{"id":17761,"date":"2017-10-19T15:34:27","date_gmt":"2017-10-19T13:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=17761\/"},"modified":"2017-10-19T15:34:27","modified_gmt":"2017-10-19T13:34:27","slug":"entubado-accordion-co-die-unterschiedlichen-arten-eine-zigarre-zu-rollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/entubado-accordion-co-die-unterschiedlichen-arten-eine-zigarre-zu-rollen\/","title":{"rendered":"Entubado, Accordion &#038; Co: Die unterschiedlichen Arten eine Zigarre zu rollen"},"content":{"rendered":"<p>Zigarrenrollen ist eine handwerkliche Kunst. In Kuba erfolgt sie seit bald 200 Jahren in nahezu unvera\u0308nderter Form. Der Mischmeister (span: Maestro ligador) kennt die Rezeptur fu\u0308r jede Marke und jedes Format. Die Zigarrenroller fassen die Tagesration Tabak in der Barajita aus, wo die Mischungen (ligadas) vorbereitet werden, und nehmen an ihren Arbeitstischen Platz. Ein Torcedor beno\u0308tigt nicht viel, um seine Kunst auszuu\u0308ben. Ihm genu\u0308gen nebst Tisch und Sessel folgende Requisiten: ein solides Holzbrett, ein spezielles Messer, ein kleiner Rundschneider zum Ausschneiden des Ka\u0308ppchens am Kopf der Zigarre, eine Guillotine, ein Gefa\u0308\u00df mit <a title=\"Essentiell und doch selten beachtet: Der Zigarrenkleber\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/essentiell-der-zigarrenkleber\/\">geschmacksfreiem pflanzlichen Klebstoff<\/a> und eine Messlehre, um La\u0308nge und Ringma\u00df zu u\u0308berpru\u0308fen \u2013 und vor allem die Erfahrung und die Geschicklichkeit jahrelang geu\u0308bter Ha\u0308nde.<\/p>\n<p>Der Roller legt die Einlagebla\u0308tter (tripa) von links nach rechts jeweils in kleinen Stapeln vor sich hin. Dann kommt das Umblatt (capote) und ganz rechts das Deckblatt (capa). Bei den Einlagebla\u0308ttern wurde schon vorher ein Teil der dicken Mittelvene entnommen, sodass Bla\u0308tter entstehen, die mit Phantasie wie ein Frosch mit Hinterbeinen aussehen (frog-strips). Nun folgt der erste Schritt: das Formen des Wickels (bunching). Der Wickel ist das Halbfabrikat, das aus den in der Regel 3 bis 5 Einlagetabaken und dem daru\u0308ber gerollten Umblatt besteht. Yolanda Medina ist Torcedora der ersten Stunde. Heute zeigt sie ihre Kunst im Hotel Melia Habana. Zuna\u0308chst legt sie das Umblatt mit der Ru\u0308ckseite auf ihr Brett, sodass die gro\u0308\u00dferen Adern im Blatt nach oben schauen. Beim Rollen der Zigarre kommen so die Blattadern nach innen zu liegen.<\/p>\n<p>Es werden nur entrippte Blattha\u0308lften als Umblatt verwendet. Bei gro\u0308\u00dferen Formaten werden zwei oder sogar mehr Umbla\u0308tter u\u0308berlappend nebeneinander gelegt. Wie die Einlagetabake in der Hand der Torcedora gelegt und dann geformt werden, dazu gibt es verschiedene Methoden: In absteigendem Schwierigkeitsgrad fu\u0308r den Roller seien genannt: Entubado, Accordion, Book und Lieberman (das ist ein ha\u0308ndisch zu bedienender Halbautomat, der das Rollen wesentlich erleichtert).<\/p>\n<h3>Entubado-Wickel<\/h3>\n<p>Dies ist die klassische Methode. Eigentlich wurde sie schon Ende des 17. Jahrhunderts in Sevilla entwickelt; aus Kuba kam am Anfang nur der Tabak. Hier werden die Einlagebla\u0308tter einzeln in kleinen Rollen nebeneinander gelegt und zu einem Bunch geformt. In die Mitte der Einlage kommt das Ligero-Blatt. Es ist ein sehr kra\u0308ftiges, wu\u0308rziges Blatt, das aber langsam abbrennt. Es gibt der Zigarre die Kraft. Das Seco-Blatt ist aromatisch, wu\u0308rzig, hat eine mittlere Entflammbarkeit und gibt der Zigarre die notwendige Balance. Der Volado ist mild und brennt leicht. Durch die einzeln gerollten Einlagebla\u0308tter wird in der fertigen, zylinderfo\u0308rmigen Zigarre ein ungehinderter Rauchdurchgang gewa\u0308hrleistet; der Rauch muss durch alle Bla\u0308tter hindurch und transportiert so mehr Aroma und Geschmack zum Gaumen. Bei einer gut gerollten Zigarre entsteht ein ku\u0308hler, langsamer und regelma\u0308\u00dfiger Abbrand. Dann vollendet der Torcedor den Wickel (span: bonche), indem die Einlagebla\u0308tter mit dem Umblatt u\u0308berrollt werden. Gerollt werden die Zigarren vom Kopf (Mundende) aus. Dabei muss die Einlage an jeder Stelle gleichma\u0308\u00dfig zusammengedru\u0308ckt werden. Der Fu\u00df des Wickels (Brandende) wird mit einer Guillotine oder mit der Chaveta abgeschnitten. Der fertige Wickel kommt in eine Form, wo er mindestens 30 Minuten gepresst wird. Um eine gleichma\u0308\u00dfige Form zu gewa\u0308hrleisten, wird die Presse einmal geo\u0308ffnet und der Wickel gedreht.