{"id":28950,"date":"2019-05-12T13:52:07","date_gmt":"2019-05-12T11:52:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=28950"},"modified":"2019-05-06T14:28:06","modified_gmt":"2019-05-06T12:28:06","slug":"ein-nachmittag-mit-didier-houvenaghel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/ein-nachmittag-mit-didier-houvenaghel\/","title":{"rendered":"Ein Nachmittag mit Didier Houvenaghel"},"content":{"rendered":"<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Wer sich aufmacht die Welt der Zigarre zu erkunden trifft auf viele Personen. Auf Pers\u00f6nlichkeiten trifft man jedoch eher selten. Didier Houvenaghel ist sicherlich eine von Ihnen. Dieser klangvolle Name steckt hinter Marken wie Nicarao, La Ley und Furia. Didier Houvenhagel ist mit Sicherheit ein Ausnahmetalent mit einer einzigartigen Biografie, die ihn von Belgien \u00fcber Chile und Honduras zu einem Studium nach Kuba f\u00fchrte. Letztendlich hat er seiner Liebe zur Zigarre und zum Genuss in Nicaragua Raum verschafft, doch Didier lebt in Singapur. Aber der Reihe nach&#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Ich treffe Didier Houvenaghel in einer der sch\u00f6nsten Zigarrenlounges von Wien. Nach einer f\u00fcr \u00d6sterreich untypischen Tee-Bestellung z\u00fcckt Didier einen Pouch mit Zigarren und reicht ihn an mich weiter. Es sind kubanische custom-rolled Zigarren, gefertigt in der Manufaktur von Robaina.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Didier greift zu seinem Feuerzeug doch h\u00e4lt dann inne. Er ergreift ein Glas Wasser und ich staune nicht schlecht, als er den Inhalt \u00fcber seine Zigarre ergie\u00dft. Auf die Frage was das zu bedeuten hat, entgegnet er: \u201eEin alter Freund von mir hat mir das gezeigt. Einige Zigarren, die die notwendige Qualit\u00e4t aufweisen, vertragen diese Behandlung und mehr noch, es tut ihnen gut. Vor allem Vintage-Zigarren \u00e4lteren Datums vertragen das sehr gut. Wir haben es ausprobiert und einige Zigarren so behandelt und haben den Geschmack verglichen. Das Ergebnis war erstaunlich. Die Aromen in den \u201egetauften\u201c Zigarren waren eindeutig vielschichtiger.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Wer den Zigarrenmarkt in den letzten Jahren beobachtet hat, kommt nicht umhin den Namen Houvenaghel zu bemerken. Nicht zuletzt durch seine Arbeit als Distributor f\u00fcr A.J. Fernandez. Doch wie landet ein belgischer Agrar-\u00d6konom in Kuba?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">\u201eDie Verbindung zu Kuba kommt durch die Familie meiner Mutter. Genauer gesagt durch meinen Onkel. Au\u00dferdem gab es einige politische Fl\u00fcchtlinge aus Chile in Belgien, speziell in meiner Nachbarschaft. Als Kinder spielten wir zusammen, so begann ich spanisch zu lernen. Ich habe mich danach in die Kultur, Geschichte und Literatur von Lateinamerika verliebt. So entstand das Interesse, das mich dann zu einem postgradualen Studium nach Pinar del Rio auf Kuba f\u00fchrte, diese legend\u00e4re Insel. Damals war es relativ einfach in Kuba zu studieren.