{"id":42081,"date":"2021-07-15T12:27:09","date_gmt":"2021-07-15T10:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=42081"},"modified":"2021-07-15T12:27:09","modified_gmt":"2021-07-15T10:27:09","slug":"flieh-aroma-flieh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/flieh-aroma-flieh\/","title":{"rendered":"Flieh Aroma, Flieh!"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_42084\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42084\" class=\"wp-image-42084\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner1_19-2-500x375.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner1_19-2-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner1_19-2.jpg 762w\" sizes=\"(max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42084\" class=\"wp-caption-text\">Davidoff Ch\u00e2teau Haut-Brion von 1982<\/p>\n<\/div>\n<p>So mancher unter uns kennt das Problem: Man lagert Zigarren im Humidor und nach einiger Zeit scheinen die Aromen verflogen zu sein. Zun\u00e4chst betrifft dies nur das Bouquet (nasale Wahrnehmung), bei l\u00e4nger gelagerten Zigarren kann sich die Aromenflucht auch durch einen flachen Rauchverlauf bemerkbar machen. Wer Rat im Internet sucht, findet dort etwa die glorreiche Empfehlung aus Gro\u00dfvaters Zeiten, man solle doch einen halben Apfel, ein Glas Rum, ein St\u00fcck Seife oder etwas Pfeifentabak in den Humidor legen. \u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich bekanntlich streiten, \u00fcber Ger\u00fcche sicherlich auch. Allerdings sind solche Empfehlungen keinesfalls Handlungsanweisungen, die man ungepr\u00fcft \u00fcbernehmen sollte. Nehmen wir also von Empfehlungen Abstand, die das Problem durch \u00dcberlagerung mit Fremdaromen zu kompensieren versuchen. Werfen wir einen Blick darauf, welche Einflussfaktoren f\u00fcr den Erhalt des Bouquets und des Aromas wirklich von Bedeutung sind. Vor l\u00e4ngerer Zeit verkostete ich in einer lustigen Runde alte Zigarren, darunter auch kubanische Davidoffs und Dunhills &#8230; Da h\u00f6rte man schon kurz nach dem Anz\u00fcnden Kommentare wie: \u201eSchmeckt wie hei\u00dfe Luft\u201c, oder \u201eIch schmecke ja gar nichts\u201c. Diesem ersten Frust folgte bald ein zweites Glas Rum &#8230; und das war es dann mit dem Tasting. Mein Gedanke dazu: Beim Verkosten reifegelagerter Exemplare ist hohe Aufmerksamkeit geboten. Mit einer Aromenexplosion ist bei Zigarren, die Jahrzehnte alt sind, nicht zu rechnen. Ich behaupte ja, dass wir Zigarrengenie\u00dfer zunehmend die F\u00e4higkeit verlieren, die Finesse feiner Aromen wahrzunehmen und zu sch\u00e4tzen. Einfach deshalb, weil wir immer kr\u00e4ftigere Zigarren konsumieren. Nicht jede Zigarre wird durch Reifelagerung besser. Es gibt Zigarren, die irgendwann ihre Aromen nahezu v\u00f6llig einb\u00fc\u00dfen, wie ich dies j\u00fcngst bei einer kubanischen Davidoff Nr. 1 feststellen musste. Nun, diese Zigarre war schon vor Jahrzehnten kein Aromenfeuerwerk. Wenn sie nun mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat, dann ist das Raucherlebnis doch eher entzaubernd. Ganz im Gegenteil zur Ch\u00e2teau-Serie von Davidoff. Als ich Ende 2017 auf einem Museumsschiff im Hamburger Hafen einen Humidor einbaute, wurde zur Einweihungsfeier eine Kiste Davidoff Ch\u00e2teau Haut-Brion 1982 kredenzt. Meine G\u00fcte. Wir haben die Zigarre geraucht, bis die Fingern\u00e4gel gl\u00fchten. Sie war bis zum Schluss ein absolut perfekter Genuss. Es ist einleuchtend, dass kr\u00e4ftige Zigarren prinzipiell besser zur Reifung geeignet sind als milde. Eine Fonseca Nr. 1 verf\u00fcgt in den ersten Jahren nach ihrer Produktion trotz ihrer Milde \u00fcber erstaunlich komplexe Aromen. Ich pers\u00f6nlich beobachtete nun bei einer Kiste aus dem Jahr 2006, dass sich die Zigarre f\u00fcr mein Empfinden nicht positiv weiterentwickelt \u2013 ihr Aroma wird flacher. Dagegen hielt ich die Romeo y Julieta Robusto Edici\u00f3n Limitada 2001 anfangs f\u00fcr eine unrauchbare Zigarre. Erst nach mehreren Jahren begann die Zigarre eine unglaubliche Entwicklung und ist heute ein Hochgenuss. Es kommt meiner