{"id":41013,"date":"2021-06-24T16:21:09","date_gmt":"2021-06-24T14:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=41013"},"modified":"2021-08-10T14:43:43","modified_gmt":"2021-08-10T12:43:43","slug":"toscano-und-die-stolzen-frauen-aus-lucca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/toscano-und-die-stolzen-frauen-aus-lucca\/","title":{"rendered":"Toscano und die stolzen Frauen aus Lucca"},"content":{"rendered":"<p>Von ihren leidenschaftlichen Anh\u00e4ngern wird sie selbstbewusst \u201estortignacolo\u201c, die Krumme, genannt. Und seit mittlerweile \u00fcber 200 Jahren steht sie synonym f\u00fcr pures italienisches Lebensgef\u00fchl: die Toscano. Ob zum Espresso am Morgen oder zu schwerem Rotwein am Abend \u2013 die aromatisch-starke Zigarre aus der Toskana ist fester Bestandteil des legend\u00e4ren \u201edolce vita\u201c und ein Geheimtipp unter Zigarrenliebhabern. Ihre enorme Beliebtheit in Italien \u2013 aber mittlerweile rund um den Globus \u2013 verdankt die Toscano dem gekonnten Zusammenspiel aus urw\u00fcchsiger Kraft, den w\u00fcrzig-feinen Aromen des Dark Fired Kentucky-Tabaks und der handwerklichen Pr\u00e4zision und Erfahrung von Frauen, die mindestens so stark sind wie der Tabak, den sie rollen.<\/p>\n<p><strong>Handwerkliche Pr\u00e4zision und kleine Kunstwerke <br \/><\/strong>Der Gesichtsausdruck ist konzentriert, aber nicht angestrengt. Aromatischer Tabakduft liegt in der Luft. Aus dem Radio irgendwo in der Manufaktur dudelt italienische Schlagermusik. Die Finger fliegen f\u00f6rmlich \u00fcber die auf Holztischen ausgebreiteten tiefbraunen Dark Fired Kentucky-Tabakbl\u00e4tter, streichen sie gef\u00fchlvoll glatt, schneiden das Deckblatt in die gew\u00fcnschte Form, zupfen und ziehen an der Einlage, straffen das geschmeidige Deckblatt mehrmals nach und verm\u00e4hlen dann geschickt mit wenigen Handgriffen Einlage und Deckblatt zu einem kleinen elliptischen Kunstwerk \u2013 einer echten Toscano. Der ganze Vorgang dauert inklusive des Schneidens der Enden kaum eine Minute.\u00a0 Dann wiederholt sich die Prozedur mit der Pr\u00e4zision eines Schweizer Uhrwerks wieder und wieder. Ungl\u00e4ubig staunend steht man vor einer der ber\u00fchmten Zigarrenrollerinnen der Manifatture Sigaro Toscano S. p. A. in Lucca, einem idyllisch zwischen sanften H\u00fcgeln und schier endlosen Weinbergen in der Toskana gelegenen Ort voller Geschichte und Geschichten. Heimat der Toscano, und Heimat auch einiger au\u00dfergew\u00f6hnlicher Frauen.<\/p>\n<p><strong>Selbstbewusst, unabh\u00e4ngig, und stolz auf ihre Arbeit<br \/><\/strong>So monoton die Arbeit der Zigarrenrollerinnen auf dem ersten Blick dem Betrachter auch scheinen mag: Hier sind absolute Spezialistinnen am Werk, deren perfektes Handwerk in der Region \u2013 und weit dar\u00fcber hinaus \u2013 h\u00f6chstes Ansehen genie\u00dft. Denn in Lucca kennt jeder die Manufaktur; sie geh\u00f6rt quasi zur Familie. Und f\u00fcr die Manifatture Sigaro Toscano zu arbeiten, ist nicht nur Teil einer sozialen und \u00f6konomischen Emanzipation von Frauen, sie ist auch Teil einer tiefen kulturellen Verortung. In den Nachkriegsjahren besuchten n\u00e4mlich vorrangig beg\u00fcterte Damen des B\u00fcrgertums die legend\u00e4re \u201eBar di Simo\u201c in der Via Fillungo \u2013 und, ausgestattet mit dem Wissen um ihren aufgrund ihrer Arbeit hohen gesellschaftlichen Status wie auch einer geh\u00f6rigen Portion Selbstbewusstsein, ebenso die Arbeiterinnen der Manufaktur.