{"id":20375,"date":"2018-10-22T10:30:58","date_gmt":"2018-10-22T08:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=20375"},"modified":"2018-11-07T12:13:34","modified_gmt":"2018-11-07T11:13:34","slug":"joya-de-nicaragua-die-nicaraguanische-ikone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/joya-de-nicaragua-die-nicaraguanische-ikone\/","title":{"rendered":"Joya de Nicaragua: Die nicaraguanische Ikone"},"content":{"rendered":"<p>Keine andere nicaraguanische Zigarrenfabrik ist \u00e4lter, keine enger mit Land und Leuten verbunden und keine hat mehr dazu beigetragen, um den Weg f\u00fcr Nicaraguas heutige Position als wichtigster Zigarrenhersteller der Welt zu ebnen. \u201eWir sind eine lebende Geschichtsstunde\u201c, meint Alejandro Mart\u00ednez Cuenca, seit 1994 Inhaber der Fabrik und vormals Minister innerhalb der nicaraguanischen Regierung. Wir sitzen in seiner tropischen Gartenanlage in Managua, Deckenventilatoren drehen sich sanft \u00fcber uns und Rauchschwaden von reichhaltigen, kr\u00e4ftigen Anta\u00f1o Gran Reserva-Zigarren h\u00e4ngen in der schw\u00fclen Nachmittagsluft.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>\u201eAls ich die Fabrik gekauft habe, genoss ich es, Zigarren zu rauchen, aber mir war nicht bewusst, wie komplex ihre Herstellung ist\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eIch kannte JdN, denn zu meiner Zeit als Minister f\u00fcr Au\u00dfenhandel bat man mich, bei der Erschlie\u00dfung neuer internationaler M\u00e4rkte f\u00fcr Zigarren zu helfen. Im Zuge der Reparationen nach der Revolution wurde das Unternehmen den Angestellten angeboten, die aber kaum Erfahrung in Verkauf und Marketing hatten. Also kamen sie zu mir und fragten, ob ich mich beteiligen w\u00fcrde.\u201c Es dauerte \u00fcber ein Jahr, Alejandro Mart\u00ednez Cuenca zu \u00fcberzeugen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20384\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-20384\" class=\"wp-image-20384 size-medium\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aristo-500x375.jpg\" \"Aristo in der Tabakfabrik\" width=\"260\" height=\"195\" \"Aristo, Joya de Nicaragua\" alt=\"Aristo, Joya de Nicaragua\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aristo-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aristo.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aristo-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-20384\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Nick Hammond | Aristo, bekannt f\u00fcr sein strahlendes L\u00e4cheln, ist einer der \u00e4ltesten Arbeiter in der Fabrik und auch Manager des Joya-Softballteams, das im Vorjahr drei Troph\u00e4en gewonnen hat<\/p>\n<\/div>\n<h3>Schwere Zeiten in der Fabrik<\/h3>\n<p>Als er eine Bestandsaufnahme machte, stellte er fest, dass das Unternehmen am Rande des Ruins stand. Es produzierte zwar herrliche Zigarren, konnte diese aber nirgendwo verkaufen und sa\u00df auf einem Schuldenberg. Die Arbeiter hatten seit Monaten keine Geh\u00e4lter mehr erhalten und waren auf Kredite und Gaben von Freunden und ortsans\u00e4ssigen Ladenbesitzern angewiesen, um sich und ihre Familien ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Dennoch standen sie jeden Morgen auf und machten sich auf den Weg zur Arbeit. Das ist auch das wahre Wunder dieses Ortes: Seine Leute und das, was sie durchgemacht haben. Sowie die Tatsache, dass rund ein halbes Dutzend der F\u00fchrungskr\u00e4fte \u2013 heute in der ganzen Fabrik verteilt, um jeden Schritt der Zigarrenherstellung zu beaufsichtigen \u2013 diesem Fleckchen Erde, das sie ihr Zuhause nennen, treu geblieben sind. Viele von ihnen arbeiten schon ihr ganzes Leben lang hier.