<\/p>\n<p>Nick Perdomo arbeitet in seiner Tabacalera Perdomo in Nicaragua nach der klassischen Entubado-Methode. Betritt er die Fabrikshalle, gibt es zuna\u0308chst nach altem kubanischen Brauch zur Begru\u0308\u00dfung einen Trommelwirbel der Torcedores mit ihren Chavetas auf die Arbeitsfla\u0308chen. Statt Holzbrettern werden bei Perdomo Arbeitsfla\u0308chen aus Stahl verwendet, weil es sich darauf exakter arbeiten und das Material sich leichter reinigen la\u0308sst. Dass man die Messer o\u0308fter schleifen muss, nimmt man in Kauf. Tony Perdomo ist Nick\u2019s Onkel. Der bullige Fabrikmanager des Familienunternehmens legt Wert darauf, dass das Tubing der Einlagetabake wirklich in Rollen zu 360 Grad erfolgt. Auch hier ist der starke und langsam brennende Ligero in der Mitte, gefolgt von Seco und Viso, wie hier der Volado genannt wird. Zusa\u0308tzlich werden Teile von Einlagetabaken ins Fu\u00dfende gedru\u0308ckt, damit sich gleich nach dem Anzu\u0308nden ein Feuerwerk an Aromen entfaltet. Gro\u0308\u00dften Wert legt man bei Perdomo auf die Qualita\u0308tskontrolle, wie Sarah Gonzalez versichert. Sie ist samt ihrer Zeit als Meisterrollerin in Kuba seit 36 Jahren in dem Metier ta\u0308tig. Zehn Zugmaschinen stehen bereit, um jeden einzelnen Wickel auf Zugwiderstand zu testen, bevor er zum Finish freigegeben wird.<\/p>\n<p>A\u0308hnlich wie die Entubado-Methode ist eine Variante, die <a title=\"Drew Estate: Vom Kiosk zum globalen Zigarrenunternehmen\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/drew-estate-vom-kiosk-zum-globalen-zigarrenunternehmen\/\">Jonathan Drew von Drew Estate <\/a>in seiner wunderscho\u0308nen Gran Fabrica in Esteli in Nicaragua auch scherzhaft \u201eLazy Entubado\u201c nennt: das so genannte Estrujado (von estrujar: pressen, dru\u0308cken). Hier wird noch vor dem Umblatt ein Blatt als Unterlage (Jonathan Drew nennt es \u201ebase\u201c) um die Einlagetabake gelegt. Interessant ist auch, dass in den Fabriken in Nicaragua immer in einem Zweierteam ein Buncher (bonchero) neben einer Rollerin sitzt. Frauen haben die zarteren Finger und besorgen das U\u0308berrollen mit dem Deckblatt. In Kuba macht ein Torcedor\/eine Torcedora die gesamte Zigarre allein.<\/p>\n<p><img class=\"alignnone size-full wp-image-17764\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/zigarrenwickel-zigarrenroller.jpg\" alt=\"Torcedora bunching a cigar\" width=\"770\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/zigarrenwickel-zigarrenroller.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/zigarrenwickel-zigarrenroller-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/zigarrenwickel-zigarrenroller-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><\/p>\n<h3>Akkordion-Wickel<\/h3>\n<p>Bei dieser Wickeltechnik werden die Einlagebla\u0308tter jedes fu\u0308r sich von au\u00dfen nach innen gefaltet. Die Bla\u0308tter werden u\u0308bereinander gelegt, bis die Einlage komplett ist. Dann werden sie so wie bei der Entubado-Methode mit einem Umblatt umwickelt. Brian Scholle von Studio Tobac (Oliva), der gerne seine Kunst bei Schaurollen demonstriert, ist Anha\u0308nger dieser Methode: \u201eDie gefalteten Einlagebla\u0308tter erlauben einen exzellenten Zug. Sind die Einlagetabake zu stark zusammengepresst, ergeben sich Zugprobleme, wie es beim Entubado der Fall sein kann.\u201c Wenn man eine Zigarre oder, besser, was von ihr u\u0308brig bleibt, der La\u0308nge nach aufschneidet, kann man die gefalteten Bla\u0308tter wie ein Akkordeon oder einen Fa\u0308cher auseinander nehmen. Nick Perdomo wendet ein, dass das beim Accordion Bunching dreimal gefaltete Tabakblatt beim Pressen leicht brechen kann. Dennoch ist diese Methode sehr verbreitet, da sie weniger zeitaufwendig ist. Sie ist leichter zu handhaben als die Entubado-Methode und die Tagesleistung eines Rollers ist wesentlich ho\u0308her. Bei Entubado-Rollung kann ein Torcedor je nach Format 120 bis 150 Zigarren am Tag rollen, bei der Akkordeon-Methode 200 bis 250.