{"id":41462,"date":"2021-07-02T09:10:10","date_gmt":"2021-07-02T07:10:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=41462"},"modified":"2021-07-02T09:10:10","modified_gmt":"2021-07-02T07:10:10","slug":"der-andere-dominikanische-tabak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/der-andere-dominikanische-tabak\/","title":{"rendered":"Der andere dominikanische Tabak"},"content":{"rendered":"<p>In der dominikanischen Tradition hat der Andullo so viel Gewicht, dass er zum Namensgeber eines Kapitels der Landesgeschichte wurde, des Angriffs der Andulleros. Der ereignete sich 1844 w\u00e4hrend der Schlacht von Santiago de los Caballeros, als Juan Pablo Duarte f\u00fcr das Ende der haitianischen Besatzung k\u00e4mpfte. Jener Angriff, angef\u00fchrt von Fernando Valerio, war ausschlaggebend f\u00fcr den Sieg der Dominikaner, sodass heute vor dem Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt in Mao in der Provinz Valverde, einer der wichtigsten Tabakregionen im Cibao-Tal, in Gedenken an die mutigen Andulleros und die Ereignisse, die vor fast zweihundert Jahren dort stattgefunden haben, eine gro\u00dfe Statue aufragt. Innovative Impulse vonseiten der Branche brachten in den letzten Jahren Zigarren auf den Markt, die etwas mehr bieten, etwas Anderes und Neues. Dabei sollten dem traditionellen Aromaspektrum des Tabaks neue Aromen hinzugef\u00fcgt werden, um damit auf die Forderungen eines Publikums einzugehen, das immer \u00f6fter nach neuen Geschmackserlebnissen verlangt. Und daf\u00fcr gibt es viele Beispiele, wie etwa feuergetrockneter Tabak, der Raucharomen beitr\u00e4gt, oder das Einbinden von ein wenig Latakia, einem sehr geschmacksintensiven Tabak. In der Dominikanischen Republik hingegen haben sich manche Marken dem Andullo zugewandt.<br \/>Der Andullo ist Tabak in Reinkultur. Tats\u00e4chlich wird die Sorte Criollo f\u00fcr den Anbau verwendet, ein kubanisches Saatgut, das 14 bis 16 kleine, lange Bl\u00e4tter ergibt; nur ist der Verarbeitungsprozess hier ein anderer. Dieser Verarbeitungsprozess ist typisch f\u00fcr das Cibao-Tal, aber auch f\u00fcr den S\u00fcden des Landes, \u00f6stlich von Santo Domingo, wo das Hauptgebiet des Andullo liegt: Azua de Compostela. Sim\u00f3n Beltr\u00e9 ist im nahe gelegenen T\u00e1bara Arriba geboren. Er ist ein dominikanischer Andullero, der heute in Br\u00fcssel lebt und sich in das Abenteuer gest\u00fcrzt hat, seine eigene Puro-Marke zu gr\u00fcnden: SB. \u201eDer Tabak ist derselbe\u201c, erz\u00e4hlt Sim\u00f3n Beltr\u00e9, \u201eaber der Prozess ist ein anderer, weil sich der Andullo in eine feste Substanz verwandelt und keine so aufwendige \u00dcberwachung erfordert.\u201c<\/p>\n<p>DREI PRESSUNGEN<br \/>Beltr\u00e9 erkl\u00e4rt, dass beim Prozess des Andullo nur zwei Schnitte an der Pflanze erforderlich sind. \u201eIm Unterschied zu den Tabaken f\u00fcr Puros wird der Andullo auf einmal geerntet und dann im Schuppen drei Wochen lang getrocknet, wobei die Bandeliers mit erheblich mehr Tabakbl\u00e4ttern best\u00fcckt werden.\u201c Bei der Trocknung ist nicht so sehr die Farbe wichtig, vielmehr soll das Blatt und vor allem die Hauptvene d\u00fcnner werden. Im Anschluss, und noch vor der Fermentation, wird der Tabak entrippt, und hier beginnt die Besonderheit im Andullo-Prozess.<\/p>\n<p><img class=\"alignright wp-image-41465 \" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andullo1_20-4-500x332.jpg\" alt=\"\" width=\"361\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andullo1_20-4-500x332.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andullo1_20-4-770x511.