{"id":21136,"date":"2018-10-27T10:30:44","date_gmt":"2018-10-27T08:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=21136"},"modified":"2018-11-05T10:01:19","modified_gmt":"2018-11-05T09:01:19","slug":"deckblatt-mehr-als-nur-eine-huelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/deckblatt-mehr-als-nur-eine-huelle\/","title":{"rendered":"Das Deckblatt: Mehr als nur eine H\u00fclle"},"content":{"rendered":"<p>Nur wenige Zigarren-Themen l\u00f6sen mehr Meinungsverschiedenheiten aus als der Effekt, den Deckbl\u00e4tter auf den Geschmack einer Zigarre haben. Manche Leute lassen sich so sehr von der Farbe beeinflussen, dass sie \u00fcberzeugt sind, dass hellbraune Deckbl\u00e4tter eine milde Zigarre verhei\u00dfen, wohingegen bei dunklen ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig starker Geschmack bef\u00fcrchtet wird.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Andere behaupten, dass Deckbl\u00e4tter \u00fcberhaupt keinen Einfluss auf den Geschmack haben. Bei einem Wrapper handelt es sich ja schlie\u00dflich nur um die H\u00e4lfte eines einzigen Blattes, oft hauchd\u00fcnn, weil es von einer im Schatten gezogenen Pflanze stammt. Welchen ma\u00dfgeblichen Einfluss kann es also schon haben im Vergleich zu den drei bis vier verschiedenen Arten von robusten Filler-Bl\u00e4ttern, die in der Sonne gediehen sind und zu einzigartigen Blends verarbeitet wurden, um den von den verschiedenen Marken gew\u00fcnschten spezifischen Geschmack zu treffen?<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Als ich vor 40 Jahren ins Havanna-Gesch\u00e4ft einstieg, war klar: Deckbl\u00e4tter dienen dem Erscheinungsbild und nicht dem Geschmack.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span>Stellen Sie sich also meine \u00dcberraschung vor, als ich etwa ein dutzend Jahre sp\u00e4ter \u2013 zu Beginn des Zigarren-Booms in den USA \u2013 einen f\u00fchrenden Hersteller aus der Dominikanischen Republik \u00f6ffentlich verk\u00fcnden h\u00f6rte, dass Deckbl\u00e4tter nicht weniger als 70 Prozent des endg\u00fcltigen Geschmacks seiner Produkte ausmachen k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span>Das verleitete mich fast zu der Behauptung, dass seine Filler ziemlich geschmacklos sein m\u00fcssen, wenn seine Wrapper so dominant sind, aber ich tat es nicht, weil ich mir dachte, dass es eine fundiertere Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Rolle des Deckblatts geben muss.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Deckbl\u00e4tter gibt es in den verschiedensten Farben, die vorwiegend auf die jeweilige Position auf der Tabakpflanze zur\u00fcck-zuf\u00fchren sind. Die \u00e4ltesten und d\u00fcnnsten Bl\u00e4tter am unteren Ende weisen nach der Trocknung und Fermentation die hellsten Farben auf, w\u00e4hrend sich bei den j\u00fcngeren, dickeren Bl\u00e4tter des oberen Teils der Pflanze viel dunklere T\u00f6ne ergeben.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span>Im Zuge des landwirtschaftlichen und industriellen Produktionsprozesses wird extrem viel Zeit und Arbeit aufgewendet, um sicherzugehen, dass die endg\u00fcltige Auswahl von Zigarren in jeder Kiste, jedem B\u00fcndel oder jeder Packung farblich perfekt abgestimmt sind. Letztlich fallen die Farbabstufungen in eine der folgenden f\u00fcnf Kategorien: <b>Claro <\/b>\u2013 sehr helles Braun, <b>Colorado Claro <\/b>\u2013 hellbraun, <b>Colorado <\/b>\u2013 braun; <b>Colorado Maduro <\/b>\u2013 dunkelbraun und <b>Maduro <\/b>\u2013 sehr dunkles Braun\/fast schwarz.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_21147\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-21147\" class=\"size-medium wp-image-21147\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Partagas-invoice-June-1939-crop-low-re-500x667.jpg\" alt=\"Partagas invoice June 1939 \" width=\"260\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Partagas-invoice-June-1939-crop-low-re-500x667.