<\/p>\n<h3>Buch-Wickel<\/h3>\n<p>Hier werden die Bla\u0308tter fu\u0308r die Einlage flach u\u0308bereinander gelegt und wie ein Buch oder ein Taco zusammengefaltet, und fertig ist die Einlage. Das ist noch einfacher als Entubado oder Akkordeon. Die Zigarre hat eine weniger gut durchlu\u0308ftete Struktur, es kann nicht so viel Luft durch die Einlagebla\u0308tter ziehen, als wenn sie einzeln gerollt oder gefaltet wa\u0308ren. Aus der Sicht des Fabrikanten erho\u0308ht diese Methode den Output eines Rollers betra\u0308chtlich.<\/p>\n<h3>Lieberman-Wickel<\/h3>\n<p>Lieberman nennen die Zigarrenhersteller ein relativ leicht zu bedienendes Gera\u0308t, das den Wickel mit mechanischer Unterstu\u0308tzung rollen hilft. Es ist ein Stahlrahmen mit einer Gummimatte, die in den Arbeitsplatz des Boncheros integriert ist. In eine Rille, die sich unter der Matte bildet, werden das Umblatt und die Einlagebla\u0308tter gelegt, und mittels eines ha\u0308ndisch zu bedienenden Hebels wird der Wickel gerollt. Nach dem gleichen Prinzip kann man mit einem kleinen Gera\u0308t aus einem Blatt Papier und Zigarettentabak eine Zigarette rollen. Der Lieberman spart Zeit und bringt konstant gleichma\u0308\u00dfig gerollte Wickel. Beim Lieberman scheiden sich die Geister: Ist eine so gerollte Zigarre noch eine handgefertigte Zigarre? Da die Handarbeit u\u0308berwiegt, gelten so gefertigte Zigarren immer noch als Premiumzigarren. Eine Matte als Wickelhilfe wird in Kuba bei handgefertigten Tripa Corta- (Shortfiller-) Zigarren verwendet.<\/p>\n<p>Zu erwa\u0308hnen ist noch der Figurado- oder Hybrid-Wickel: Speziell geformte Zigarren wie Torpedos oder Perfectos verlangen eine eigene Wickeltechnik. Der spitz verlaufende Kopf der Zigarre erfordert beim Wickeln besonderes Ko\u0308nnen und gro\u00dfe Sorgfalt. Ein einziges falsch platziertes Blatt kann den Rauchverlauf empfindlich beeintra\u0308chtigen.<\/p>\n<h3>Gewickelt und gepresst<\/h3>\n<p>Egal mit welcher Methode der Wickel gefertigt wurde, er wandert eine Zeit lang in eine Form und diese in eine Presse. Eine Ausnahme von der Regel ist die Dannemann Artist Line HBPR (hand bunched, pressed, rolled), wo die Zigarrenroller alle Arbeitsschritte mit der Hand vollziehen. Rocky Patel produziert in seinen beiden Fabriken accordion bunched- (in Honduras) und tubular bunched-Zigarren (in Nicaragua). Mit ein Grund fu\u0308r die unterschiedlichen Wickelmethoden ist die unterschiedliche Fermentation der Tabake. In Nicaragua verwendet er auch zwei Umbla\u0308tter: \u201eEine Methode ist nicht unbedingt besser als die andere. Es ist ein Unterschied im Stil. Je nachdem, wie Zigarren gemacht werden, entstehen unterschiedliche Geschmacksprofile und unterschiedliche Charaktere. Es ist eine gu\u0308nstige Gelegenheit, ein bisschen verschieden zu sein, ein bisschen einzigartig. So ko\u0308nnen unsere Linien sehr breitgefa\u0308chert und dynamisch sein. Das ist der Vorteil zweier Fabriken in zwei La\u0308ndern.\u201c<\/p>\n<p>Geru\u0308hrt oder geschu\u0308ttelt? Wie schmeckt Martini besser? Eigentlich scheint es mir nicht so wichtig zu sein, ob die Einlage gerollt oder gefaltet wurde. Meine Meinung dazu ist: Hauptsache die Zigarre zieht gut und schmeckt.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2012 ver\u00f6ffentlicht. <a title=\"Winter-Ausgabe 2012 \u2013 Zigarren &amp; Charity\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/winter-ausgabe-2012-zigarren-charity\/\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rollmethode einer Zigarre hat Einfluss auf Brandverhalten und Zugwiderstand. Hier erkl\u00e4ren wir, worin sich die Techniken unterscheiden.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":17763,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[25,1007,21,1,39,2805,15],"tags":[4566,2819,371,2654],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17761"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17763"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}