{"id":41567,"date":"2021-07-05T11:28:38","date_gmt":"2021-07-05T09:28:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=41567"},"modified":"2021-07-05T11:28:38","modified_gmt":"2021-07-05T09:28:38","slug":"cohiba-die-geburt-eines-mythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/cohiba-die-geburt-eines-mythos\/","title":{"rendered":"Cohiba: Die Geburt eines Mythos"},"content":{"rendered":"<p>An einem sch\u00f6nen Februarmorgen traf ich in Havanna bei einer guten Zigarre zuf\u00e4llig einen Freund aus Italien. Nach einer Weile fragte er mich, ob ich Eduardo Rivera<br \/>Irizarri, einen Mann, der untrennbar mit der Geschichte kubanischer Zigarren verbunden ist, pers\u00f6nlich kennenlernen wollte. Nat\u00fcrlich wollte ich! So kam es, dass wir uns wenige Tage sp\u00e4ter vor Rivera Irizarris Haus am Stadtrand Havannas trafen. Eduardo Rivera Irizarri war von 1966 bis 1970 Leiter der heute wohl bekanntesten Zigarrenfabrik der Welt: die Cohiba-Manufaktur El Laguito. Fidel Castro pers\u00f6nlich ernannte ihn zum Fabrikleiter \u2013 aber ich greife zu weit voraus, denn das ist der kr\u00f6nende Abschluss seiner Geschichte. Fangen wir von vorne an: Irizarris Geschichte beginnt in Palma Soriano, einer Stadt im Osten Kubas. Dort begann er bereits mit elf als Torcedor zu arbeiten. Mitte der 1950er-Jahre zog er nach Havanna, wo er einen Job in einer Fabrik namens El Faraon bekam. Der Besitzer war kein geringerer als P\u00e9rez Salazar, der in den Jahren der Revolution den Spitznamen \u201eChicho\u201c erhielt und zu Fidels Chef-Bodyguard wurde. Sp\u00e4ter arbeitete Eduardo in der Zigarren-Manufaktur Por Larra\u00f1aga in der Calle Carlos III, die damals als \u201ela universidad de las fabricas\u201c (die Universit\u00e4t unter den Zigarren-Manufakturen) galt.<br \/>Wir lauschten seinen Erz\u00e4hlungen gebannt, aber irgendwann konnten wir unsere Neugierde nicht l\u00e4nger im Zaum halten und fragen ihn nach der Geschichte der Laguito No.1 \u2013 die Fidel Castro so hei\u00df geliebt hat. Die Zigarren entstanden urspr\u00fcnglich aus der Notwendigkeit heraus, so viele Zigarren wie m\u00f6glich aus der Fabrik zu tragen. Damals war es den Torcedores n\u00e4mlich gestattet, so viele Zigarren aus der Fabrik zu bringen, wie sie in die Hemdtaschen der Guayabera stecken konnten. Je d\u00fcnner die Zigarre, desto mehr konnte man also in die Brusttasche packen. Rivera Irizarri erz\u00e4hlte uns, dass Chicho eines Tages Fidel eine seiner Zigarren anbot. Dieser war so begeistert davon, dass er diese Zigarren exklusiv f\u00fcr sich herstellen lie\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_41570\" style=\"width: 311px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-41570\" class=\"wp-image-41570\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Zigarrenwissen1_20-3-500x375.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Zigarrenwissen1_20-3-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Zigarrenwissen1_20-3-770x578.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Zigarrenwissen1_20-3.jpg 950w\" sizes=\"(max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-41570\" class=\"wp-caption-text\">Die Cohiba Lanceros gab es bereits in den 1980er-Jahren. Die Kistchen, die f\u00fcr Beh\u00f6rden und Diplomaten bestimmt waren, sahen optisch v\u00f6llig anders aus als jene, die verkauft wurden<\/p>\n<\/div>\n<p>Anfang der 1960er-Jahre trat Irizarri dann in die Fuerzas Armadas Revolucionarias (Revolution\u00e4re Streitkr\u00e4fte) ein und wurde in ein Trainingscamp in Pinar del R\u00edo geschickt. In der Folge entsandte Chicho ihn nach Havanna, wo er zuerst in der Fabrik Por Larra\u00f1aga und sp\u00e4ter bei La Corona arbeitete, w\u00e4hrenddessen aber nie aufh\u00f6rte, insgeheim in seiner Wohnung jene Zigarren herzustellen, die wir heute als Laguito No.1 kennen. Fidel forderte eine immer gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Zigarren, da er nun auch begonnen hatte, sie bei diplomatischen Treffen seinen engsten Vertrauten anzubieten. Um dem steigenden Bedarf nachzukommen, war es also notwendig, die Produktion zu professionalisieren. 1963 wurde Rivera Irizarri zu diesem Zweck zu einer Besprechung gebeten, bei der Fidel, seine pers\u00f6nliche Sekret\u00e4rin Celia S\u00e1nchez und Chicho anwesend waren. Auf die Frage, was er brauche, um eine kleine, dem Comandante vorbehaltene Produktion zu starten, antwortete er mit der Bitte nach geeigneten R\u00e4umlichkeiten, den notwendigen Ger\u00e4ten, einigen vertrauensw\u00fcrdigen Torcedores, die er anlernen wollte, sowie Zugang zu den besten Tabaksorten. Celia S\u00e1nchez fragte ihn, ob nun denn M\u00e4nner oder Frau- en die besseren Zigarren rollten. Darauf meinte Eduardo, dass Frauen behutsamer und genauer arbeiten. Im Handumdrehen stellte man ihm alles zur Verf\u00fcgung. Die ersten Arbeiterinnen wurden von Celia pers\u00f6nlich