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Partagas-invoice-June-1939-crop-low-re.jpg 577w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-21147\" class=\"wp-caption-text\">Image by courtesy of Hunters &amp; Frankau | Im Vordergrund die Deckblattfarben, die mich ansprechen: Claro f\u00fcr milde Blends wie Hoyo de Monterrey und Colorado oder Colorado Maduro f\u00fcr kr\u00e4ftige Blends wie Partag\u00e0s. Im Hintergrund eine Rechnung von Juni 1939 von Partag\u00e0s an Hunters in England f\u00fcr Ram\u00f3n Allones<\/p>\n<\/div>\n<p>Folglich stammen Claro-Deckbl\u00e4tter vom unteren Teil der Pflanze, Maduro-Wrapper vom oberen und die restlichen Klassifizierungen von den dazwischen liegenden Ebenen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span>\u00c4hnliches gilt bei einem weiteren Faktor, und zwar dem Zuckergehalt in den Bl\u00e4ttern, der bei Maduro-Bl\u00e4ttern viel h\u00f6her als bei Claro-Bl\u00e4ttern ist. So werden Sie feststellen, dass sehr dunkle Maduro-Wrapper der Zigarre eine S\u00fc\u00dfe verleihen, die man bereits bemerkt, wenn man sie nicht angez\u00fcndet zwischen die Lippen nimmt, wohingegen hellbraune Deckbl\u00e4tter zu einem trockenen Geschmack der Zigarre beitragen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach sind Deckbl\u00e4tter wesentlich f\u00fcr den Geschmack einer Zigarre verantwortlich, aber nicht in Bezug auf deren mildes oder starkes Aroma. Sie verleihen ihr vielmehr einen \u201eTop Taste\u201c, basierend auf einer Skala von trocken bis s\u00fc\u00df \u2013 je nach Farbe der Bl\u00e4tter. Pers\u00f6nlich finde ich, dass die S\u00fc\u00dfe von dunklen Deckbl\u00e4ttern am besten zu Filler-Blends mit gehaltvollem, erdigem und \u00fcppigem Aroma passt, w\u00e4hrend die Trockenheit von blassbraunen Deckbl\u00e4ttern von Natur aus mit zarteren Mischungen kompatibel ist. Wenn wir Kubas zwei beliebteste Robustos als Beispiel heranziehen, dann w\u00fcrde ich stets eine Partag\u00e1s Serie D No. 4 mit einem Colorado-oder Colorado-Maduro-Deckblatt und eine Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 mit einem Claro-Wrapper w\u00e4hlen. Ich m\u00f6chte jedoch klarstellen, dass es sich hier um keine Regel, sondern nur um meine pers\u00f6nliche Vorliebe handelt. Es gibt viele angesehene Passionados, die ihre Epicure No. 2 mit einem dunklen Deckblatt bzw. ihre D No. 4 mit einem hellen bestellen. Entscheiden Sie selbst, was Ihren Geschmack am besten trifft. Im Lauf der Zeit haben sich die Pr\u00e4ferenzen auf dem Markt ver\u00e4ndert. Als ich in der Branche begann, waren Claro-Deckbl\u00e4tter gro\u00df in Mode. Bis in die 1970er-Jahre haben einige kubanische Fabriken die Kisten gem\u00e4\u00df den Farben ihres Inhalts gekennzeichnet. Entweder mit dem vollen Namen \u2013 Claro, Colorado Claro usw. \u2013 oder manchmal mit einem Code: CCC f\u00fcr Claro, CC f\u00fcr Colorado Claro und C f\u00fcr Colorado. Die Farbangaben waren auch auf den Rechnungen zu finden, wie im Falle jener aus dem Jahr 1939 von Partag\u00e1s an Hunters f\u00fcr Ram\u00f3n Allones. Bei den meisten Zigarren handelt es sich um Claro (CCC), selbst bei kr\u00e4ftigen Marken.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Heute gibt es ein viel gr\u00f6\u00dferes Farbenspektrum der Deckbl\u00e4tter aus Kuba, besonders wenn man Spezialit\u00e4ten wie die Limited Editions mit einbezieht. Deshalb w\u00fcrde ich es begr\u00fc\u00dfen, wenn die Kennzeichnung der Farben wieder auf den Kisten aufscheint.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><i>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2017 ver\u00f6ffentlicht. <\/i><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/herbst-ausgabe-2017-jose-o-padron\/\" title=\"Herbst Ausgabe 2017\" rel=\"\"><i>Mehr<\/i><\/a><i>&nbsp;<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur wenige Zigarren-Themen l\u00f6sen mehr Meinungsverschiedenheiten aus als der Effekt, den Deckbl\u00e4tter auf den Geschmack einer Zigarre haben. <\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":21145,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[25,5098,21,1,39,2805],"tags":[5197,1072,5195,5199],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21136"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21136\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}