{"id":13862,"date":"2017-01-23T14:00:22","date_gmt":"2017-01-23T13:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=13862\/"},"modified":"2017-02-15T11:48:12","modified_gmt":"2017-02-15T10:48:12","slug":"airkel-lueftungssystem-cigar-lounges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/airkel-lueftungssystem-cigar-lounges\/","title":{"rendered":"Airkel &#8211; Wie ein neues L\u00fcftungssystem das Konzept von Cigar Lounges revolutioniert"},"content":{"rendered":"<p>Genf, Freitag, 15. Januar, 11 Uhr, Hotel d\u2019Angleterre. Wir haben ein Treffen mit Vah\u00e9 G\u00e9rard, einem der bekanntesten Zigarrenh\u00e4ndler der Stadt. Sein Gesch\u00e4ft ist nur einen Katzensprung entfernt, in der Lobby des Grand Hotel Kempinski. Bevor wir uns die Treppe hinunter in das Raucherzimmer begeben, stoppt er bei der Rezeption und fragt nach einem Bogen Briefpapier. \u201eDamit kann ich Sie in wenigen Sekunden von der Magie des Airkel-Systems \u00fcberzeugen\u201c, verspricht er.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr zur Cigar Lounge der Leopard Bar geht weit auf und G\u00e9rard b\u00fcckt sich hinunter und platziert das Blatt Papier auf dem Boden, das sofort ganz von alleine ans andere Ende des Raumes gleitet. \u201eVoil\u00e0\u201c, meint er, und eine Spur von Triumph schwingt in seiner Stimme mit. \u201eDas ist Airkel!\u201c Als wir das Zimmer queren, um das St\u00fcck Papier, das unter dem Sofa gelandet ist, aufzuheben, bemerken wir, dass der gesamte Boden mit tausenden kleinen L\u00f6chern versehen ist, aus denen Luft str\u00f6mt.<\/p>\n<div id=\"attachment_13865\" style=\"width: 393px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Portrait-Vahe-Gerard.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-13865\" class=\" wp-image-13865\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Portrait-Vahe-Gerard-500x708.jpg\" alt=\"\" width=\"383\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Portrait-Vahe-Gerard-500x708.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Portrait-Vahe-Gerard.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Portrait-Vahe-Gerard-600x849.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-13865\" class=\"wp-caption-text\">Foto: S\u00e9bastien Bovy<\/p>\n<\/div>\n<p>Das von G\u00e9rard entwickelte Airkel-System basiert auf einem einfachen Prinzip: Jedes Loch im Boden hat ein Gegenst\u00fcck in der Decke. Unterhalb der Bodendielen wird frische Luft zugef\u00fchrt, w\u00e4hrend die Raumluft samt Rauch und Ger\u00fcchen durch die L\u00f6cher in der Decke entzogen werden. Das Resultat: \u201eDurch diese konstante laminare Str\u00f6mung kommt es alle zwei Minuten zu einem hundertprozentigen Luftwechsel. Das bedeutet: kein Kleidungsst\u00fcck stinkt mehr nach Rauch. Wir k\u00f6nnen nun endlich alle \u2013 Raucher und Nichtraucher \u2013 in einem Raum zusammenbringen und erf\u00fcllen gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen.<\/p>\n<p>Vier Hotels, ein Restaurant, ein Pub und ein Unternehmen \u2013 alle hier in der Schweiz \u2013 wurden bereits mit Airkel ausgestattet. Ein Dutzend anderer Projekte sind in Diskussion. Nat\u00fcrlich spricht man auch schon im Ausland \u00fcber uns\u201c, erkl\u00e4rt G\u00e9rard und zieht gem\u00e4chlich an seiner Robusto, w\u00e4hrend der Rauch zur Decke aufsteigt. Im Raum ist weder ein Zug wahrnehmbar, noch das Ger\u00e4usch eines Ventilators. Als ich das Zimmer nach zwei Stunden verlasse, bemerke ich, dass meine Kleidung geruchsfrei ist.<\/p>\n<p>Das Airkel-Abenteuer beginnt 2010. In Vah\u00e9 G\u00e9rards B\u00fcro stapeln sich Pl\u00e4ne, Skizzen und Prototypen. Experten in Sachen Luftzirkulation und Handwerker, die sich auf Holzverarbeitung spezialisieren, haben Machbarkeitsstudien durchgef\u00fchrt. Um seine Erfindung auf die Probe zu stellen, r\u00f6stete G\u00e9rard sogar Zwiebel in einem mit dem Airkel-System versehenen, geschlossenen Raum.