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Tabacalera de García: Wie ein Gigant Funktioniert

Fährt man in La Romana am Gelände der Tabacalera de García vorbei, ahnt man bereits die bombastischen Dimensionen der weltgrößten Zigarrenfabrik. Ein endloses Meer aus Mopeds glitzert in der dominikanischen Mittagssonne. Tausende Fachleute produzieren hier täglich eine ungeheure Menge an Zigarren. Wir haben die Möglichkeit, jenen Mann zu treffen, der dafür verantwortlich ist, dass die Zahnrädchen des Mega-Betriebes reibungslos laufen und niemals stillstehen: Fabrikdirektor Javier Elmudesi.

Geht man durch die Fabrik, scheint trotz des gigantischen Ausmaßes alles wie geschmiert zu laufen. Was sind logistisch die Knackpunkte, damit zum Beispiel die korrekte Menge der VegaFina Year oft the Dog Ende des Jahres 2017 auf allen Märkten verfügbar war?
JAVIER ELMUDESI: Es ist ein langer Prozess, eine Zigarre herzustellen. Vom Samen bis zum Verpacken der Zigarre in die Box kann ein Jahr vergehen. Je nach Samen, Fermentierung und Reifeprozess aber auch bis zu sechs Jahre.

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Es ist ein langer Prozess, eine Zigarre herzustellen. – Javier Elmudesi

Eben. Und Tabacalera de García produziert jährlich mehr als 40 Millionen Premiumzigarren, die sich insgesamt in 2000 verschiedene Marken, Linien und Formate aufdröseln lassen – wie wickelt man das ab?
JAVIER ELMUDESI: Ich würde die logistischen Prozesse in zwei Stufen einteilen: einerseits alles, was auf dem Feld und in der Scheune passiert und dann als zweite Stufe alle Arbeitsschritte in der Fabrik.

Uns interessiert vor allem, wie die Zahnrädchen während des Produktionsprozesses in der Fabrik zusammenlaufen. Aber noch kurz zum Tabakvorrat: Wie groß ist euer Tabakvorrat und wie wird dieser geplant?
JAVIER ELMUDESI: Wir haben immer eine gewisse Menge an gereiftem Tabak im Lager. Der Vorrat muss mindestens für zwei Jahre reichen. Aber wir stellen auch sicher, dass wir spezielle Tabake vorrätig haben, die lange reifen können und sollen, etwa Vintage-Ligerotabake oder Vintage-Visotabake von verschiedenen Regionen. Die haben wir für Special Editions, wie etwa für die VegaFina 20th Anniversary Gran Reserva, zurückgelegt. Diese haben besondere Geschmacksprofile.

Was sind die Volumina und wie viele Tabaksorten beinhalten sie?
JAVIER ELMUDESI: Unser Tabakvorrat ist riesig. Für die Einlagen verfügen wir über 13 bis 14 Sorten, für Umblätter etwa sieben und für Deckblätter haben wir 12 bis 14 Varietäten. Das Blendingteam besucht jährlich verschiedene Plantagen und wir rauchen vor Ort Probe und geben Hinweise, ob der Tabak fertig ist oder noch reifen muss. So finden wir auch heraus, was spezielle Erntejahrgänge an Potenzial haben. Das merkt man sofort, und wir haben auch schnell eine Idee, was wir damit tun können. Auch wenn die Prozesse zwischen Feld und Fabrik getrennt erscheinen – es gibt ständig Interaktion.

Wie läuft die Planung ab? Wenn ihr eine spezielle Edition fertigt wie etwa die VegaFina Anniversary in diesem Jahr, wieviel Vorlaufzeit braucht ihr da?
JAVIER ELMUDESI: Wir haben eine Auswahl an Tabaken, die sehr limitiert sind, ausgezeichnete Vintage-Tabake, die wir isoliert lagern und die von verschiedenen Anbauländern stammen. Das Blending-Team trifft sich mindestens einmal pro Woche, ab und zu auch zweimal. Und wir rauchen ständig verschiedene Blends und suchen andauernd neue Mischungen für die Marketingabteilungen. Diese Blends registrieren wir sehr genau, und bereits während wir sie testen, wissen wir: Das kann einer der nächsten VegaFina-Blends werden oder für eine andere Marke.

Das ganze ist also ein fortlaufender Prozess?
JAVIER ELMUDESI: Ja. Wir haben quasi eine Blend-Bibliothek, die wir ständig erweitern und verbessern und wir arbeiten Hand in Hand mit den Marketingleuten. Wenn die mit einem Projekt kommen, dann gehen wir in unsere Bibliothek und finden das Passende. Daher: für ein neues Projekt brauchen wir etwa 6 bis 12 Monate.

Wann entscheidet ihr, was ihr am Tag X oder in der Woche Y produziert?
JAVIER ELMUDESI: Das ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Das ist das A und O und wird von einer Planungs- und Logistikabteilung der Fabrik organisiert. Wir legen einen Monats-Produktionsplan fest, der in Wochen unterteilt ist. Ein Netzwerk an Leuten arbeitet daran, dass alles für die tägliche Produktion reibungslos läuft. Wir haben 23 Sektionen, die Blends erarbeiten – alles muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Und wie genau wird das sichergestellt?
JAVIER ELMUDESI: Wir erstellen einen monatlichen Produktionsplan, jede Sektion weiß, was genau sie in jeder Woche produzieren wird. Der Supervisor überwacht jeden Tag die Produktion, er muss den Ausschuss im Auge behalten und darauf achten, was am nächsten Tag mehr produziert wird. Am Ende checken wir gegen, was der Plan war und was tatsächlich passiert ist. Wir erwarten, dass jede Sektion mindesten 97 Prozent von dem erfüllt, was auf dem Plan stand. Die meisten Sektionen liegen drüber, sie erreichen 102 oder 103 Prozent. Das liegt alles im Verantwortungsbereich der Abteilung, die wir supply chain (Versorgungskette) nennen.

Das checkt alles die Planungs- und Logistikabeiteilung?
JAVIER ELMUDESI: Genau, sie besteht aus Leuten, die den Bedarf für den US-Markt planen. Darüber hinaus gibt es jene, die den Exportmarkt gestalten (Europa und Asien), dann wiederum Leute, die daraufhin festlegen, wie viel Tabak wir brauchen, um die jeweiligen Märkte zu füttern. Obendrein haben wir Leute im Leaf-Department, die ständig die Logistikabteilung darüber unterrichten, wie die Vorräte sind. Und dazu kommt die Sektion innerhalb der Logistik, die den genauen täglichen Bedarf plant und analysiert. Das Ganze ist ein echtes Netzwerk und eng mit der Produktion verzahnt und in ständigem Austausch. Also: monatliche, wöchentliche, tägliche Planung und immer der Gegencheck … ein immerwährender Prozess. Es braucht Jahre, bis dieser Ablauf reibungslos funktioniert. Unsere Fabrik wurde 1969 gegründet – und nach all den Jahren läuft sie wie geschmiert.

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She learned her journalistic skills from scratch at a regional daily newspaper, for which she wrote articles for many years. Through working for the magazine Der Spiegel in Rome she had the opportunity to increase her professional knowledge in the field of media. Katja studied art history and Romance studies in Heidelberg, Palermo and Rome and, during the course of her studies, spent many years in Italy. The country was her teacher in things related to pleasure and lifestyle. She has been working for Cigar Journal since 2004. In 2010 she became editor-in-chief.


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