Meinung ganz erheblich auf die Zusammensetzung der Zigarre an, also das Verh\u00e4ltnis von Volado bzw. Viso, Seco und Ligero. Ich habe mir vor mehreren Jahren bei einem Roller- Event zw\u00f6lf Zigarren rollen lassen. Drei St\u00fcck nach Originalrezept des Rollers, drei mit identischem Anteil Volado, allerdings weniger Seco und mehr Ligero, drei weitere Zigarren mit mehr Seco als Ligero und die drei letzten mit einem sehr hohen Seco- und mittleren Ligero-Anteil. Wenn man nun bedenkt, dass der Ligero prim\u00e4r f\u00fcr die St\u00e4rke der Zigarre verantwortlich ist und der Seco f\u00fcr den W\u00fcrze- und Aromenanteil, ist das Ergebnis der Zigarrenentwicklung einleuchtend. Nach etwa f\u00fcnf Jahren war die Zigarre mit hohem Seco- und geringem Ligerogehalt zwar nicht besonders kr\u00e4ftig, hatte aber ein sehr intensives Aroma im Rauchverlauf. Die Zigarre mit mehr Ligero und weniger Seco hatten zwar eine gewisse Durchschlagskraft, die Aromen waren aber nicht selektiv wahrnehmbar \u2013 entweder durch den Ligero \u00fcberlagert oder aber durch den geringen Seco-Gehalt nicht mehr vorhanden.<\/p>\n<div id=\"attachment_42086\" style=\"width: 201px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42086\" class=\"wp-image-42086\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner2_19-2-500x577.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner2_19-2-500x577.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner2_19-2.jpg 671w\" sizes=\"(max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42086\" class=\"wp-caption-text\">Die unterschiedlichen Tabakarten in der Zigarre sind entscheidend<\/p>\n<\/div>\n<p>EINZELLAGERUNG ODER KISTENLAGERUNG<br \/>W\u00e4hrend der Konsument auf die Zusammensetzung und den Aufbau einer Zigarre keinen Einfluss hat, kann er bei der Lagerung alle Register ziehen. Den meiner Ansichtnach gr\u00f6\u00dften Einfluss auf Erhalt oder Verlust des Bouquets einer Zigarre hat die Einzel- oder Kistenlagerung. Werden Zigarren \u00fcber l\u00e4ngere Zeit einzeln im Humidor gelagert, so wird man eine weit st\u00e4rkere Aromenflucht wahrnehmen, als wenn die Zigarren in ihrer Kiste im Humidor gelagert werden. Der Grund liegt auf der Hand: Jedes Mal, wenn der Humidor ge\u00f6ffnet wird, werden die Zigarren frischer Luft ausgesetzt und das im Humidor angesammelte Tabakaroma entweicht. Werden die Zigarren dagegen in der Kiste gelagert, kann die einstr\u00f6mende Frischluft die Zigarren nicht direkt erreichen. Unternehmen Sie folgenden Test: Nehmen Sie einige Zigarren aus der Kiste und lagern sie diese einzeln im Humidor. Der Rest bleibt in der Kiste und reift unter seinesgleichen mit m\u00f6glichst wenig Frischluftzufuhr. Und dann rauchen Sie nach einigen Jahren beide Zigarren parallel. Sie werden erstaunt sein. \u201eAber man soll den Humidor doch regelm\u00e4\u00dfig l\u00fcften\u201c, ist in den K\u00f6pfen vieler verankert. Diese Empfehlung ist, ich kann es nur wiederholen, dem Umstand geschuldet, dass passive Befeuchtungssysteme meist nicht in der Lage sind, ein \u00dcberfeuchten des Humidors zu vermeiden und durch das L\u00fcften die \u00fcbersch\u00fcssige Feuchte aus dem Humidor entweichen kann. Aber das L\u00fcften an sich ist absolut kontraproduktiv.<\/p>\n<div id=\"attachment_42088\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42088\" class=\"wp-image-42088\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner3_19-2-500x354.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner3_19-2-500x354.