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Man kann durchaus behaupten, dass nicaraguanische Zigarren ohne JdN heute ganz anders w\u00e4ren \u2013 und bei weitem nicht so bekannt in aller Welt. Das Unternehmen war das erste, das zwangsl\u00e4ufig neue internationale M\u00e4rkte erschloss, als die USA, sein gr\u00f6\u00dfter Abnehmer, durch das 1985 von Reagan verh\u00e4ngte Embargo abgeschnitten wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>\u201eWir sind schon sehr lange in Europa vertreten und unsere Zigarren werden weltweit in vielen L\u00e4ndern gesch\u00e4tzt \u2013 von Russland bis Italien, von Japan bis Finnland\u201c, informiert Juan Mart\u00ednez, Mart\u00ednez Cuencas j\u00fcngster Sohn, der 2013 als Executive President die F\u00fchrung bei JdN \u00fcbernahm. \u201eDiese langj\u00e4hrigen Beziehungen bedeuten, dass wir bereits einen Schritt voraus waren, als anderen erst bewusst wurde, dass es wichtig ist, im Rest der Welt Fu\u00df zu fassen.\u201c Er r\u00e4umt jedoch ein: \u201eBei diesem Jubil\u00e4um geht es nicht um uns Besitzer, sondern um sie\u201c \u2013 und deutet auf die Rolleretage hinter uns, wo die Arbeiter ihre Holzsessel aufeinanderstapeln und sich auf den Heimweg machen. \u201eIhre gemeinsame Geschichte ist einzigartig und sie blicken optimistisch in die Zukunft. Nicaraguaner tun das: Wir arbeiten zusammen f\u00fcr eine bessere Zukunft unserer Freunde und Familien.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h3>Die Geschichte von Joya de Nicaragua&nbsp;<\/h3>\n<p>Joya de Nicaragua, die erste Premiumzigarrenfabrik des Landes, wurde 1968 unter dem Namen Nicaragua Cigar Company gegr\u00fcndet. Sp\u00e4ter lie\u00df Pr\u00e4sident Anastasio Somoza Debayle eine eigene Anlage in Estel\u00ed daf\u00fcr errichten. Er galt als Eigent\u00fcmer, nachdem er das Unternehmen von den Gr\u00fcndern, den kubanischen Pionieren Simon Camacho und Juan Francisco Bermejo, \u201eerworben\u201c hatte. Der Name Joya de Nicaragua, den urspr\u00fcnglich nur eine der Zigarren trug, wurde in der Branche bald bekannt. \u201eB\u00fcrgerkrieg, Revolution, US-Embargo, Blutvergie\u00dfen, Elend, Treue und Familie \u2013 all das hat Joya de Nicaragua zu dem gemacht, was es heute ist\u201c, meint Mart\u00ednez Cuenca, w\u00e4hrend es Abend wird und der dunkle, gereifte Einlagetabak der Anta\u00f1o Reserva langsam abbrennt. \u201eDamals beschloss ich, ihnen (den Fabrikarbeitern) zu helfen und ein hoffentlich rentables Gesch\u00e4ft aufzubauen. Dabei habe ich mich erneut in Zigarren verliebt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Die ber\u00fchmte, alte Fabrik ist ein wahrlich besonderer Ort \u2013 und das trotz der dunklen Kapitel ihrer Geschichte: Sie diente sowohl den Sandinisten als auch den Somoza-Anh\u00e4ngern als St\u00fctzpunkt, war Ziel von Luftangriffen und angeblich Schauplatz standrechtlicher Exekutionen. Heute herrscht hier kein Schrecken mehr, sondern ein Gef\u00fchl von Freude und Optimismus. Die Leute verrichten gute, traditionsreiche und harte Arbeit und k\u00fcmmern sich um einander.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20382\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-20382\" class=\"wp-image-20382 size-medium\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Dr.Cuenca-and-Panchita-500x375.jpg\" alt=\"Dr.Cuenca and Panchita\" width=\"260\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Dr.Cuenca-and-Panchita-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Dr.Cuenca-and-Panchita.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Dr.Cuenca-and-Panchita-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-20382\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Nick Hammond |<br \/>Dr. Cuenca und Panchita verbinden besondere Bande: Als eine der ersten Arbeiterinnen in der Fabrik geh\u00f6rte sie zu jener Gruppe, die Cuenca in den fr\u00fchen Neunzigern \u00fcberredete, diese zu retten<\/p>\n<\/div>\n<p>Auf meine Frage, was JdN f\u00fcr sie bedeutet, antwortet Francisca Gonz\u00e1les, die in der Fabrik liebevoll Panchita genannt wird, leise und schulterzuckend: \u201eMein Leben.