{"id":13796,"date":"2017-01-12T16:00:42","date_gmt":"2017-01-12T15:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=13796\/"},"modified":"2017-02-15T11:38:10","modified_gmt":"2017-02-15T10:38:10","slug":"maria-sierra-portrait-el-titan-de-bronze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/maria-sierra-portrait-el-titan-de-bronze\/","title":{"rendered":"Zu Besuch bei Maria Sierra, Meisterrollerin in der El Titan de Bronze-Fabrik"},"content":{"rendered":"<p>El Laguito. Die Fabrik der Fabriken. Ein mythischer und mysteri\u00f6ser Ort in Havanna, wo einst ausschlie\u00dflich Zigarren f\u00fcr Fidel Castro, ausl\u00e4ndische Diplomaten und W\u00fcrdentr\u00e4ger produziert wurden. <a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/die-cohiba-manufaktur-el-laguito\/\">Die Fabrik, in der die Marke Cohiba geboren wurde<\/a> und die nur sehr wenige Menschen zu sehen bekommen. Dort arbeitete Mar\u00eda Sierra, nunmehr Meisterrollerin bei El Titan de Bronze in Miami, 31 Jahre lang, bevor sie in die USA kam. An diesem Ort lernte sie, Cohibas zu rollen, wie nur wenige andere, wof\u00fcr sie jetzt unter Zigarrenrauchern in ihrem neuen Heimatland sehr angesehen ist.<\/p>\n<p>Alles begann 1967, als Castros rechte Hand, Celia S\u00e1nchez, im Namen der Gleichberechtigung beschloss, Frauen ins Zigarrengesch\u00e4ft einzubeziehen. Hunderte standen Schlange f\u00fcr die prestigetr\u00e4chtige Aufgabe, Zigarren f\u00fcr das kubanische Staatsoberhaupt und seine G\u00e4ste zu rollen; 30 wurden aufgenommen. Darunter die 18-j\u00e4hrige Mar\u00eda Sierra. \u201eEs war nicht so schwierig, den Job zu bekommen, aber die Arbeit war ziemlich hart\u201c, erinnert sie sich. \u201eIch hatte gerade erst die Schule abgeschlossen und wollte meine berufliche Laufbahn beginnen. Ich dachte mir, ich probiere es einmal damit und schau, ob es mir gef\u00e4llt \u2013 und ich liebte es.\u201c<\/p>\n<p>Sie und die anderen Frauen lernten bei Castros pers\u00f6nlichen Rollern Eduardo Rivera und Avelino Lara. Es gab einen kontinuierlichen Auswahlprozess, doch Sierra blieb und wurde eine der besten Rollerinnen der Fabrik \u2013 sie erreichte Kategorie 9, die h\u00f6chste Qualifikationsstufe f\u00fcr Zigarrenroller. Dies bedeutete Vorteile, die wenige andere genossen. \u201eIch bekam Tickets f\u00fcr das Tropicana und eine Woche bezahlten Urlaub\u201c, erinnert sie sich. \u201eZudem reiste ich mit der Firma nach Hongkong und Deutschland. Die Arbeiter stimmten dar\u00fcber ab, wer mit durfte. Man brauchte eine gute Einstellung, musste engagiert sein, die Arbeit ernst nehmen und nat\u00fcrlich hochwertige Zigarren machen.\u201c<\/p>\n<p>Es gab extrem strenge Qualit\u00e4tskontrollen. \u201eSie waren sehr genau. Wenn sie dich bei der Herstellung einer Zigarre erwischten, die nicht gut genug war, dann schickten sie dich zur\u00fcck in die ,Schule\u2018. Wenn man sich nicht wieder verbesserte, flog man raus.\u201c Abgesehen vom Prestige \u2013 und in Sierras Fall den Vorteilen \u2013 bot ein Job bei El Laguito jedoch keine finanziellen Anreize. \u201eWir arbeiteten von 7 bis 16.30 oder 17 Uhr und bekamen das gleiche Gehalt wie Leute unserer Qualifikation in ande- ren Fabriken\u201c, informiert Sierra. Sie beschreibt die Atmosph\u00e4re als freundlich, die Arbeitssituation als angenehm und ihre Kollegen als eine gro\u00dfe Familie. Sie plauderten miteinander, aber nicht zu viel, da Zigarrenrollen Konzentration erfordert. Stattdessen gab es traditionsgem\u00e4\u00df \u201electores\u201c \u2013 Vorleser. \u201eSie lasen morgens die Nachrichten und nach- mittags aus B\u00fcchern ber\u00fchmter kubanischer und ausl\u00e4ndischer Autoren. So konnten wir etwas \u00fcber die Welt lernen, w\u00e4hrend wir arbeiteten.\u201c<\/p>\n<p>Fidel Castro hat sie trotz ihrer langj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit bei El Laguito nie getroffen. \u201eDas ganze war ein gesperrter Bereich. Wir sahen die Autos mit den Diplomaten vorbeifahren, aber er kam nie in die Fabrik.