<\/p>\n<p>Das internationale Urheberrecht wurde im November 2010 eingetragen, doch Airkel verriet nicht alle seine Geheimnisse (wie etwa die Luftgeschwindigkeit, die es generiert). Zur Installation des Systems, f\u00fcr die f\u00fcnf bis sechs Arbeiter notwendig sind, ist eine Lizenz erforderlich und die Kosten liegen zwischen 150.000 und 300.000 Schweizer Franken [135.000 bis 270.000 Euro], je nach Gr\u00f6\u00dfe und Lage des Raums. G\u00e9rards Schwester Marie-Christine G\u00e9rard ist Pr\u00e4sidentin von GPF Concept, das das Airkel-System vermarktet, und seine Frau Annie zeichnet f\u00fcr Entwicklung und Kommunikation verantwortlich.<\/p>\n<p>Die erste Airkel Cigar Lounge, ein ultramoderner Glaskubus, wurde im Starling Hotel in der N\u00e4he des Genfer Flughafens er\u00f6ffnet. \u201eVah\u00e9 entz\u00fcndete eine Rauchbombe im Zimmer, um die Effektivit\u00e4t von Airkel zu demonstrieren\u201c, erinnert sich Laurent Luyat, franz\u00f6sischer Sportjournalist und Zigarrenliebhaber. \u201eDie Luft im Raum war vollkommen opak, aber zwei Minuten sp\u00e4ter konnten wir unbeschwert atmen.\u201c<\/p>\n<p>Der Zeitaufwand zur Installation von Airkel variiert je nach Ort. Im 150 Jahre alten Grand Hotel Park in Gstaad musste die bemalte Decke entfernt, mit L\u00f6chern versehen und danach wieder angebracht werden. Manager Thierry Kremper ist mit der im Dezember 2013 fertiggestellten Einrichtung sehr zufrieden. \u201eDas Lokal ist stets voll, am Wochenende sind alle Pl\u00e4tze besetzt. Die neue, rauchfreie Atmosph\u00e4re hat das Gesch\u00e4ft angekurbelt. Selbst bei 30 Zigarrenrauchern sitzenden und 20 stehenden Zigarettenrauchern funktioniert das L\u00fcftungssystem perfekt! Wir k\u00f6nnen Zigarren- und Pfeifenraucher problemlos Seite an Seite unterbringen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_13863\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Boden-Bongeni.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-13863\" class=\" wp-image-13863\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Boden-Bongeni-500x750.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Boden-Bongeni-500x750.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Airkel-Boden-Bongeni.jpg 513w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-13863\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Vah\u00e9 G\u00e9rard<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Cigar Lounge im Hotel d\u2019Angleterre war vormals ein Fitnessstudio. Boden und Decke mussten erneuert werden und die Fauteuils und Sofas wurden so gestaltet, dass sie die L\u00f6cher im Boden so wenig wie m\u00f6glich blockieren. In einem kleinen Raum gleich neben der Cigar Lounge befindet sich ein Ger\u00e4t in der Gr\u00f6\u00dfe von zwei K\u00fchlschr\u00e4nken, das die zwei Ventilatoren zur Luftfilterung mit Energie versorgt: der eine l\u00e4sst frische Luft herein, w\u00e4hrend der andere die verbrauchte Luft aus dem Raum abf\u00fchrt. G\u00e9rard, der gern ein wenig provokant ist, versichert uns: \u201eDie Luft, die den Raum verl\u00e4sst ist sauberer als jene, die hereinkam.\u201c<\/p>\n<p>Das System wird um 9 Uhr morgens eingeschaltet und abgedreht, nachdem der letzte Gast den Raum verlassen hat. Hoteldirektor Jean-Vital Dom\u00e9zon bereut die Investition von 250.000 Schweizer Franken [225.000 Euro] in das System keineswegs. Seine Cigar Lounge hat ihm eine neue Klientel gebracht und einen echten Vorteil: Er kann sie im selben Bereich wie die Stammkunden der Leopard Bar (80 Sitzpl\u00e4tze) willkommen hei\u00dfen, die an die Lounge angrenzt und als Veranstaltungsort f\u00fcr Konzerte dient. \u201eBis 2008 rauchte die H\u00e4lfte unserer G\u00e4ste entweder Zigarren oder Zigaretten. Nachdem das Rauchen in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen verboten wurde, gingen unsere Ums\u00e4tze zur\u00fcck. Aber seit der Wiederer\u00f6ffnung der mit dem Airkel-System ausgestatteten Lounge im September 2014 habe ich ein Ph\u00e4nomen beobachtet, das nur ein paar Jahre zuvor unvorstellbar war: Nichtraucher begleiten Zigarrenraucher in die Lounge!