{"id":11917,"date":"2016-10-18T10:00:09","date_gmt":"2016-10-18T08:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/?p=11917"},"modified":"2016-10-20T15:02:52","modified_gmt":"2016-10-20T13:02:52","slug":"der-geschichte-des-aluminium-tubos-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/der-geschichte-des-aluminium-tubos-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Der Geschichte des Aluminium-Tubos auf der Spur"},"content":{"rendered":"<p>Tubos aus Aluminium geh\u00f6ren ebenso zur Habanos-Zigarrenszene wie Kisten mit Labels, Zedernholz-Kabinette und elegante Humidore. Die traditionellen, handgefertigten Kisten gibt es schon seit Jahrhunderten. Aber wann tauchten die R\u00f6hren erstmals auf und von wem stammte die Idee?<\/p>\n<p>Dank meiner letztj\u00e4hrigen Recherche zur 225-j\u00e4hrigen Geschichte des britischen Habanos-Vertriebsh\u00e4ndlers Hunters &amp; Frankau kann ich beide Fragen beantworten.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Geschichte spielt in England und dreht sich um ein Unternehmen namens J. Frankau &amp; Co. Ltd, einer der wichtigen Vorl\u00e4ufer von Hunters &amp; Frankau. Gegr\u00fcndet wurde die Firma von Joseph Frankau, der 1839 von Frankfurt am Main nach London emigrierte. Nach seinem Tod ging der Betrieb an seinen Sohn Arthur, der in den sp\u00e4ten 1850er-Jahren Kontakte mit einer anderen deutschen Emigrantenfamilie \u2013 den Upmanns in Havanna \u2013 aufbaute und exklusiver H\u00e4ndler f\u00fcr H. Upmann-Zigarren im Vereinigten K\u00f6nigreich wurde. J. Frankau florierte bis zu Arthurs fr\u00fchzeitigem Tod im Jahr 1904 \u2013 bis sein Sohn Gilbert im Alter von nur 21 Jahren die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung \u00fcbernahm. Gilbert Frankau war ein hitzk\u00f6pfiger junger Mann, der sich nicht in der Zigarrenszene, sondern als Autor von popul\u00e4ren Romanen einen Namen machte. Nachdem er das Unternehmen fast in den Ruin getrieben hatte, beschloss seine Familie, es zu verkaufen, und so kam J. Frankau 1916 in den Besitz des konkurrierenden Habanos-Importeurs Braden &amp; Stark.<\/p>\n<div id=\"attachment_12828\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-12828\" class=\"wp-image-12828\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/waldo-braden-aluminum-tubo.png\" alt=\"Photo: Simon Chase\" width=\"249\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/waldo-braden-aluminum-tubo.png 696w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/waldo-braden-aluminum-tubo-260x180.png 260w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/waldo-braden-aluminum-tubo-500x345.png 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/waldo-braden-aluminum-tubo-600x414.png 600w\" sizes=\"(max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-12828\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Simon Chase<\/p>\n<\/div>\n<p>Otto Braden und James Stark waren Gesch\u00e4ftspartner und besonders ersterer, ein geb\u00fcrtiger Deutscher, der Meinung, dass die Marke H. Upmann auf lange Sicht sehr wertvoll sein w\u00fcrde. Er hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass die von der Familie Upmann stets parallel gef\u00fchrte Bank 1922 Pleite gehen w\u00fcrde, was auch das Fortbestehen der Zigarrenfabrik bedrohte. In J. Frankaus Vorstandsprotokoll vom 4. September 1922 hei\u00dft es: \u201eHerr O. Braden soll sich nach Havanna begeben und dort bei der Regelung in der Angelegenheit der Fabrik H. Upmann Hilfe leisten, die vom Scheitern des Bankhauses H. Upmann &amp; Co betroffen ist, um die k\u00fcnftige Lieferung der Marke und Vertretung sicherzustellen.\u201c Otto Braden wurde \u201ezur Gew\u00e4hrleistung der weiteren Alleinvertretung der Marke durch das Unternehmen\u201c erm\u00e4chtigt, eine Summe von 10.000 Pfund f\u00fcr den Kauf der Fabrik auszugeben.<\/p>\n<p>Nach zwei weiteren Besuchen in Havanna erwarb er schlie\u00dflich im Mai 1925 die Marke und die Fabrik. Um diese sinnvoll betreiben zu k\u00f6nnen, gr\u00fcndete er das kubanische Unternehmen Compa\u00f1ia Frankau de Tabacos S.A.. Mit Otto Braden als Pr\u00e4sident gelang der Compa\u00f1ia Frankau de Tabacos die Sanierung von H. Upmann und nach seinem Tod im Jahr 1930 trat sein 47-j\u00e4hriger Sohn Waldo an seine Stelle. 