{"id":4340,"date":"2013-09-15T15:05:41","date_gmt":"2013-09-15T13:05:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cigartrophy.com\/?p=4340"},"modified":"2015-04-15T17:15:09","modified_gmt":"2015-04-15T15:15:09","slug":"zigarren-kuehl-lagern-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/zigarren-kuehl-lagern-teil-2\/","title":{"rendered":"Zigarren k\u00fchl lagern \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Immer \u00f6fter werden Weinklimaschr\u00e4nke als Humidor genutzt. Auf diese Thematik wollen wir n\u00e4her eingehen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst die unvermeidliche physikalische Feststellung: Luft kann Wasser speichern, und zwar umso mehr, je w\u00e4rmer sie ist. Ein Kubikmeter Luft enth\u00e4lt bei 20 Grad Celsius (68 \u00b0F) und 70 Prozent relativer Luftfeuchte (rF) 12,1 Gramm Wasser. Wird die Luft abgeku\u0308hlt, so steigt die relative Feuchte zwangsl\u00e4ufig an, weil k\u00e4ltere Luft weniger Wasser aufnehmen kann als w\u00e4rmere.<\/p>\n<p>Solange die geku\u0308hlte Zigarrenlagerungsst\u00e4tte hermetisch von der Umwelt abgeriegelt ist, also weder schwankenden Temperaturen noch unregelm\u00e4\u00dfiger relativer Feuchte ausgesetzt ist, ist die Welt der Zigarrenlagerung in Ordnung. Doch was geschieht beim \u00d6ffnen des geku\u0308hlten Schranks?<\/p>\n<p>Zur Veranschaulichung verwenden wir Zahlen aus einem durchschnittlichen Sommer. Status im Humidor: 15 \u00b0C (59 \u00b0F) und 70 Prozent relative Luftfeuchte. Status in der Umgebung des Humidors: 25 \u00b0C (77 \u00b0F) und 60 Prozent relative Luftfeuchte.<\/p>\n<p>Wenn der Humidor ge\u00f6ffnet wird, str\u00f6mt die warme Au\u00dfenluft in den Humidor. Nach dem Schlie\u00dfen wird die warme Luft um 10 Grad Celsius (18 Grad Fahrenheit) abgeku\u0308hlt. Die Folge: Kondenswasser im Humidor, weil die Luft das Wasser nicht mehr halten kann.<\/p>\n<p>Das Beispiel mag extrem gew\u00e4hlt sein, aber es verdeutlicht den physikalischen Zusammenhang. Ein h\u00e4ufiges Problem ist, dass Ku\u0308hlschr\u00e4nke trotz elektronischer Regelung der Luft nicht ausreichend Wasser entziehen k\u00f6nnen. Und wie reagieren die Hersteller solcher Schr\u00e4nke darauf? Beispielsweise so, dass die zu feuchte Luft aus dem Humidor ausgeblasen wird.<\/p>\n<p>Nun ist ein Schrank aber kein elastischer Luftballon, aus dem einfach Luft abgelassen werden kann. Es liegt auf der Hand, dass Luft aus der Umgebung nachstr\u00f6men muss. Das wiederum fu\u0308hrt zu einem extrem hohen Luftdurchsatz, was dem Ziel der langfristigen Zigarrenlagerung mit m\u00f6glichst geringer Frischluftzufuhr widerspricht.<\/p>\n<h3>Empfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n<p>Wer tats\u00e4chlich den Wunsch hat, Zigarren zu ku\u0308hlen, fu\u0308r den gelten folgende Empfehlungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Niemals einen geku\u0308hlten Humidor in einen sehr warmen Raum stellen, es sei denn, der Raum ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig trocken (unter 40% rF).<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Am besten den Humidor in einen geku\u0308hlten Raum stellen, wo es wenig Temperaturdifferenz zwischen innen und au\u00dfen gibt. Lediglich den Humidor gezielt befeuchten, das funktioniert hervorragend.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>In einem begehbaren Humidorraum kann durchaus eine Klimaanlage mit einem Luftbefeuchter kombiniert werden. Allerdings sollte die entsprechende Anlage eine Entfeuchtungsfunktion aufweisen (die bestenfalls stufenlos einstellbar ist). Dann kann genau das Gleichgewicht zwischen Wasserentzug und Ku\u0308hlleistung ermittelt werden, und die Feuchteschwankungen halten sich in Grenzen. Das der Luft durch die Ku\u0308hlung entzogene Wasser wird dann dem Befeuchter wieder zugefu\u0308hrt, so dass nur relativ selten der Befeuchter mit Wasser nachgefu\u0308llt werden muss. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Ku\u0308hlanlage der Luft mehr Wasser entzieht, als es dem Feuchteanstieg durch das Abku\u0308hlen der Luft entspricht. Soll hei\u00dfen: Ohne zus\u00e4tzliche Befeuchtung wu\u0308rde die Luft \u2013 bedingt durch die Ku\u0308hlung \u2013 eine relative Feuchte von 70% erheblich unterschreiten.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die professionellste L\u00f6sung besteht darin, in einer separaten Kammer genau die Luft der angestrebten Feuchte und der gewu\u0308nschten Temperatur zu erzeugen und sie dann in den Humidor einzuleiten. Allerdings muss dann die Luft aus dem Humidor auch wieder abgesaugt werden. Au\u00dferdem sollte das Ganze ein geschlossener Kreislauf sein, da ansonsten zu viel Frischluft zugefu\u0308hrt wu\u0308rde. Freilich sind derartige L\u00f6sungen vom Platzbedarf und vom Kostenaufwand her selbst fu\u0308r passionierte Zigarrensammler kaum realisierbar.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Unterstu\u0308tzende Technik bei der Zigarrenlagerung ist gut und richtig, solange diese Technik die Lagerungsbedingungen stabilisiert und dem Zigarrenraucher Arbeit abnimmt. Hinsichtlich der Ku\u0308hlung kann jedoch ein Zuviel an Technik genau das Gegenteil dessen bewirken, wozu sie eigentlich gedacht ist. Ist beim Wein eine konstante Temperatur wichtiger als eine konstante relative Luftfeuchte, so ist das bei der Zigarre genau umgekehrt. Vorausgesetzt, die relative Feuchte bleibt konstant, spielen selbst gelegentliche Temperaturkapriolen keine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Eine m\u00e4\u00dfig geku\u0308hlte Lagerung (18\u201320 \u00b0C) der Zigarren ist fu\u0308r die Langzeitlagerung sinnvoll, weil der Aromenumbauprozess langsamer erfolgt und sich dabei komplexere Aromen bilden k\u00f6nnen. Allerdings sollte dann auch die relative Luftfeuchte zuru\u0308ckgefahren werden.<\/p>\n<p>Viel wichtiger als eine konstante Temperatur ist fu\u0308r die Zigarre eine konstante Luftfeuchte. Grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es optimal, wenn die Zigarre bei konstanter Temperatur und konstanter Luftfeuchte gelagert wird.<\/p>\n<p><a title=\"Zigarren k\u00fchl lagern?\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/zigarren-kuehl-lagern\/\">Zu Teil 1 des Artikels<\/a>.<\/p>\n<blockquote>\n<h3>Die relative Luftfeuchte (RF)<\/h3>\n<div id=\"attachment_4351\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4351\" class=\"wp-image-4351 size-large\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart-770x405.jpg\" alt=\"relative humidity saturation quantity water vapor air figure chart\" width=\"520\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart-770x405.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart-500x263.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart-600x315.jpg 600w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/relative-humidity-figure-chart.jpg 892w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-4351\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Wolfgang Hametner<\/p>\n<\/div>\n<p>Ein Kubikmeter Luft kann eine bestimmte Menge Wasser in Form von Wasserdampf aufnehmen. Bei 20 \u00b0C (68 \u00b0F) sind das maximal 17,3 Gramm (0,61 oz.) Wasser. Mehr ist physikalisch nicht m\u00f6glich. Die Luft ist mit Wasser ges\u00e4ttigt, die relative Luftfeuchte betr\u00e4gt 100 Prozent. Wu\u0308rde man der Luft mehr Wasser zufu\u0308hren, so wu\u0308rde das Wasser nicht mehr gasf\u00f6rmig gel\u00f6st sein. Es wu\u0308rde als Niederschlag (an den W\u00e4nden) sichtbar werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2013 ver\u00f6ffentlicht. <a title=\"Herbst-Ausgabe 2013 \u2013 Nestor Plasencia Sr.\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/herbst-ausgabe-2013-nestor-plasencia-sr\/\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer \u00f6fter werden Weinklimaschr\u00e4nke als Humidor genutzt. Auf diese Thematik wollen wir n\u00e4her eingehen. 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