{"id":28568,"date":"2019-03-27T12:38:10","date_gmt":"2019-03-27T11:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=28568"},"modified":"2019-03-27T12:38:10","modified_gmt":"2019-03-27T11:38:10","slug":"was-nach-dem-premio-habano-del-ano-passiert-ein-gespraech-mit-ercan-hazar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/was-nach-dem-premio-habano-del-ano-passiert-ein-gespraech-mit-ercan-hazar\/","title":{"rendered":"Was nach dem &#8222;Premio Habano del Ano&#8220; passiert \u2013 Ein Gespr\u00e4ch mit Ercan Hazar"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleines, unscheinbares Gesch\u00e4ft in Wien. Wenn man nicht gerade danach sucht, kann es durchaus passieren, dass man daran vorbeil\u00e4uft. Passionados, die hier Ihre Zigarren kaufen tun das gezielt. Niemand schneit hier zuf\u00e4llig rein. Und nicht nur Wiener frequentieren den Cigarstore von Ercan Hazar, seine Kunden verteilen sich quer \u00fcber den Globus \u00fcber China, Japan, Russland, den arabischen Raum, die T\u00fcrkei, Ungarn, Deutschland und dem Rest Europas. Am 2. M\u00e4rz 2018 wurde Ercan Hazar f\u00fcr seine Arbeit am Zigarrenmarkt in \u00d6sterreich der \u201ePremio Habano del Ano\u201c in der Kategorie \u201eNegocios\u201c in Havanna verliehen. Dieser Preis kann in der Welt der Zigarre nur mit einem Oscar in der Welt des Films verglichen werden. Wir wollten wissen, wie es Ercan Hazar ein Jahr nach der Auszeichnung geht, wie es ihm bis dahin ergangen ist, was sich ge\u00e4ndert hat und was vielleicht die Zukunft bringen wird. An diesem Nachmittag treffen wir Ercan Hazar im Feinkostgesch\u00e4ft und Caf\u00e9 direkt neben seinem Gesch\u00e4ft. Der Kaffee wird geordert, das Notizbuch gez\u00fcckt und am Recorder die Aufnahmetaste gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>CJ: Wie empfindest Du Deine Arbeit als Fachh\u00e4ndler in \u00d6sterreich?<\/p>\n<p>EH: Die Tatsache, dass ich einen Migrationshintergrund habe, macht es nicht leicht. Ich habe seit 1996 die \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerschaft. Ich f\u00fchle mich als \u00d6sterreicher, aber leider nehmen mich die \u00d6sterreicher nicht immer so wahr. Ich bem\u00fche mich sehr, mich hier anzupassen, ich erf\u00fclle sicherlich 99 Prozent der Kriterien (lacht).<\/p>\n<p>CJ: Vor einem Jahr wurdest Du mit dem \u201ePremio Habano del Ano\u201c in der Kategorie \u201eNegocios\u201c ausgezeichnet. Was hat sich seither f\u00fcr dich ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>EH: Eigentlich gar nichts. Ich versuche nur, mit meiner Arbeit meinen Anteil f\u00fcr die Gesellschaft zu leisten. Ich fokussiere mich auf mein eigenes Gesch\u00e4ft. International wurde die Auszeichnung sehr wohl bemerkt und gew\u00fcrdigt. Hier in \u00d6sterreich hat das einen gewissen Beigeschmack. Mit Ausnahme des Cigar Journals hat eigentlich niemand \u00fcber die Vergabe des Premio Habano berichtet, obwohl die \u00f6sterreichische Botschafterin eine gro\u00dfe Presseaussendung an die Medienvertreter gemacht hat. Ich habe in Kuba dort auf der B\u00fchne \u00d6sterreich vertreten, ich habe den Preis f\u00fcr meine Arbeit in diesem Land bekommen. Das war f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Belohnung, auch wenn man in \u00d6sterreich nicht viel davon mitbekommen hat.<\/p>\n<p>CJ: Hast du in diesem einen Jahr Neid oder Missgunst erlebt?<\/p>\n<p>EH: Ich denke es gibt immer wieder einen gewissen \u201eFutterneid\u201c. In \u00d6sterreich ist das deshalb erstaunlich, weil es hier sowohl Gebietsschutz, als auch ein Monopol gibt.<\/p>\n<p>CJ: Hast Du das Gef\u00fchl, dass du eine Art \u201eAuftrag hast? Wenn ja, welcher w\u00e4re das?