{"id":15856,"date":"2017-05-23T13:17:01","date_gmt":"2017-05-23T11:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=15856\/"},"modified":"2017-05-09T16:25:47","modified_gmt":"2017-05-09T14:25:47","slug":"sind-glanz-und-textur-eines-deckblattes-eine-frage-der-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/sind-glanz-und-textur-eines-deckblattes-eine-frage-der-qualitaet\/","title":{"rendered":"Sind Glanz und Textur eines Deckblattes eine Frage der Qualit\u00e4t?"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Eindruck ist entscheidend, und weil das Deckblatt nun einmal die Verpackung jeder Zigarre ist, kommt diesem eine besondere Bedeutung zu. Viele meinen: je gla\u0308nzender das Deckblatt desto hochwertiger sei es. Diese Ansicht ist jedoch (so allgemein formuliert) nicht korrekt.<\/p>\n<h3>Was den Glanz des Deckblattes beeinflusst<\/h3>\n<p>Der Glanzgrad eines Deckblattes ist einerseits von Bodenbeschaffenheit, Tabaksorte, Klima, Du\u0308ngerbeigabe, Erntezeitpunkt und Restwassergehalt zur Ernte abha\u0308ngig. Andererseits sind die Tabakverarbeitung und die Lagerung der fertigen Zigarre von entscheidender Bedeutung. Eine zu kurze Fermentation bei zu geringer Temperatur kann zu einem zu hohen Rest-O\u0308lgehalt im Tabak fu\u0308hren, wodurch das Deckblatt einen starken, fast ku\u0308nstlich wirkenden Glanz bekommt. Fu\u0308r das Brandverhalten ist dies relativ irrelevant, der Einfluss des Deckblattes auf den Geschmack kann aber negative Wahrnehmungen wie Scha\u0308rfe, mitunter auch Bitterkeit hervorrufen.<\/p>\n<p>Ist die Fermentationszeit dagegen zu lang oder erfolgt sie bei zu hoher Temperatur, so werden O\u0308le, Fette und Wachse im Tabak zersto\u0308rt und das Deckblatt erscheint matt. Besonders bei Maduros, fu\u0308r deren Herstellung la\u0308ngere Fermentationszeiten erforderlich sind, kann dieser Fehler auftreten. Werden Zigarren la\u0308ngere Zeit zu trocken gelagert, so ko\u0308nnen auch anfangs seidig gla\u0308nzende Deckbla\u0308tter ihre O\u0308ligkeit einbu\u0308\u00dfen. Das ist dann kein Produktionsfehler sondern ein Lagerungsfehler.<\/p>\n<p>Aber auch perfekt gelagerte Zigarren ko\u0308nnen ihren Glanz nicht ewig bewahren. Besonders bei sehr alten Rarita\u0308ten ist ein Glanzverlust deutlich bemerkbar. Das Deckblatt wird durch den Verlust der O\u0308le leicht spro\u0308de und es ko\u0308nnen Risse auftreten \u2013 vor allem dann, wenn du\u0308nnere Ringma\u00dfe zu schnell und zu hei\u00df geraucht werden. Schwankende Luftfeuchtigkeit bei der Lagerung der Zigarren hat ebenfalls einen signifikanten Glanzverlust zur Folge.<\/p>\n<p>Wa\u0308hrend des Habanos-Days 2012 auf Schloss Oelber leitete ich ein Seminar, bei dem jeder Teilnehmer drei Zigarren der gleichen Vitola (Punch Corona) verkostete. Die drei Zigarren wurden jeweils mehr als zwei Jahre lang unterschiedlich gelagert. Die einen in einem elektronisch geregelten Humidorschrank mit vollkommen konstanter Luftfeuchte bei 71 Prozent. Die na\u0308chste Charge in einem Standardhumidor aus kanadischer Zeder (das falsche Holz) mit passiver Befeuchtung und folglich stark schwankender Luftfeuchte (60 bis 80 Prozent). Die dritte Charge wurde ohne Humidor auf dem Dachboden mit extremen Feuchteschwankungen von 40 bis 75 Prozent gelagert.<\/p>\n<p>Nach der Lagerungszeit wurden die Zigarren wieder auf den korrekten Feuchtegehalt gebracht und so verkostet. Rein vom Feuchtegehalt war es also nicht mo\u0308glich, einen<br \/>\nRu\u0308ckschluss auf die Lagerungsbedingungen zu ziehen. Erstaunlich war, dass sowohl die vollkommen ausgetrocknete Zigarre als auch die bei schwankender Luftfeuchte gelagerte einen auffa\u0308lligen Glanzverlust aufwies. In den Tastingnotizen las man bei der optischen Beurteilung immer wieder die Worte \u201estumpfes Deckblatt, matt, staubig\u201c.<br \/>\nMo\u0308chte man also den Glanz des Deckblattes korrekt beurteilen, so muss man das Alter der Zigarre, die Lagerungsbedingungen und die spezifischen Tabakeigenschaften kennen. Ansonsten ist eine objektive Beurteilung nicht mo\u0308glich.<\/p>\n<h3>Die Textur des Deckblattes<\/h3>\n<p>Ich bin immer wieder erstaunt, mit welch unglaublich groben Deckbla\u0308ttern manche Premiumzigarren ausgeliefert werden. Vor allem bei Maduro-Deckbla\u0308ttern findet man mitunter Zigarren, deren A\u0308u\u00dferes mehr an einen Krautwickel als an eine Zigarre erinnert. Vergleicht man kubanische Maduro-Deckbla\u0308tter mit jenen anderer Provenienzen, so fa\u0308llt ein Unterschied auf. Selbst ein dunkles Connecticut Broadleaf-Blatt ist meist noch immer viel feiner als ein Maduro-Deckblatt aus Kuba. Zwar ist das Deckblatt das Ausha\u0308ngeschild der Zigarre, eine gro\u0308bere Textur ist aber keinesfalls ein Zeichen fu\u0308r mindere Qualita\u0308t, so lange die Adern nicht so dick sind, dass sie zu einem ungleichma\u0308\u00dfigen Abbrand fu\u0308hren. Ganz anders sind immer Verfa\u0308rbungen im Deckblatt zu beurteilen.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2012 ver\u00f6ffentlicht. <a title=\"Autumn Edition 2012 \u2013 Women in the Cigar Industry\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/previous-editions\/autumn-edition-2012-women-in-the-cigar-industry\/\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele meinen: je gla\u0308nzender das Deckblatt desto hochwertiger sei es. 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