\u201c Wir sitzen im kleinen Garten hinter der Fabrik, wo sie das halbe Jahrhundert, das sie hier verbracht hat, Revue passieren l\u00e4sst : Von ihren Anf\u00e4ngen als 12-J\u00e4hrige, als sie auf der Suche nach einem Job war, um ihre Familie zu unterst\u00fctzen, bis zu ihrer derzeitigen Position als Leiterin der Qualit\u00e4tskontrolle. Sie steht jeden Morgen um 4.30 Uhr auf und k\u00fcmmert sich um ihre Enkelkinder, bevor sie Richtung Fabrik aufbricht. An die schlechten alten Zeiten kann sie sich gut erinnern: An Leichen auf den Stra\u00dfen auf ihrem Weg zur Arbeit, an eine Schie\u00dferei in einer Bank zur Mittagszeit, an Pr\u00e4sident Somoza, der pers\u00f6nlich in der Fabrik auftauchte, Anstecknadeln verteilte und die Arbeiter anwies, zur Wahl zu gehen und f\u00fcr ihn zu stimmen. Dennoch hat sie es nie in Erw\u00e4gung gezogen, sich einen anderen Job zu suchen. \u201eWir haben so viele harte Zeiten erlebt, aber es k\u00e4me mir nie in den Sinn, wegzugehen. Die Leute hier sind meine Familie.\u201c Und zu Alejandro Mart\u00ednez Cuencas Intervention meint sie mit einem L\u00e4cheln, das unser Pl\u00e4tzchen im Garten zum Leuchten bringt: \u201eEr ist mein Schutzengel. Ohne ihn h\u00e4tten wir heute gar nichts. Die Fabrik w\u00fcrde einfach nicht existieren.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h3>Zukunftspl\u00e4ne<\/h3>\n<p>An der Vergangenheit festzuhalten ist f\u00fcr das Unternehmen jedoch keine Option; man strebt nach Innovation. \u201eWir haben das j\u00fcngste Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsteam in der nicaraguanischen Tabakbranche, blicken stets in die Zukunft und beschreiten neue Wege der Kommunikation\u201c, sagt Mart\u00ednez. \u201eWir haben erkannt, dass es mehr als einen einzigen Ansatz braucht. Was in einem Land funktioniert, geht in einem anderen vielleicht gar nicht. Deshalb sagen wir unseren Vertriebspartnern nicht, was sie tun sollen und wie, sondern verlassen uns darauf, dass sie uns das sagen und stellen ihnen daraufhin die n\u00f6tigen Mittel zur Verf\u00fcgung.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Die Herstellung von hervorragenden Zigarren f\u00fcr andere ist ein wichtiger Teil des Gesch\u00e4fts, selbst wenn man wenig dar\u00fcber h\u00f6rt. So werden hier z. B. die Blends von Steve Saka (vormals CEO bei Drew Estate) sowie die Tobacco Lords von Robert Graham und die La Sagrada Familia-Linien geschaffen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Und wie sieht die Zukunft aus? \u201eWir haben einiges vor\u201c, meint Mart\u00ednez mit einem Augenzwinkern. \u201eN\u00e4heres darf ich noch nicht verraten, aber Sie k\u00f6nnen sich darauf verlassen, dass wir eine Vorreiterrolle einnehmen werden. Unsere Leidenschaft treibt uns Tag f\u00fcr Tag an, die besten Zigarren zu machen und erfinderisch zu sein \u2013 auf die f\u00fcr Joya typische Art und Weise.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><em>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2018 ver\u00f6ffentlicht. <a title=\"Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2018 \u2013 Joya de Nicaragua\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/fruehjahrs-ausgabe-2018-joya-de-nicaragua\/\">Mehr<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alejandro Mart\u00ednez Cuenca ist seit 1994 Inhaber der Zigarrenfabrik Joya de Nicaragua (JdN). Sie z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten und wichtigsten Zigarrenherstellern der Welt. JdN feiert mit einer Jubil\u00e4umszigarre einen bedeutenden Meilenstein und richtet dabei ein Auge auf die Zukunft. <\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":20380,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[25,5102,21,1,12,2809],"tags":[4730,5061,1017,1147],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20375"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20375"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20375\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20375"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}