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Didier nimmt einen Schluck von seinem gr\u00fcnen Tee, zieht an seiner Zigarre und kommt wieder zur\u00fcck ins Gespr\u00e4ch:\u201eIch rauche gerne gereifte kubanische Zigarren. Bevorzugt aus den Jahren vor 1990. Mich beeindruckt, dass wir de facto Geschichte verbrennen. Ein einzigartiges Erlebnis. Diese Zigarren sind nat\u00fcrlich nicht einfach zu bekommen. Ich bin gesegnet mit einer Vielzahl an Freunden, die die selbe Leidenschaft hegen. Es gibt auch Fachh\u00e4ndler, die mir hin und wieder eine Kiste zukommen lassen, da sie wissen, dass ich die Zigarren gut behandle und auf jeden Fall mit Freunden teile. Nat\u00fcrlich ist das auch eine Frage des Kapitals. In der heutigen Zeit gibt es wenige, die sich den Luxus leisten k\u00f6nnen, nicht an den Preis zu denken. Ich denke, man muss sich immer die Frage stellen, was mir eine Vintage-Zigarre wert ist. Wen man sich die Preise \u00e4lterer kubanischer Zigarren ansieht, dann bemerkt man, dass die Preise teilweise verr\u00fcckt sind. Da spielt dann die Psychologie des Rauchers auch eine wichtige Rolle. Kann ich w\u00e4hrend des Rauchens einer 50 Jahre alten Zigarre, die einen enormen Preis gekostet hat und deren Historie ich immer im Hinterkopf habe, \u00fcberhaupt noch objektiv deren Geschmack beurteilen? Ich glaube nur die wenigsten Menschen sind dazu im Stande im konkreten Fall zu sagen: Das ist eine schlechte Zigarre!\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Ich muss Didier einfach fragen, wie wichtig die Preisgestaltung seiner Zigarren ist, schlie\u00dflich spielt das am heutigen Markt eine enorme Rolle.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">\u201eUnsere Zigarren sind Boutique-Zigarren. Am europ\u00e4ischen Markt, sowie in Asien, dem nahen Osten und Russland hast du auf der einen Seite immer Kuba. Nicht selten meinen Raucher, dass, wenn eine Zigarre 15 Euro kostet, sie sich doch lieber eine kubanische Zigarre kaufen k\u00f6nnten. Leider haben viele Raucher immer noch die Meinung, dass kubanische Zigarren die besten der Welt sind. Mit diesem Vorurteil in der Welt ist es schwer Zigarren aus Nicaragua in einem h\u00f6heren Preissegment zu vermarkten. Ich f\u00fcr meinen Teil habe Zigarren im Portfolio, die ihren Preis auch wirklich wert sind.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Diesmal bin ich es, der einen Schluck Tee braucht und sich wieder der Zigarre zuwendet. Es ist ein herrlich verrauchter Nachmittag und das Gespr\u00e4ch mit Didier ist enorm entspannt. Es f\u00fchlt sich an wie ein Gespr\u00e4ch unter Freunden, das Aufnahmeger\u00e4t und die Kamera am Tisch scheinen verschwunden. Wir ordern beim Personal eine weitere Runde Tee und plaudern gem\u00fctlich weiter in den Tag hinein.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">CJ: L\u00e4sst du viele Leute deine neuen Kreationen probieren?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">D.H.: \u201eIch habe sogar w\u00e4hrend dem Habanos Festival 2007 Zigarren nach Kuba mitgebracht und die Leute probieren lassen. Einige meiner Freunde meinten, dass es verr\u00fcckt ist, Zigarren nach Kuba mitzunehmen, schlie\u00dflich nimmt man ja auch keine W\u00fcrste mit nach Frankfurt. Aber ich wollte eben Meinungen einholen. Wer verr\u00fcckt ist, bringt Innovation zustande. Und selbstverst\u00e4ndlich gibt es in Kuba auch ein paar Zigarren die ganz gut sind (lacht).\u201c<\/span><span lang=\"DE-AT\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Wenn es um Kuba geht, muss man aufpassen. Einige der Zigarrenraucher sehen die Provenienz einer Zigarre schon beinahe religi\u00f6s. Besonders interessant ist die Marke La Ley, da es sich eigentlich um eine alte kubanische Marke handelt, die von Didier Houvenaghel wiederbelebt wurde, allerdings in Nicaragua. \u201eEs stimmt. La Ley war eigentlich eine kubanische Marke, die zwischen 1878 und 1880 ins Leben gerufen wurde. La Ley bedeutet: \u201eDas Gesetz\u201c. Mit dieser Marke wollte ich versuchen, die Finesse, die gereifte kubanische Zigarren haben, in einer nicht kubanischen, jungen Zigarre zu kreieren. Ob uns das gelungen ist, wei\u00df ich nicht, jedoch finde ich die Zigarren echt gut.