{"id":42136,"date":"2021-07-16T11:48:55","date_gmt":"2021-07-16T09:48:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=42136"},"modified":"2021-07-16T12:16:23","modified_gmt":"2021-07-16T10:16:23","slug":"die-deckblatt-spezialisten-aus-ecuador","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/die-deckblatt-spezialisten-aus-ecuador\/","title":{"rendered":"Die Deckblatt-Spezialisten aus Ecuador"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_42139\" style=\"width: 358px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42139\" class=\"wp-image-42139\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva1_19-1-500x331.jpg\" alt=\"\" width=\"348\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva1_19-1-500x331.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva1_19-1-770x510.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva1_19-1.jpg 950w\" sizes=\"(max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42139\" class=\"wp-caption-text\">Ein Mitarbeiter wendet Tabakb\u00fcndel in Olivas beeindruckender Tabakverarbeitungsanlage in Estel\u00ed in Nicaragua<\/p>\n<\/div>\n<p>Im Jahr 1925 brach der 18-j\u00e4hrige Angel in die Vereinigten Staaten auf. Wie so viele andere verlie\u00df er Kuba, weil es in seiner Heimat nichts mehr f\u00fcr ihn gab, so John Oliva Jr., Finanzchef der Oliva Tobacco Company und Enkel von Angel. \u201eSie waren furchtbar arm\u201c, sagt er. \u201eEr hatte elf Geschwister und verlie\u00df sein Zuhause schon mit neun Jahren, um in einem Gesch\u00e4ft zu arbeiten und seine Familie zu unterst\u00fctzen. Die Samen stellten eine symbolische Geste dar, und er erhielt sie zusammen mit dem Geld von seinem Bruder. Das war alles, was er hatte, als er in den USA eintraf. Es sollte ihn daran erinnern, woher er kam.\u201c Nach ein paar Gelegenheitsjobs und einem gescheiterten Versuch, im W\u00e4schereigesch\u00e4ft Fu\u00df zu fassen, war Angel als Verk\u00e4ufer und Lagerarbeiter im Tabaksektor t\u00e4tig. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, 1934, gr\u00fcndete er die Oliva Tobacco Company. \u201eEr hatte bereits in Kuba mit Tabak zu tun, denn mein Urgro\u00dfvater war Landverwalter bei der Cuba Tobacco Land Company in Pinar del R\u00edo gewesen\u201c, erz\u00e4hlt John, und es wird klar, dass er seinen Gro\u00dfvater sehr bewunderte. \u201eEr liebte Tabak. Ich hatte die Chance, mit ihm zu arbeiten, bevor er starb, und er brachte mir alles bei, was ich \u00fcber Tabak wei\u00df. Er besa\u00df bis zuletzt au\u00dfergew\u00f6hnliche F\u00e4higkeiten.\u201c Eine seiner gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken, so sein Enkel, war seine Vorahnung. \u201eEr hatte einen enormen Instinkt, wie etwa vor dem Embargo, als es ihm gelang, all diesen Tabak aus Kuba zu bekommen.\u201c Angel, der die Auswirkungen der Revolution voraussah, hatte die letzte Ernte des kubanischen Tabaks von der kubanischen Regierung gekauft. \u201eMein Gro\u00dfvater war ein aufmerksamer Leser und sehr scharfsinnig. Er wusste, dass Fidel Castro die Macht im Land \u00fcbernehmen w\u00fcrde und das Ende nahe war.\u201c Angel hatte sogar schon vor dem Embargo nach alternativen Standorten gesucht, u. a. in Honduras, begann aber mit dem Tabakanbau in Quincy im n\u00f6rdlichen Florida. \u201eDamals war Candela-Tabak eine gro\u00dfe Sache, also kaufte er Stanford Newman von der Newman Cigar Company ein Zugticket, und die beiden fuhren hin und kauften Tabak, um ihre Produktion in Tampa aufrechtzuerhalten.\u201c Die Oliva Tobacco Company verkaufte von Anfang an Tabak an fast alle gro\u00dfen Namen in der Branche. Nur die Herkunft des Tabaks hat sich ge\u00e4ndert. Nachdem man sich in Honduras niedergelassen hatte, startete Angel in Nicaragua, doch dann zwang ihn eine weitere Revolution, nach Alternativen zu suchen. Die \u00dcbernahme durch die Sandinisten in Nicaragua 1979 brachte ihn nach Ecuador. Die Familie hatte bereits nach anderen M\u00f6glichkeiten zum Anbau von Deckbl\u00e4ttern gesucht. In Nicaragua ging das nicht, da sie dort ihre Farmen verloren hatte. Die Tatsache, dass Mittelamerika nach dem Hurrikan Fifi mit Blauschimmel zu k\u00e4mpfen hatte, half nicht gerade. Gl\u00fccklicherweise erwies sich der Umzug nach Ecuador als eine der bisher wichtigsten Entscheidungen des Unternehmens. \u201eWir kauften eine Farm, auf der versucht wurde, Sumatra im Schatten zu ziehen, was in Ecuador unm\u00f6glich ist. Der Tabak f\u00fchlt sich wie Klopapier an \u2013 er ist viel zu d\u00fcnn\u201c, erkl\u00e4rt John Jr. So \u00fcbernahm Angel die Leitung der nach seiner Frau benannten Farm La Meca und begann stattdessen mit dem Anbau von Sun-Grown-Tabak. Was sich als genialer Zug erwies. \u201eEcuador will nur Deckbl\u00e4tter anbauen. Das ist vermutlich eines der Dinge, die mein Gro\u00dfvater als Vision hatte: dass es erstaunlich sein w\u00fcrde, eine Ernte zu haben, die 80 oder 90 Prozent Wrapper und Binder hervorbringt.