\u201c Die einzige Einschr\u00e4nkung: Auf den Tischen steht klar und deutlich \u201eBitte keine Zigaretten!\u201c<\/p>\n<p>Die Live-Konzerte aus dem angrenzenden Raum werden \u00fcber einen Fernsehbildschirm \u00fcbertragen, womit niemand die Performance vers\u00e4umen muss. Dom\u00e9zon kann auch positive Auswirkungen bei den Verk\u00e4ufen von feinem Whisky und Cognac verzeichnen und der renommierte Hersteller von Louis XIII, R\u00e9my Martin hat zwei Vitrinen aufgestellt. \u201eDas ist der Effekt von Airkel\u201c, meint er l\u00e4chelnd.<\/p>\n<p>Der Airkel-Effekt ist auch an diskreten Orten anzutreffen, wo man ihn weniger erwarten w\u00fcrde, wie etwa dem Genfer Hauptsitz der Schweizer UBS-Bank. Das Beste ist hier f\u00fcr die verm\u00f6gende Klientel gerade gut genug. Im ersten Gescho\u00df des f\u00fcnfst\u00f6ckigen Geb\u00e4udes aus Glas und Stein kann man speisen; Spitzenk\u00f6che mit K\u00fcchenteams agieren hier. Seit \u00fcber einem Jahr besteht die M\u00f6glichkeit, gesch\u00e4ftliche Diskussionen bis zur Kaffeepause im Room 29 fortzusetzen, auf dessen linker und rechter Seite sich ein Airkel-Logo befindet. In der gereinigten Luft dieses 50 m2 gro\u00dfen Raums k\u00f6nnen 12 bis 15 Personen kubanische Zigarren aus dem von G\u00e9rard best\u00fcckten Humidor genie\u00dfen: Montecristo Edmundo, Cohiba Siglo IV, H. Upmann Magnum 50 etc. \u201eEs ist wirklich ein Plus\u201c, sagt Laurent Chavanne von der UBS-Marketingabteilung. \u201eWir sind die erste Bank, die dieses System installiert hat. Hier handelt es sich um einen Mehrzweckraum, den wir bewusst relativ simpel halten. Wir k\u00f6nnen ihn komplett leeren und mit Tischen versehen, um ein Zigarren-Dinner zu veranstalten.\u201c Bisher hatten zwar nur UBS-Kunden Zugang, aber seit kurzem stehen die R\u00e4umlichkeiten auch Angestellten, die einen Zigarrenklub gegr\u00fcndet haben, zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Apropos Zigarrenklubs: \u201eDas Ganze stellt wahrlich einen Fortschritt dar, n\u00e4mlich, dass eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe, ohne sich der Unannehmlichkeit von Rauch aussetzen zu m\u00fcssen, zusammenkommen kann\u201c, meint Michael Hamilos, Pr\u00e4sident des Cigar Circle Club International (CCCI) in Z\u00fcrich, der regelm\u00e4\u00dfig im Hotel d\u2019Angleterre sowie der Cigar Lounge des Luxushotels Atlantis by Giardino in Z\u00fcrich zu Gast ist.<\/p>\n<p>Es herrscht praktisch einhellige Begeisterung f\u00fcr Airkel. Bis dato haben die Duty-free-Zonen von Flugh\u00e4fen \u201enein\u201c zu Airkel gesagt, weil sie bef\u00fcrchten, dass die Passagiere zu viel Zeit in den Cigar Lounges verbringen und deshalb vergessen, einzukaufen. \u201eWir m\u00fcssen die Fluglinien noch \u00fcberzeugen, das System in ihren VIP-Lounges zu installieren,\u201c sagt Vah\u00e9 G\u00e9rard, macht sich aber nicht wirklich Sorgen dar\u00fcber.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er wartet, richtet er sich an eine andere, fast ebenso vielversprechende Zielgruppe: Privatkunden. \u201eIm 19. Jahrhundert gab es die Tradition von Rauchsalons im eigenen Zuhause. Ich habe bereits zwei solche R\u00e4ume f\u00fcr Privatkunden geschaffen. In den guten alten Zeiten rauchte der Hausherr in seiner eigenen Ecke, w\u00e4hrend seine Frau anderswo im Haus ein Buch las. Heute k\u00f6nnen sie beides im selben Raum tun.<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2016 ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/fruehjahrs-ausgabe-2016-vahe-gerard-airkel\/\"><strong> Mehr<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Airkel-Abenteuer beginnt 2010. In Vah\u00e9 G\u00e9rards B\u00fcro stapeln sich Pl\u00e4ne, Skizzen und Prototypen.  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