<\/p>\n<p>Grundlage dieses Selbstbewusstseins ist der enorme Erfahrungsschatz, den die Frauen rund um das Produkt \u201eTabak\u201c und seine spezifischen Produkteigenschaften mitbringen. Jahrelange Erfahrung in der Verarbeitung, viel Gef\u00fchl f\u00fcr die richtige Konsistenz einer Zigarre und der Anspruch, jede Zigarre zu einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Unikat f\u00fcr Genie\u00dfer zu formen \u2013 das alles zeichnet jede der Rollerinnen bis heute aus. Da kann es kaum \u00fcberraschen, dass in der maschinellen Produktion bei Toscano der Anteil der weiblichen Mitarbeiter bei knapp 45 Prozent liegt, bei den von Hand gerollten Premium-Zigarren sogar bei 98 Prozent. Nur zwei m\u00e4nnliche Roller haben es aktuell in diese Spitzenliga geschafft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/IMG_6539_small.jpeg\"><img class=\"alignleft size-large wp-image-41016\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/IMG_6539_small-770x513.jpeg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/IMG_6539_small-770x513.jpeg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/IMG_6539_small-500x333.jpeg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/IMG_6539_small.jpeg 1280w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wissenstransfer von der Mutter zur Tochter<br \/><\/strong>Der Weg dorthin ist lang. Sehr lang. Denn die gut dotierten Arbeitspl\u00e4tze bei Toscano sind hei\u00df begehrt. Nach intensiver Sichtung der BewerberInnen &#8211; neben handwerklichem Geschick und immenser Geduld z\u00e4hlt Leidenschaft f\u00fcr das Naturprodukt Tabak zu den Auswahlkriterien &#8211; wird im Durchschnitt lediglich eine Nachwuchsrollerin\/ ein Nachwuchsroller pro Jahr ausgew\u00e4hlt und findet bei Toscano eine Anstellung. F\u00fcr dieses Traditionshandwerk bei Toscano gibt es keine Ausbildung im klassischen Sinne; vielmehr durchl\u00e4uft jede Zigarrenrollerin ein zweimonatiges \u201eTrainee-Programm\u201c. Erfahrene Zigarrenrollerinnen geben in dieser Zeit ihr Wissen weiter, und erst nach sehr strenger Qualit\u00e4tskontrolle k\u00f6nnen die von den Novizinnen produzierten Zigarren auch in den Verkauf gegeben werden.<\/p>\n<p>Vielen der Spitzenrollerinnen ist zudem die Leidenschaft f\u00fcr Zigarren quasi in die Wiege gelegt worden: Einige der Familien rollen bereits in der vierten Generation Zigarren f\u00fcr die Manufaktur, und es ist keine Ausnahme, dass die f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Mutter neben ihrer zwanzigj\u00e4hrigen Tochter sitzt, und sie generations\u00fcbergreifend in die letzten Geheimnisse einer perfekten Toscano einweiht. Ein Wissenstransfer, der sich, wenn es um die Premium-Produkte und Rarit\u00e4ten wie die \u201eIl Moro\u201c geht, f\u00fcr das Unternehmen und ganz besonders f\u00fcr Genie\u00dfer auszahlt: Es gilt als Ehre, eine Il Moro zu rollen, und nur die erfahrensten Rollerinnen mit weit mehr als zehn Jahren Expertise sind in der Lage, diese begehrten Spezialit\u00e4ten zu fertigen. Doch so unterschiedlich eine Toscano in Form und Format auch sein mag: Sie alle wurden gefertigt von starken Frauen, die stolz sind auf ihr Handwerk und auf die Qualit\u00e4t ihrer Zigarren. Und genau das schmeckt man.<\/p>\n<p>Interessierte k\u00f6nnen die Produktion der Toscano Zigarren hautnah zu erleben. <br \/>Buchungen unter: <a href=\"http:\/\/www.visitamanifattura.it\/en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.visitamanifattura.it\/en<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alles-andre.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.alles-andre.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mittlerweile \u00fcber 200 Jahren steht die Toscano synonym f\u00fcr pures italienisches Lebensgef\u00fchl.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":41014,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[2797,6764,16,39,2805,15],"tags":[6658,2861,6344],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41013"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41013"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41013\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41014"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}