unter den T\u00f6chtern und Verwandten der Revolution\u00e4re auserkoren. Diese erste Gruppe bestand aus etwa 20 Frauen, sp\u00e4ter kamen noch weitere dazu. In jenen Monaten arbeitete Eduardo im Geheimen an der neuen Produktion und bildete gemeinsam mit Heriberto Martin \u201eCamaguey\u201c, einem erfahrenen und befreundeten Torcedor, die neuen Arbeiterinnen aus. 1964 wurde die regul\u00e4re Produktion aufgenommen. Hergestellt wurde ausschlie\u00dflich ein Format:192&#215;12,3|71\/2&#215;38. Es wurde erst 1966 mit der Bezeichnung Laguito No.1 in das Vitolario aufgenommen, weil man in diesem Jahr in die heutige Fabrik umzog, die eben in der Gegend von El Laguito liegt. Im selben Jahr wurden durch die Zusammenarbeit mit Camaguey die Corona Especial und die Panetelas entwickelt, die man sp\u00e4ter in Laguito No.2 bzw. Laguito No.3 umbenannte. Die Produktion wuchs von Monat zu Monat, obwohl zugleich immer mehr Zigarren abgeholt und konsumiert wurden, da ja \u201eFidel ein sehr gro\u00dfz\u00fcgiger Mensch war\u201c, so Eduardo. 1966 beliefen sich die Lagerbest\u00e4nde auf eine halbe Million Zigarren! Zus\u00e4tzlich zu den Zigarren mussten nat\u00fcrlich auch die zum Transport n\u00f6tigen Boxen produziert werden, die in erster Linie f\u00fcr Diplomaten aus dem Ausland bestimmt waren. Also kaufte man ein Ger\u00e4t zur Holzbearbeitung aus Italien, und durch die Zusammenarbeit mit kubanischen Handwerkern konnten unterschiedliche Kisten und Humidore f\u00fcr je 25, 50 oder 100 Zigarren hergestellt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_41574\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-41574\" class=\"wp-image-41574\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Zigarrenwissen2_20-3.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"255\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-41574\" class=\"wp-caption-text\">Die Cohiba Diplomatico Bohio aus den sp\u00e4ten 1960er-Jahren. Diese Humidore waren f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeiten gedacht, die Comandante Fidel Castro besuchten<\/p>\n<\/div>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden auch personalisierte Ringe gefertigt, die den Namen des jeweiligen Diplomaten oder W\u00fcrdentr\u00e4gers trugen. Die Zigarren wurden zudem von einer weiteren Bauchbinde geziert, auf der das Wappenschild Kubas abgebildet war. Als man 1966 umzog, hatte die Produktion bereits eine bemerkenswerte Gr\u00f6\u00dfe erreicht, vor allem f\u00fcr eine Fabrik, die nicht f\u00fcr den regul\u00e4ren Handel produzierte. Eduardo war sich dessen durchaus bewusst und so beschloss er, gemeinsam mit Celia<br \/>S\u00e1nchez, Chicho und Fidel, die betr\u00e4chtlichen Best\u00e4nde zu verkaufen. Daf\u00fcr brauchte man freilich einen klingenden Namen, der Kuba w\u00fcrdig repr\u00e4sentieren w\u00fcrde, sowie eine passende Bauchbinde. Der erste Namensvorschlag war Palmas \u2013 in Anlehnung an die kubanische Palma Real Autoctona, da die schlanke Zigarrenform den ranken Palmenst\u00e4mmen durchaus \u00e4hnlich sieht \u2013, er stie\u00df aber nicht auf allzu gro\u00dfen Zuspruch. Wenige Tage sp\u00e4ter hatte Celia, die mit der fr\u00fchen Geschichte Kubas vertraut war, den z\u00fcndenden Einfall, die Zigarre \u201eCohiba\u201c zu taufen (die Bezeichnung der Ta\u00ednos f\u00fcr die Tabakpflanze). Der Comandante betraute Celia mit der Aufgabe zu pr\u00fcfen, ob der Name bereits registriert sei. Man fand heraus, dass viele Jahre zuvor zwar jemand den Namen angemeldet, diesen aber nie benutzt hatte. Somit stand der Verwendung von \u201eCohiba\u201c nichts mehr im Wege. Offiziell angemeldet wurde der Name jedoch erst 1969. Ich bin \u00e4u\u00dferst dankbar daf\u00fcr, dass ich Eduardo Rivera Irizarri pers\u00f6nlich kennenlernen durfte. Diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Mann verdanken wir die Laguito No.1, eine Zigarre, die wohl wie keine andere dazu beigetragen hat, Cohiba zum prestigetr\u00e4chtigsten Brand von Habanos S.A. zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem sch\u00f6nen Februarmorgen traf ich in Havanna bei einer guten Zigarre zuf\u00e4llig einen Freund aus Italien. Nach einer Weile fragte er mich, ob ich Eduardo Rivera<br \/>\nIrizarri, einen Mann, der untrennbar mit der Geschichte kubanischer Zigarren verbunden ist, pers\u00f6nlich kennenlernen wollte.<\/p>\n","protected":false},"author":107,"featured_media":41568,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[6242,25,6675,87,21,39,2809,2805,15],"tags":[1148,6702,6701],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41567"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/107"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41567"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41567\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41568"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}