen an der Decke von R\u00e4ucherscheunen aufgeh\u00e4ngten Tabakpflanzen werden schonend \u00fcber schwelenden Harth\u00f6lzern wie Eiche, Steineiche, Ahorn oder Hickoryholz ger\u00e4uchert. \u201eFire curing\u201c nennt sich diese Methode in den Vereinigten Staaten, \u201ecelle di cura a fuoco\u201c in Italien. Beide Methoden \u00e4hneln sich, haben aber einen entscheidenden Unterschied: In den USA h\u00e4ngen die Farmer die ganze Pflanze zur Feuertrocknung auf, und erst am Ende des Prozesses trennen sie die Bl\u00e4tter vom Rest der Pflanze. In Italien verarbeiten die Landwirte nur die Bl\u00e4tter, h\u00e4ngen sie mit einer besonderen Technik akkurat in Reihen auf, um bereits bei der \u201eFeuertaufe\u201c die bestm\u00f6gliche Qualit\u00e4t zu erzielen, die \u00fcberhaupt erst die nachfolgenden Produktionsschritte einer jeden Toscano erm\u00f6glicht.<img class=\"alignleft size-large wp-image-43712\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lucca_2018_03_0878-770x578.jpg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lucca_2018_03_0878-770x578.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lucca_2018_03_0878-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lucca_2018_03_0878.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/p>\n<p>Bei so viel Geschichte (und Geschichten) ist es kaum verwunderlich, dass eine Toscano-Zigarre f\u00fcr die italienische Genusskultur heute ebenso identit\u00e4tsstiftend ist wie Pasta, Pizza, Espresso oder die weltweit gefeierten Spitzenweine aus der Toskana, der Heimat dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Rauchgutes, das sich so markant abhebt vom Rest des Tabakuniversums. Die Toscano hat sich das Rauhe, Urspr\u00fcngliche ihrer Entstehungszeit bewahrt und trotzt als echter Nonkonformist allen Moden. Aber genau deshalb ist sie in einer Zeit, die Regionalit\u00e4t und handwerkliche Tradition wieder neu f\u00fcr sich entdeckt, von verbl\u00fcffender Modernit\u00e4t. Unverwechselbar in der Form, einzigartig im Geschmack. Und mit einer langen Tradition, die hinter jeder einzelnen Zigarre steht. Mainstream war die Toscano noch nie, Geheimtipp unter Zigarrenliebhabern schon immer. Ein Zigarrenklassiker ist die Toscano ohnehin.<\/p>\n<p>Info:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alles-andre.de\/marken\/toscano\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.alles-andre.de\/marken\/toscano<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte einer Zigarre aus Italien, die die Zigarrenwelt seit \u00fcber 200 Jahren polarisiert und provoziert.<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":43707,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[2813,2797,39,2805],"tags":[249,2861],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43702"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43702"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43702\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/43707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}