<\/p>\n<p>EH: Es ist die Leidenschaft f\u00fcr den Tabak. Ich gebe meine Bestes, in \u00d6sterreich eine verbesserte Genussatmosph\u00e4re zu schaffen. Ich bem\u00fche mich \u00fcberall die Menschen zusammen zu bringen. Wie in einem Club, wo man sein eigenes Pl\u00e4tzchen finden kann um eine Zigarre zu genie\u00dfen. Was ich den Menschen zur Verf\u00fcgung stellen m\u00f6chte, ist die M\u00f6glichkeit, das Rauchen einer Zigarre zu zelebrieren. Es gibt in unmittelbarer N\u00e4he zu meinem Gesch\u00e4ft einige Zigarren-Clubs und ich leiste \u2013 so gut ich kann \u2013 meinen Beitrag, die verschiedenen Clubs mit Zigarrenrauchern zusammenzubringen. Jeder Club hat seine Daseinsberechtigung. Ich bin an keinem Club in \u00d6sterreich beteiligt, vernetzte aber mit Leidenschaft die Zigarrenliebhabern der verschiedenen Clubs. Die Unterst\u00fctzung von Raucherclubs wird immer wichtiger. Irgendwann wird es in \u00d6sterreich \u00e4hnlich wie im Rest von Europa ein Rauchverbot in der Gastronomie geben, deshalb ist es besonders wichtig bereits jetzt entsprechende R\u00e4ume zu schaffen, in denen man seine Zigarre entspannt genie\u00dfen kann. Wir wollen ja niemanden st\u00f6ren, es geht nur darum genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>CJ: Ich geh mal davon aus, dass du sehr viel internationale Kundschaft hast?<\/p>\n<p>EH: Ich lebe zum gro\u00dfen Teil von den internationalen Zigarrenliebhabern. Unser Gesch\u00e4ft ist nicht in einer Einkaufsstra\u00dfe, wir haben vielleicht 10% Laufkundschaft. 90% sind Stammkunden, von denen 70% aus dem Ausland kommen.<\/p>\n<p>CJ: Warum kommen internationale Kunden zu dir? Was unterscheidet dich von allen anderen Fachh\u00e4ndlern in der Welt?<\/p>\n<p>EH: Ich denke, es liegt an meiner Lagerqualit\u00e4t, die viele einfach sch\u00e4tzen. Wie wir &#8211; meine Frau, meine Tochter und ich &#8211; mit den Zigarren umgehen, ich denke, dass diese Leidenschaft auch von meinen Kunden gesp\u00fcrt wird. Was die Pflege der Zigarren angeht, geben wir unser Maximum. Ich habe mein ganzes Leben der Zigarre verschrieben. Ich nehme mir nur einen freien Tag in der Woche und das ist der Sonntag. Ich verbringe mindestens vier Stunden in meinem Lager, dort schaue ich, dass es den Zigarren gut geht.<\/p>\n<p>CJ: Woher kommt diese Leidenschaft?<\/p>\n<p>EH: Meine Gro\u00dfeltern waren Tabakbauern. Sie haben in der T\u00fcrkei Tabak f\u00fcr das dortige Monopol produziert. Die Bauern mussten dorthin verkaufen. Als ich ein kleines Kind war, war der Gro\u00dfvater so sorgsam im Umgang mit den Tabakpflanzen. Er meinte, man muss sehr viel Liebe in den Tabak investieren, damit er sein volles Potential entfaltet. Er meinte immer: \u201eBehandle den Tabak so gut wie deine Frau!\u201c Seine Gr\u00fcndlichkeit und die Behutsamkeit bei der Fermentation hat mich tief beeindruckt. Meine Gro\u00dfeltern haben die Fermentation selbst gemacht. Das war die schwierigste Arbeit. Da habe ich gelernt, wie heikel der Tabak ist. Selbst die eigenen Gef\u00fchle k\u00f6nnen sich auf den Tabak auswirken. Egal, wie gut die Ernte ist, wenn man schlecht drauf ist, kann bei der Fermentation alles schiefgehen. W\u00e4hrend meines Architekturstudium in Istanbul habe ich dann bei einem Stra\u00dfenverk\u00e4ufer eine Zigarre gekauft. Eine Montecristo No.4, meine erste Zigarre. Das war ein Moment den ich nie wieder vergessen werde. Ich sa\u00df direkt am Bosporus und habe meine Zigarre genossen und eine andere Art des Genusses erlebt, fast so intensiv wie eine neue Liebe. Das hat mich fasziniert. Damals konnte ich mir mit meinem bescheidenen studentischen Budget alle drei Monaten eine Zigarre