{"id":14864,"date":"2017-06-26T14:00:38","date_gmt":"2017-06-26T12:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=14864\/"},"modified":"2017-03-30T11:29:19","modified_gmt":"2017-03-30T09:29:19","slug":"eine-besondere-form-die-geschichte-der-double-figurado","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/eine-besondere-form-die-geschichte-der-double-figurado\/","title":{"rendered":"Eine besondere Form &#8211; Die Geschichte der Double Figurado"},"content":{"rendered":"<p>Vor kurzem beschloss ich, eine kubanische Distinguido zu rauchen. Abgesehen von ihrem attraktiven, mittelbraunen Deckblatt und ihrer hervorragenden Ma\u00dffertigung \u00fcber die gesamte L\u00e4nge von 162 mm (63\u20448\u201d), stach mir besonders ihre Form ins Auge. Sie glich jenem Zeppelin, den man bei bestimmten Werbekampagnen f\u00fcr Autoreifen sieht, und hob sich von den anderen, vorwiegend zylindrischen Zigarren \u2013 auch Parejo genannt \u2013 in meinem Humidor ab.<\/p>\n<p>Ich schnitt das Kopfende 3 mm unter der Spitze an und erhielt damit eine \u00d6ffnung, nicht gr\u00f6\u00dfer als jene einer Zigarette, zum Anz\u00fcnden. Als ich das Brandende \u00fcber dem Feuer drehte und einen Zug nahm, schoss eine sichelf\u00f6rmige Flamme empor. Ich war fasziniert von ihrem Geschmack, der vor allem vom Deckblatt kam, w\u00e4hrend der Einlagetabak einen scharfen, trockenen Eindruck auf meinem Gaumen hinterlie\u00df. Im Rauchverlauf bis zum weitetesten Umfang dieser Vitola mit einem 52er-Ringma\u00df wurde der Geschmack runder und reichhaltiger \u2013 \u00e4hnlich wie der mittelstarke bis kr\u00e4ftige Geschmack der Cuaba.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war das keine g\u00e4nzlich neue Erfahrung, aber es hat mich an die Zeit erinnert, als ich einen Crash-Kurs im Rauchen solcher Zigarrenformate machen musste \u2013 vor fast genau 20 Jahren, als Hunters &amp; Frankau auserkoren wurde, die Cuaba zu lancieren.<\/p>\n<p>Mitte der 1990er-Jahre litt die kubanische Industrie noch an den Folgen des Zerfalls der Sowjetunion. Die Zigarrenproduktion fiel auf ein 25-Jahre-Tief. Doch der von Amerika ausgehende Zigarren-Boom erreichte langsam auch Europa, und das neugegr\u00fcndete Unternehmen Habanos S.A. sollte den altehrw\u00fcrdigen Havanna-Handel durch moderne Fachkenntnisse auf einen neuen Stand bringen. Es war Zeit f\u00fcr Innovationen.<\/p>\n<p>Der Ansporn f\u00fcr neue Ideen kam von ganz oben. Fidel Castro war \u00fcberzeugt, dass man neue Marken brauchte \u2013 nicht nur, um Kubas Zigarrenportfolio zu beleben, sondern auch, um es der Branche angesichts der Tatsache, dass das US- Handelsembargo eines Tages aufgehoben werden k\u00f6nnte, zu erm\u00f6glichen, den amerikanischen Markt zu erschlie\u00dfen, wo die meisten alten kubanischen Marken von Konkurrenzunternehmen registriert wurden.<\/p>\n<p>Diese Aufgabe sollte Francisco Linares, damaliger Pr\u00e4sident von Habanos S.A., \u00fcbernehmen. Dank seiner Bem\u00fchungen kam es zum Launch von Vegas Robaina und Vegueros (1997), Trinidad (1998) und San Crist\u00f3bal de la Habana (1999), doch den Anfang machte Cuaba im Jahr 1996.