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_13798\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/maria-sierra-master-roller-el-titan-de-bronze.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-13798\" class=\"wp-image-13798\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/maria-sierra-master-roller-el-titan-de-bronze-500x375.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/maria-sierra-master-roller-el-titan-de-bronze-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/maria-sierra-master-roller-el-titan-de-bronze.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/maria-sierra-master-roller-el-titan-de-bronze-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-13798\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Simon Lundh<\/p>\n<\/div>\n<p>Im Jahr 1998 zog sich Sierra aus dem Berufsleben zur\u00fcck und elf Jahre sp\u00e4ter \u00fcbersiedelte sie nach Miami, um in der N\u00e4he ihrer einzigen Tochter zu sein. Als Sandy Cobas, Inhaberin von El Titan de Bronze, erfuhr, dass eine vormalige Angestellte von El Laguito kommen w\u00fcrde, stellte sie diese sofort an. Sierra traf an einem Freitag ein und begann am Montag darauf zu arbeiten. \u201eIch war so \u00fcberrascht. O Gott, ich konnte es kaum glauben, dass ich gleich einen Job bekam\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eMontag morgen klopfte sie ganz aufgeregt an die T\u00fcr\u201c, erg\u00e4nzt Cobas, die an der anderen Seite des Tisches sitzt.<\/p>\n<p>Die Arbeit in einer Fabrik in Amerika unterscheidet sich nat\u00fcrlich in vielerlei Hinsicht, aber es gibt auch \u00c4hnlichkeiten. \u201eIch war gl\u00fccklich in Kuba. Ich hatte ein Haus dort. Gleichzeitig bedaure ich, dass ich nicht schon fr\u00fcher in die USA gekommen bin. Hier h\u00e4tte ich ein Haus haben und Geld sparen k\u00f6nnen. Ich sehe, dass meine Tochter viel mehr M\u00f6glichkeiten hat. In Kuba waren sie sehr organisiert, doch Sandy ist das ebenfalls. Sie ist w\u00e4hlerisch\u201c, meint Sierra lachend und wirft ihrer Chefin einen herzlichen Blick zu. Ihr Heimatland vermisst sie nach wie vor.<\/p>\n<p>\u201eNicht alles in Kuba ist schlecht. Ich wurde dort geboren und es gibt viele Dinge, die mich zur\u00fcckziehen. Manchmal beginne ich zu weinen, wenn ich an meine Heimat denke, aber ich bin hier ebenfalls gl\u00fccklich.\u201c Das sind auch viele andere Menschen. Denn ihre Fertigkeit im Zigarrenrollen blieb nicht unbemerkt. Bill Paley von La Palina Cigars in Washington D.C. schuf beispielsweise eine Linie namens Goldie Laguito, weil er eine von Sierra gefertigte Zigarre wollte. Eine Nat Sherman Show in New York war komplett \u00fcberlaufen, weil so viele Leute kamen, die sie sehen wollten. Und ein Fan fuhr sogar fast 250 Meilen nach Miami, sein Kofferraum gef\u00fcllt mit Zigarrenkisten \u2013 Inhalt made by Mar\u00eda Sierra \u2013, damit sie diese signiert.<\/p>\n<p>\u201eAlles was sie macht, ist bereits ausverkauft, noch w\u00e4hrend sie daran arbeitet\u201c, sagt Cobas stolz. Nicht schlecht f\u00fcr jemanden, der nie in seinem Leben eine Zigarre geraucht hat. \u201eIch wei\u00df, ob sie gut ist oder nicht, wenn ich daran rieche\u201c, meint Sierra l\u00e4chelnd. \u201eAnfangs war es nicht leicht, aber nach einer Weile habe ich es gelernt.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2016 ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/fruehjahrs-ausgabe-2016-vahe-gerard-airkel\/\"><strong>Mehr<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Celia S\u00e1nchez, Castros rechte Hand, 1967 beschloss, Frauen ins Zigarrengesch\u00e4ft einzubeziehen, standen hunderte Schlange f\u00fcr die prestigetr\u00e4chtige Aufgabe, darunter die 18-j\u00e4hrige Mar\u00eda Sierra.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":13797,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[25,2644,21,13,1,39],"tags":[1149,3094,3669,1172,3092,460],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13796"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13796"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13796\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}