leisten. Au\u00dferdem konnte ich damals diese Montecristo nie wieder finden. Diese Zigarre hab ich nie vergessen. Als ich nach \u00d6sterreich gekommen bin, war meine erste Erfahrung die \u201eGro\u00dfglockner\u201c. Das war ein ganz anderes Kaliber, genau wie die erste Virginia. Das war eine ganz andere Erfahrung des Tabakgenusses, sehr intensiv. Es war damals &#8211; ganz ehrlich &#8211; eher absto\u00dfend f\u00fcr mich. Jetzt rauche ich ab und zu eine Virginia, diese Form des Genusses ben\u00f6tigt eine gewisse Reife. Vor allem muss man die Rauchkultur dahinter verstehen. Leider gibt es die Regie-Virginia der Austria-Tabak nicht mehr, die war wirklich ein Hammer, ein unvergleichlicher Geschmack. Letztes Jahr war es eine Freude zu sehen, dass die Familie Rauch eine Retro-Version dieser Form der Rauchkultur produziert und auf den Markt gebracht hat. Es ist ein toller Start, wieder Tabak in \u00d6sterreich zu produzieren, eine Tradition, die leider beinah verloren ging. Nat\u00fcrlich ist es nicht einfach, in \u00d6sterreich Longfiller zu produzieren. Die ganze Arbeit \u2013 es ist eigentlich ein Wunder, dass sich die Produktion in \u00d6sterreich \u00fcberhaupt lohnt. Eine Zigarre der Premiumklasse in \u00d6sterreich zu produzieren, zu einem Preis unter 30 Euro ist meiner Meinung nach nicht m\u00f6glich. Man muss solche Projekte unterst\u00fctzen. Ich lerne jeden Tag was Neues. Aber ich glaube, ich schweife ab (lacht).<\/p>\n<p>CJ: Deine Kunden sch\u00e4tzen Dich als Fachmann f\u00fcr kubanische Zigarren. Hast du das Gef\u00fchl, dass die Qualit\u00e4t der kubanischen Zigarren in letzter Zeit nachgelassen hat?<\/p>\n<p>EH: Ganz ehrlich: Einige der Marken haben sicher unter den klimatischen Ver\u00e4nderungen etwas an Qualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Das zu sagen ist f\u00fcr mich nicht einfach, denn ich f\u00fchle mich in Kuba wie zu Hause. Die Kubaner sind sehr feinf\u00fchlige Menschen, sie nehmen mich wie einen Kubaner war. Mir liegen diese Menschen sehr am Herzen und ich habe kein Interesse daran diese herzlichen Menschen zu verletzen. Viele Kubaner haben mich umarmt, als sie mich zum ersten Mal kennen gelernt haben. Das ist eine ganz andere Ebene der Kommunikation. Ich bin kein esoterischer Mensch, jedoch sp\u00fcre ich eine starke Verbundenheit zu den Menschen dort. Wenn man diese Menschen kennt, geht man mit dem Produkt ganz anders um. Darum kann ich bei kubanischen Zigarren nicht ganz neutral bleiben, mich verbindet vieles mit Kuba.<\/p>\n<p>CJ: Bist du der Meinung, dass es mehr Fachh\u00e4ndler in \u00d6sterreich geben sollte?<\/p>\n<p>EH: Ich freue mich, wenn sich in \u00d6sterreich mehr Fachh\u00e4ndler etablieren. Mir w\u00e4re es am Liebsten, dass auf der gesamten L\u00e4nge der Margaretenstra\u00dfe nur Zigarren verkauft werden. Dann w\u00fcrden alle Passionadas und Passionados in diese Stra\u00dfe kommen und ich bin davon \u00fcberzeugt, wir w\u00fcrden alle davon profitieren.<\/p>\n<p>CJ: Glaubst du, das Vereine wie \u201eCigar Rights of Europe\u201c oder \u201eCigar Rights of Austria\u201c wichtig sind?<\/p>\n<p>EH: Nat\u00fcrlich, Zigarren im Vergleich zu anderen Tabakerzeugnissen sind ein Nischenprodukt. Das hat sich sehr sch\u00f6n weiterentwickelt. Ich hoffe, das geht auch so weiter. Auch die Politik muss zwischen Sucht und Genuss unterscheiden, darum m\u00fcssen Zigarren als Produkt anders behandelt werden. Solche Vereine werden stark ben\u00f6tigt, um f\u00fcr unser Recht auf Genuss einzutreten. CJ: Es gab \u2013 meines Wissens \u2013 bis dato nur eine Havanna als \u201eExclusiva Austria\u201c. Ich habe geh\u00f6rt, dass dies auch auf dich und deine Familie zur\u00fcck geht. Ist das so richtig?