1932 beschloss Waldo, dass Havannas Zigarrenhandel eine M\u00f6glichkeit zum breiteren Vertrieb und Verkauf seiner Produkte finden musste. Gleichzeitig sollte aber garantiert sein, dass die Zigarren in gutem und unbesch\u00e4digtem Zustand beim Verbraucher ankommen. Er fand heraus, dass man durch das sogenannte Flie\u00dfpressverfahren unter Verwendung von Aluminium einen f\u00fcr Zigarren geeigneten Beh\u00e4lter zu einem erschwinglichen Preis herstellen konnte.<\/p>\n<p>Leider glaubten seine Kollegen, dass es traditionelle Habanos-Raucher nicht tolerieren w\u00fcrden eine in einer R\u00f6hre abgepackte Zigarre zu kaufen. Doch Waldo lie\u00df sich nicht entmutigen. Er designte einen Verschluss f\u00fcr seinen Aluminium-Tubo, kam f\u00fcr s\u00e4mtliche Kosten der Entwicklung selbst auf und lie\u00df ihn unter dem Namen \u201eSolo-Seel\u201c patentieren.<\/p>\n<p>Im September 1933 teilte er seine Idee dem Vorstand mit, der ihm widerwillig erlaubte, einen Test mit H. Upmann-Zigarren durchzuf\u00fchren. Der Launch fand im Dezember 1933 statt. Das Resultat war erstaunlich, und im Mai 1934 akzeptierte der Vorstand Bradens Angebot, dass H. Upmann \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren ausschlie\u00dflich die neue Verpackungsart nutzen d\u00fcrfe. Waldo wollte daf\u00fcr eine Anzahlung von 200 Pfund sowie eine Lizenzgeb\u00fchr von einem Halfpenny pro R\u00f6hre.<\/p>\n<div id=\"attachment_12827\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/h-upmann-solo-seel.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-12827\" class=\"wp-image-12827\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/h-upmann-solo-seel.jpg\" alt=\"Photo: Hunters &amp; Frankau\" width=\"200\" height=\"575\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-12827\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Hunters &amp; Frankau<\/p>\n<\/div>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte J. Frankau eine Anzeige im Tobacco Magazine, die eine Grafik der monatlichen Ums\u00e4tze von \u201eSolo-Seel\u201c zeigte. Sie waren auf dem Weg an die Spitze. Man sollte meinen, dass Waldo Braden nach diesem gelungenen Coup eine glorreiche Karriere in der Zigarrenindustrie bevorstand. Aber es hat nicht sollen sein!<\/p>\n<p>James Stark, Vorsitzender von J. Frankau, befand sich in einem schlechten Gesundheitszustand und so beschloss man erneut den Verkauf des Unternehmens \u2013 diesmal an den renommierten Zigarren-Experten D. G. Freeman von J. R Freeman &amp; Sons. Im Juli 1935 wurde der Vorschlag des Verkaufs von J. Frankau inklusive der Compa\u00f1ia Frankau de Tabacos dem Vorstand unterbreitet. Alle stimmten daf\u00fcr \u2013 bis auf Waldo Braden. W\u00e4hrend einer blitzschnellen Abfolge von Aufsichtsratssitzungen versuchte er, den Deal mit allen Tricks \u2013 u. a. stahl er die Schl\u00fcssel des Unternehmenssafes \u2013 zu verhindern. Als er zugab, dass er unbefugt eine zus\u00e4tzliche Marge f\u00fcr seine \u201eSolo-Seels\u201c verrechnet hatte, wurde er von D. G. Freeman schlie\u00dflich gefeuert.<\/p>\n<p>Nach Bradens Tod erzielte seine Erfindung immer gr\u00f6\u00dfere Erfolge. Knapp \u00fcber 40% aller im Vorjahr im Vereinigten K\u00f6nigreich verkauften Habanos-Zigarren waren in Tubos verpackt.<\/p>\n<p>Wenn Sie das n\u00e4chste Mal eine Habanos aus Ihrem Alu-Tubo nehmen, dann denken Sie doch einen Moment an das unbestrittene \u2013 wenn auch unorthodoxe \u2013 Talent von Waldo Braden.<\/p>\n<p><em>* Dieser Artikel erschien im August 2015 im Magazin Virtuozity.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tubos aus Aluminium geh\u00f6ren ebenso zur Habanos-Zigarrenszene wie Kisten mit Labels, Zedernholz-Kabinette und elegante Humidore. Die traditionellen, handgefertigten Kisten gibt es schon seit Jahrhunderten. 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