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andullo1_20-4.jpg 950w\" sizes=\"(max-width: 361px) 100vw, 361px\" \/><span style=\"background-color: transparent;\">Der Tabak wird in Yaguas \u2013 zwei entgegengesetzt angeordnete Palmbl\u00e4tter \u2013 eingerollt, sodass er komplett von dem entstehenden Zylinder umgeben ist, der mit einem Seil fest umwickelt wird. Im Inneren beginnt die intensive Fermentation, bei der sich die ungef\u00e4hr zehn Kilo Tabak in eine feste Masse verwandeln. Dem Prozess wird mit einer kleinen Menge Zuckerrohrsaft nachgeholfen, die dem Tabak keine Aromen hinzuf\u00fcgt, sondern allein der G\u00e4rung dient. In diesem gepressten Zustand verweilt der Tabak in der Yagua etwa vier Monate, wobei der Andullo den Prozess der Pressung innerhalb der vier Monate noch mindestens zweimal durchlaufen muss. Nach dieser Fermentationszeit wird der Yagua ein Tabak in Zylinderform entnommen, der zwar stark gepresst und fest ist, aber auch leicht zerbr\u00f6ckelt. An den Seiten sind die Seilabdr\u00fccke klar erkennbar, die Masse hat eine dunkle, reife Farbe und das Aroma weist auf die lange Fermentation des Tabaks hin. Gew\u00f6hnlich wird diese Art Tabak in einer Pfeife geraucht, doch trotz seiner St\u00e4rke \u201ekauen ihn hier auch viele \u00e4ltere Menschen und andere rauchen ihn sogar in Zigarettenpapier gerollt\u201c, erkl\u00e4rt Sim\u00f3n Beltr\u00e9.<\/span><\/p>\n<p>DER \u201eANDERE\u201c TABAK<br \/>Der Andullo ist der andere traditionelle dominikanische Tabak. Wie der Latakia wird er gew\u00f6hnlich als Pfeifentabak benutzt, trotzdem verwenden ihn einige Hersteller von Puros in ihren Blends, um sie den Passionados als neue Produkte anbieten zu k\u00f6nnen. Auch bei Sim\u00f3n Beltr\u00e9s Zigarrenmarke SB, eine au\u00dferhalb der Dominikanischen Republik noch wenig bekannte Superboutique-Marke, ist das der Fall. Zudem haben mindestens drei gro\u00dfe Hersteller schon vor einer Weile Zigarren mit Andullo auf den Markt gebracht: CAO, La Aurora und VegaFina.<br \/>Der Andullo wird bei den vier Marken allerdings sehr unterschiedlich wahrgenommen. Bei der La Aurora ADN und CAOs Orellana, Anaconda und Fuma em Corda (\u201efuma em corda\u201c ist der brasilianische Andullo) hat dieser andere Tabak viel Gewicht im Blend und ist ausschlaggebend f\u00fcr die St\u00e4rke. Bei der SB Andullo sind die dunklen Aromen sp\u00fcrbar, die sich aus der langen Fermentation ergeben, auf die St\u00e4rke wirken sie sich allerdings nur bedingt aus. Der neuen VegaFina Fortaleza 2 Andullo, der leichtesten unter ihnen, verleiht der Andullo Tiefe und Ausgewogenheit, macht sie aber auch zu einer starken Zigarre.<br \/>In jedem Fall liegt es offenbar im Trend, dem Blend einer Puro einen anderen Tabak hinzuzuf\u00fcgen. Und nicht nur das, es er\u00f6ffnet auch einen neuen und aufregenden Innovationspfad, den es noch zu beschreiten gilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Copyright Fotos: La Aurora<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren f\u00fchrten die Innovationsbestrebungen seitens der Fabrikanten zur Entwicklung von Produkten mit \u201eanderen\u201c Tabaken: Feuergetrocknet, Latakia, Fuma em Corda &#8230; Der andere dominikanische Tabak ist der Andullo. <\/p>\n","protected":false},"author":39,"featured_media":41463,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[6242,25,6676,21,39,2809,2805,15],"tags":[4197,6686,6685],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41462"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/39"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41462\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}