<\/p>\n<p>EH: Es war zu einem Teil mein Verdienst, aber vor allem der Verdienst meiner Tochter. Sie war drei Monate in Kuba zur Ausbildung. Wir haben angefangen \u00fcber eine Regional-Edition zu sprechen. Wie ich am Anfang gesagt habe, die Kubaner sind sehr emotional, sie haben sich damals sehr zu Herzen genommen, dass die Vertr\u00e4ge mit Austria Tabak 1996 einseitig aufgek\u00fcndigt wurden, deshalb gab es keine Edicion Regionales f\u00fcr \u00d6sterreich. Es ist dem pers\u00f6nlichen Engagement meiner Tochter zu verdanken, die bei jedem Mittagessen mit Manuel Garcia &#8211; dem damaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Habanos S.A. \u2013 gesprochen hat. Sie hat mit Leib und Seele gek\u00e4mpft und ihn letztendlich \u00fcberzeugt, dass wir wenigstens einmal eine Edicion Regionales bekommen. Wir haben uns dann gemeinsam f\u00fcr die Juan Lopez entschieden, da es diese zum damaligen Zeitpunkt in \u00d6sterreich noch nicht gab. Als meine Tochter dann 2010 ein Praktikum dort absolviert hat, hat man ihr gesagt: \u201eWir haben ein Geschenk f\u00fcr Dich und dein Land. Ihr bekommt die Edicion Regionales. Einmalig\u201c. Das frische Produkt war noch nicht zu hundert Prozent \u00fcberzeugend und trotzdem haben wir die Zigarren gut verkauft. In \u00d6sterreich habe ich sicherlich die meisten verkauft, daf\u00fcr habe ich auch die 1. Kiste von 2500 Kisten bekommen, das war eine gro\u00dfe Ehre. Es hat vier Jahre gebraucht bis die Zigarre rund und vollkommen war, danach war eine riesige Nachfrage. Wir haben die meisten Kisten international verkauft.<\/p>\n<p>CJ: Habt Ihr je wieder versucht eine Regional-Edition zu bekommen?<\/p>\n<p>EH: Wir arbeiten seit drei Jahren daran, wieder eine Regionales zu bekommen, ich hoffe ich kann dieses Jahr entscheidende \u00dcberzeugungsarbeit leisten. Das ist eine Herzensangelegenheit von mir und meine Tochter wird wieder dabei helfen. Wenn wir \u00d6sterreich wieder so ein Geschenk machen k\u00f6nnten, w\u00e4re das ein Traum.<\/p>\n<p>CJ: Zum Schluss muss ich dich noch fragen: Was ist zur Zeit deine liebste nicht Kubanische Zigarre?<\/p>\n<p>EH: Ich habe das Gl\u00fcck seit einiger Zeit im Tasting Panel vom Cigar Journal zu sein. Ich nehme das auch sehr ernst. Ich rauche also sehr viel und versuche soweit es m\u00f6glich ist objektiv zu sein. Andere M\u00fctter haben bekanntlich auch sch\u00f6ne T\u00f6chter. Eine besondere Erfahrung waren die Zigarren von LUJ. Die waren wirklich unerwartet gut. Ich habe damit nicht gerechnet. Ich nehme an, es handelt sich um eine kleine Manufaktur. Es ist auch hier die Leidenschaft, die man bei dieser Zigarre schmeckt und sp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Welch w\u00fcrdiges Schlusswort! Lieber Ercan, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und weiterhin viel Erfolg!<\/p>\n<h3>Cigarstore<\/h3>\n<p>Margaretenstra\u00dfe 42<br \/>\n1040 Wien<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0;\" src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d2659.575421998075!2d16.361220151366645!3d48.19553145499951!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x476d0786b2121629%3A0x787b19560a0df3ce!2sMargaretenstra%C3%9Fe+42%2C+1040+Wien!5e0!3m2!1sde!2sat!4v1553686046183\" width=\"600\" height=\"450\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleines, unscheinbares Gesch\u00e4ft in Wien. Wenn man nicht gerade danach sucht, kann es durchaus passieren, dass man daran vorbeil\u00e4uft. Passionados, die hier Ihre Zigarren kaufen tun das gezielt. Niemand schneit hier zuf\u00e4llig rein. 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