<\/p>\n<p>Eine Marke zu schaffen, die ausschlie\u00dflich Double Figurados bzw. Perfectos, wie manche Leute sie nennen, umfasst, ist nur eines von vielen Konzepten und nicht gerade das einfachste. Es stimmt wohl, dass fr\u00fcher einmal praktisch alle Habanos dieses Format aufwiesen, doch das war im 19. Jahrhundert. Aus alten Katalogen im Archiv von Hunters &amp; Frankau geht hervor, dass zylindrische Zigarren Mitte der 1930er-Jahre die \u00dcberhand gewannen, aber nach wie vor viele Double Figurados produziert wurden. In den 1990er-Jahren fanden sich nur mehr drei dieser Vitolas im kubanischen Portfolio: Romeo y Julieta Celestiales Finos, Partag\u00e1s Presidentes und Fonseca Invictos. Somit gab es kaum noch Torcedores (Zigarrenroller), die diese komplizierten Formate rollen konnten.<\/p>\n<p>Das Projekt war allein aufgrund des Engagements eines Mannes, des 60-j\u00e4hrigen Carlos Izquierdo, Torcedor in der Romeo-Fabrik, m\u00f6glich. Viele Generationen der Familie Izquierdo arbeiteten bei Romeo. Carlos, der 1950 dort begann, avancierte rasch zu einem erstklassigen Zigarrenroller. Romeo y Julieta Romeo, die Zigarre, die er am liebsten machte, hatte zuf\u00e4lligerweise dasselbe Format wie die Cuaba Distinguido. Als deren Produktion 1978 eingestellt wurde, war er derma\u00dfen ver\u00e4rgert, dass er schwor, bei jedem Treffen mit Repr\u00e4sentanten von Habanos S.A. bzw. dessen Vorg\u00e4ngerbetrieb Cubatabaco, diese zu bitten, die Double Figurados, wieder einzuf\u00fchren. Denn: diese stellten f\u00fcr ihn den Gipfel der Zigarrenrollerkunst dar.<\/p>\n<p>Folglich wusste Linares ganz genau, wen er bei der neuen Marke um Hilfe bitten konnte. H\u00f6chsterfreut begann Carlos ein Team von 14 Zigarrenrollern bei Romeo zu schulen. Ich erinnere mich noch an ein Treffen mit ihnen zu dieser Zeit. Ich war sehr \u00fcberrascht, dass die Gruppe so jung war. Carlos war sichtlich fest entschlossen, seine F\u00e4higkeiten an eine komplett neue Generation weiterzugeben.<\/p>\n<p>Im Jahr 1995 kam Linares erstmals nach England. Er besuchte viele Top-Zigarrenh\u00e4ndler und sah viele gereifte und seltene Zigarren, doch bei einem Erbst\u00fcck im Besitz von Hunters &amp; Frankau hielt er inne. Es handelte sich um in Glas gerahmte, gegen 1885 von La Corona hergestellte Original-Zigarren. Nachdem jede davon eine Double Figurado war, beschloss Linares, dass London der einzige passende Ort sei, um seine aufstrebende Cuaba-Marke zu lancieren.<\/p>\n<p>Francisco Linares und Nicholas Freeman von Hunters &amp; Frankau organisierten am 19. November 1996 eine elegante Abendveranstaltung f\u00fcr rund 200 G\u00e4ste im Claridge\u2019s Hotel. An einem der Tische sa\u00df ein ruhiger Mann mit leicht schief sitzender Fliege, der den Eindruck vermittelte, dass er jetzt lieber an seiner Fabrikwerkbank w\u00e4re \u2013 Carlos Izquierdo, jener Mann, der hauptverantwortlich daf\u00fcr war, dass dieses Event \u00fcberhaupt stattfand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Chase erz\u00e4hlt die Geschichte einer Zigarre, mit einem ganz besonderen Format.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":14865,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[25,40,4158,21,1,16,39,2809,2805],"tags":[4232,733],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14864"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14864\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}