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner3_19-2.jpg 751w\" sizes=\"(max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42088\" class=\"wp-caption-text\">Kombinierte Kisten- und Einzellagerung im Humidor<\/p>\n<\/div>\n<p>TEMPERATUR UND LUFTFEUCHTE<br \/>Ein Umstand, der mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass die Zigarre in einer Umgebung von 16\u201318 \u00b0C nicht merkbar l\u00e4nger das Bouquet erh\u00e4lt als bei einer Lagerung bei 22\u201325 \u00b0C. Man sollte eigentlich denken, dass fl\u00fcchtige Substanzen bei hoher Temperatur schneller verfliegen als bei niedriger. Seltsamerweise kann man das bei einer Zigarre nicht beobachten. Im Gegenteil: Lagert man Zigarren l\u00e4ngere Zeit bei Temperaturen unter 14\u201315 \u00b0C (selbst bei korrekter Luftfeuchte), so verliert die Zigarre extrem an Bouquet. Und zwar auch dann, wenn sie wieder normale Raumtemperatur angenommen hat. Das ist schon bemerkenswert, ist doch in unseren K\u00f6pfen verankert, dass eine niedrigere Temperatur eher konservierend und erhaltend wirkt. F\u00fcr die Zigarre gilt das de facto nicht. Das ist das Ergebnis mehrerer Experimente f\u00fcr die Habanos Days Deutschland (2012, 2014, 2016 und 2018). Dazu hatte ich gleiche Zigarren f\u00fcr jeweils zwei Jahre unterschiedlich gelagert. Gek\u00fchlt gelagerte Zigarren waren neben denen, die bei stark schwankender Luftfeuchte gelagert wurden, immer die Verlierer in der Bewertung. Ist die Luftfeuchte zu hoch, so kann die Zigarre zu m\u00fcffeln beginnen, beh\u00e4lt aber weitgehend ihr Tabakaroma. Wird sie dann langsam wieder auf den korrekten Feuchtegehalt (12\u201313 Gewichtsprozent an Wasser bei Lagerung im Humidor mit einer relativen Luftfeuchte von ca. 70%) zur\u00fcckgefahren, so verschwindet der Muffgeruch und die Tabakaromen treten wieder in den Vordergrund. Ganz anders verh\u00e4lt es sich, wenn die Zigarre austrocknet. Bereits einige Wochen Lagerung bei einer Luftfeuchte von weniger als 50\u201355% bewirken einen massiven, irreversiblen Aromenverlust. Ich habe bei den oben erw\u00e4hnten Tastings allerdings etwas Interessantes festgestellt: Es gibt durchaus Zigarrenraucher, die den Geschmack einer einst ausgetrockneten Zigarre als angenehm bezeichnen. Nat\u00fcrlich sind aber die filigranen Aromen nach einer derartigen Trocknungstortur g\u00e4nzlich hin\u00fcber. Wir alle wissen, dass der Tabak nach der Ernte getrocknet wird, und man fragt sich, weshalb das Austrocknen einer Zigarre mit Aromenverlust verbunden sein soll, wo doch das Trocknen des Tabaks keinen solchen bewirkt. Nun, die Trocknung des Rohtabaks erfolgt nicht unkontrolliert bei extremer Trockenheit, sondern bei einer Umgebungsfeuchte von 50\u201380 Prozent. Der Tabak ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht fermentiert. Nach der Fermentation wird er eingelagert und verliert durchaus weiter an Feuchtigkeit. Er trocknet aber nie vollkommen aus. Im Gegenteil, Tabak in den gepressten Ballen weist einen Wassergehalt von 18\u201325% auf. Eine fertige Zigarre, korrekt gelagert, hat einen Wasseranteil von rund 13%, also viel weniger.<\/p>\n<div id=\"attachment_42090\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-42090\" class=\"wp-image-42090 \" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner4_19-2-500x333.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner4_19-2-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner4_19-2-770x513.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/HumidorCorner4_19-2.jpg 897w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-42090\" class=\"wp-caption-text\">Tabaktrocknung nach der Ernte bei schwankender Luftfeuchte<\/p>\n<\/div>\n<p>FAZIT<br \/>Um das Bouquet der Lieblingszigarren m\u00f6glichst lange zu erhalten empfehle ich: <br \/>1. Bei l\u00e4ngerer Lagerzeit Zigarren m\u00f6glichst in der Kiste lagern.<br \/>2. Die Zigarren m\u00f6glichst wenig Frischluft aussetzen, aber auch nicht luftdicht lagern.<br \/>3. Eine Luftfeuchte von ca. 70% m\u00f6glichst konstant halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So mancher unter uns kennt das Problem: Man lagert Zigarren im Humidor und nach einiger Zeit scheinen die Aromen verflogen zu sein.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":42082,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[6242,25,6166,87,21,39,2805,15],"tags":[6774,169,6773],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42081"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42081"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42081\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/42082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}