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_42141\" style=\"width: 383px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42141\" class=\"wp-image-42141\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva2_19-1-500x282.jpg\" alt=\"\" width=\"373\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva2_19-1-500x282.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Oliva2_19-1.jpg 722w\" sizes=\"(max-width: 373px) 100vw, 373px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42141\" class=\"wp-caption-text\">John Oliva Jr. tr\u00e4gt die Fackel weiter und f\u00fchrt die lange Familientradition der Zigarrenherstellung fort<\/p>\n<\/div>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hatte Angel seine beiden S\u00f6hne angeworben, um aus dem Unternehmen einen Familienbetrieb zu machen. John Sr. stieg 1970 ein, nachdem sein Vater \u2013 freundlich und wohlwollend \u2013 Schuldgef\u00fchle bei ihm erweckt hatte. Zuvor war er in der Computerbranche t\u00e4tig. Texas Instruments kaufte sein Gesch\u00e4ft und wollte es nach Houston verlegen. \u201eAber mein Vater wollte nicht dort hin ziehen\u201c, erinnert sich John Jr. \u201eGleichzeitig sagte ihm mein Gro\u00dfvater, dass er in den Ruhestand gehen w\u00fcrde, dass es niemanden g\u00e4be, der die Leitung \u00fcbernehmen k\u00f6nnte, und dass er einen K\u00e4ufer f\u00fcr die Firma habe. Mein Vater wusste im Grunde immer, dass die Geschichte des K\u00e4ufers wahrscheinlich erfunden war. Aber der Trick funktionierte.\u201c John Jr. lacht und betont, dass sein Vater nicht widerwillig ins Unternehmen einstieg. Zum einen, weil er nicht wollte, dass der Familienbetrieb stirbt, zum anderen, weil damit viel Geld zu verdienen war. \u201eWie auch immer, ich finde es h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass mein Gro\u00dfvater das Unternehmen in seinem hohen Alter noch verkauft h\u00e4tte, selbst wenn mein Vater nicht eingestiegen w\u00e4re. Er liebte dieses Gesch\u00e4ft.\u201c John Sr. baute den Betrieb aus. Vier Jahre sp\u00e4ter schloss sich sein Bruder Angel Jr. an, und mit dem Einstieg von John Jr. im Jahr 1991 ist nun auch die dritte Generation vertreten. Nach dem Studienabschluss von John Jr. wollte sich sein Vater ein zweites Standbein aufbauen und hatte mit einer Seafood-Firma zu tun. F\u00fcr diese begann auch sein Sohn zu arbeiten. Der erinnert sich: \u201eIch war mir nicht sicher, ob ich ins Tabakgesch\u00e4ft einsteigen wollte. Mir schwebte eher vor, FBI-Agent zu werden, aber dann habe ich geheiratet und bin in die Wirklichkeit zur\u00fcckgekehrt. Schlie\u00dflich musste ich eine Familie ern\u00e4hren.\u201c Als John Sr. beschloss, aus dem Seafood-Gesch\u00e4ft auszusteigen, sagte ihm sein Sohn, dass er bei Oliva arbeiten wolle. \u201eIch liebe ja Tabak. Im Alter von acht Jahren habe ich zum ersten Mal Tabakbl\u00e4tter in Quincy gepfl\u00fcckt \u2013 f\u00fcr 25 Cent die Reihe. Ich dachte, ich w\u00fcrde im Sommer frei haben, aber nein \u2013 sie hatten einen Job f\u00fcr mich. Zuvor bin ich immer mit meinem Gro\u00dfvater nach Ecuador gereist.\u201c Um das Jahr 2000 kauften die Olivas einige Farmen au\u00dferhalb von Quevedo, zwei Stunden n\u00f6rdlich von Guayaquil. Neben A.S.P. sind sie die Hauptproduzenten der ber\u00fchmten ecuadorianischen Deckbl\u00e4tter. W\u00e4hrend sich A.S.P. fast ausschlie\u00dflich auf Connecticut konzentriert, baut Oliva auf den insgesamt sechs Farmen Sumatra und Habano an. Angesichts der untragbaren politischen Situation und Kriminalit\u00e4t sowie einer ausgelaugten Farm ist Honduras aus dem Rennen, aber Anfang der Neunziger kehrte Oliva nach Nicaragua zur\u00fcck, wo heute Filler wie auch Wrapper kultiviert werden und der gesamte Tabak des Unternehmens verarbeitet wird. John Jr. ist stolz darauf, wie sie ihren Tabak verarbeiten. \u201eIch glaube, dass wir hier etwas Besonderes tun. Die Bl\u00e4tter werden bis zu einem Jahr fermentiert, vor allem die h\u00f6heren Primings. Ich wei\u00df, dass man auch anderswo von gereiftem Tabak h\u00f6rt. Aber Tabak leicht zu fermentieren, in eine Kiste zu legen und ihn zu lagern ist eine Sache, was wir tun, eine andere. Bei uns wird der Tabak so lange fermentiert, bis er reif f\u00fcr den Rauchgenuss ist. Wir \u00fcberst\u00fcrzen nichts.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ein paar Tabaksamen, die er in seinem G\u00fcrtel eingen\u00e4ht hatte, und 50 Dollar, die ihm sein Bruder gab, ging Angel Oliva an Bord eines Schiffs nach Tampa. Das markierte den Beginn eines besseren Lebens &#8211; und der Oliva Tobacco Company. <\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":42137,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[6242,25,6165,87,21,13,39,2809],"tags":[6780,6779],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42136"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42136\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/42137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}