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">CJ: Wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit mit dir und A.J. Fernandez?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">D.H.: \u201eIch kam ungef\u00e4hr 2001 nach Nicaragua. A.J. kam 2003, wir kannten uns schon vorher, aber wir arbeiten seit 2006 zusammen. Und wie viele Marken aus Nicaragua, ging es in den USA mit A.J. Fernandez ab 2010 durch die Decke. Davor hatte er keine eigene Marke produziert. Es gibt also die Boutique-Zigarren und A.J. Fernandez Zigarren, das haben wir in den letzten Jahren gemacht. Uns beide verbindet eine innige Freundschaft.\u201c<\/span><span lang=\"DE-AT\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">CJ: Wie ist es so mit einem Freund zu arbeiten?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">D.H.: \u201eSchwierig, manchmal sehr schwierig. Dann aber auch wieder gar nicht so schwierig (lacht). Wir haben beide einen starken Charakter und nat\u00fcrlich f\u00fchren wir manchmal hitzigere Gespr\u00e4che, aber wir haben es wirklich geschafft, eine klare Linie zwischen beruflich und privat zu ziehen. Die Arbeit mit ihm macht mir auch enormen Spa\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">CJ: Was ist im Moment Deine liebste nicht-kubanische Zigarre?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">D.H.: \u201eDa gibt es wirklich einige, auch welche die nicht von uns produziert werden (lacht). Ich mag die Cain F von Oliva, oder die klassische Jaime Garcia mit der blauen Banderole.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">CJ: Deine liebste kubanische Zigarre?<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">D.H.: \u201eTrinidad Fundadores. Nat\u00fcrlich das Original, mit der goldenen Anilla von vor 1990. Das war die erste Zigarre, die mir den Himmel auf Erden beschert hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE-AT\">Das Gespr\u00e4ch zwischen Didier und mir dauerte fast den ganzen Nachmittag und bis in den Abend hinein. Ich k\u00f6nnte noch Seiten \u00fcber Seiten f\u00fcllen, jedoch muss man nicht alles teilen, denn ein paar Dinge waren wirklich sehr pers\u00f6nlich. Egal mit wem man spricht, wer Didier kennengelernt hat, berichtet positiv dar\u00fcber. Didier Houvenaghel ist ein sehr bescheidener Mensch. Ihm liegt es weder auf der B\u00fchne zu stehen, noch vor tausenden von Menschen zu reden, aber wer die Gelegenheit hat, mit ihm ins Gespr\u00e4ch zu kommen, der sollte sie wahrnehmen. Es wird mit Sicherheit ein unvergesslicher Tag, von dem nicht anderes verbleibt, als die Leidenschaft zur Zigarre und der Kultur, die man mit ihr verbindet.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>er sich aufmacht die Welt der Zigarre zu erkunden trifft auf viele Personen. Auf Pers\u00f6nlichkeiten trifft man jedoch eher selten. Didier Houvenaghel ist sicherlich eine von Ihnen. Dieser klangvolle Name steckt hinter Marken wie Nicarao, La Ley und Furia. Didier Houvenhagel ist mit Sicherheit ein Ausnahmetalent mit einer einzigartigen Biografie, die ihn von Belgien \u00fcber Chile und Honduras zu einem Studium nach Kuba f\u00fchrte. Letztendlich hat er seiner Liebe zur Zigarre und zum Genuss in Nicaragua Raum verschafft, doch Didier lebt in Singapur. 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