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Mit Matthias Clock durch New York

blankIn den vergangenen Jahren haben einige namhafte Cigar Lounges und Bars in New York zugemacht. Dennoch begeistern sich immer mehr Leute für Zigarren, zumindest laut Matthias Clock. „Die Tatsache, dass wir in den letzten acht Jahren Events für 5000 Leute und mehr organisiert haben, beweist, dass es eine starke Gemeinschaft gibt“, meint er. Clock, seit 2010 in der Branche tätig und auch Mitglied des Cigar Journal Tastingpanels, hat sich bereiterklärt, mir die Cigar Spots der Stadt zu zeigen. Unsere Tour beginnt im schönen Nat Sherman Townhouse, das sich neben der Grand Central Station in der 42nd Street befindet. „Der Hauptgrund, warum ich diesen Ort gewählt habe, ist das Sortiment. Hier gibt es große wie kleine Marken und die größte Auswahl an Opus X.“ Letzteres sei, so Verkäufer Adam Panarella, einem Benefizevent mit Fuente im Mai 2017 zu verdanken: „Sie brachten so ziemlich alles, was Seltenheitswert hat.“ Als weiteren Grund für seine Wahl nennt Clock die Preisgestaltung: „Michael Herklots (Vizepräsident bei Nat Sherman) kennt sich im Zigarrengeschäft aus. Während andere Geschäfte ihre Preise erhöhen, versteht man es bei Nat Sherman, auf die Wünsche der Kunden einzugehen.“ Die Räume mit hohen Decken sind stilvoll und rustikal gestaltet; zwischen den Ladentischen befinden sich ein paar Fauteuils und Tische. „Man kann hier rauchen, aber es ist keine Lounge“, informiert Panarella. „Wir sind ein Luxusanbieter und Tabakhändler. Im Untergeschoss gibt es jedoch den Johnson Club Room – Johnson war übrigens Nat Shermans Spitzname für seine Frau.“ „Für mich ist es eine Mischung aus Lounge und Shop“, so Clock. „Wenn mich jemand fragt, wo man sich hinsetzen und eine Zigarre zu einem guten Preis rauchen kann, dann empfehle ich diesen Ort.“

Wir spazieren durch das geschäftige Midtown, während die Sonne hinter den Wolkenkratzern untergeht. Die Gehsteige sind voll mit Menschen, die sich auf den Heimwegblank machen, als wir die Madison Avenue entlang zu einem der drei Davidoff-Geschäfte in der Stadt gehen. Neben einer umfassenden Davidoff-Auswahl gibt es hier jede Menge exklusiver Zigarren sowie ein Belüftungssystem in der Lounge, das seinesgleichen sucht. „Wir bekommen viele Top-Zigarren – nicht nur Davidoff, sondern auch andere Marken“, erklärt Verkaufsexperte Alejandro Ceballos. „Unsere Lounge hat eine tolle Belüftung. Während sich Leute, die andere Lokale besuchen, vielleicht darüber beschweren, dass ihre Kleidung hinterher stinkt, kann es bei uns absolut voll sein und man merkt den Geruch nicht einmal.“ Clock kann das nur bestätigen und fügt hinzu: „In der Lounge ist es außerdem sehr leise, im Gegensatz zu Nat Sherman, wo die Leute manchmal quer durch den Raum schreien. Das passiert hier nicht, und wenn man in einer lauten Stadt wohnt, dann ist es schön, einen ruhigen Ort wie diesen zu haben. Abgesehen davon trifft man hier Persönlichkeiten, wie etwa Al Sharpton.“Einen weiteren Kontrast bildet das Design. Nat Sherman ist im Stil der alten New Yorker Schule gehalten, während bei Davidoff eine modernere, europäische Atmosphäre herrscht. Als es dunkel wird, besuchen wir die Nachtlokale. Als erstes steht der Carnegie Club auf dem Programm, der einen Eindruck des New Yorks der 1920er-Jahre vermittelt. Bei den rot-schwarz gestreiften Tapeten, gedämpftem Licht, Bücherregalen, Ledermöbeln und Bildern von Stars, die Zigarren rauchen, kann man sich nur allzu leicht die Mafiosi von anno dazumal hier vorstellen – Zigarre in der einen Hand, Whisky in der anderen. „Die Dekoration ist phänomenal, die Whisky-Auswahl unglaublich und eine solche Atmosphäre findet man sonst nur in Privatklubs. Das Lokal hat bis nach Mitternacht geöffnet und zieht Leute an, die nach der Arbeit herkommen. Ich organisiere hier, ebenso wie andere Unternehmen, viele Events.“ Vor ein paar Jahren feierte Davidoff im Carnegie Club den 90. Geburtstag von Avo Uvezian. Am Tisch neben uns genießt Rob Robinson, Besitzer von Figaro Cigars, eine Zigarre. „Dieser Ort erinnert mich an einen Cigar Club der alten Schule, wo man sich entspannen und interessante Gespräche mit Unbekannten führen kann“, sagt er. Der Club sei für Leute mit moderatem Konsum, so Clock. „Es gibt Live-Musik und eine Hinterzimmer-Geschäftskultur prägt die Atmosphäre. Man hört oft Vergleiche mit der TV-Serie ,Mad Men‘.“

blankEs ist eines der wenigen Lokale in New York, wo man nach den strengeren Rauchgesetzen noch eine Zigarre und einen Drink genießen kann. Clock erzählt mir, dass man heute keine Cigar Bars mehr eröffnen darf – nur Lounges, die aber keinen Alkohol ausschenken dürfen. „In Zukunft werden Privatklubs vielleicht die einzigen Orte sein, die uns bleiben. Bei Nat Sherman dürfen sie nicht mal Wasser servieren!“ In den Parks herrscht Rauchverbot – mit Ausnahme des Paley Parks neben Davidoff in der Madison Avenue, der Bill Paley, dem Inhaber von La Palina Cigars, gehört. Wegen schwerfälliger Vorschriften und einer Verlagerung der Kundenbasis mussten viele legendäre Lokale in den letzten Jahren schließen, darunter OK Cigars, Florio’s, Velvet Cigar Lounge und Merchants NY Cigar Bar.
Zuletzt kehren wir im Cigar Inn in der 2nd Avenue ein, der jüngst von Casa de Montecristo / Altadis USA gekauft wurde. „Hier handelt es sich um ein BYO-Lokal [„Bring your own“ – d. h., man darf selbst alkoholische Getränke mitbringen], und gleich nebenan gibt es einen tollen Spirituosenladen mit der zweit- oder drittbesten Scotch-Auswahl der Stadt. Es ist ein geselliger Ort mit gemischtem Publikum. Freunde von mir, die fanden, dass sie für den Carnegie Club nicht fein genug angezogen waren, müssen sich hier darüber keine Gedanken machen. Es herrscht eine relaxte Stimmung und es gibt nach Nat Sherman die wohl zweitbeste Zigarrenauswahl.“ Das Lokal vermittelt einen weiteren, moderneren Eindruck von New York. „Es ist vom Geschäftszentrum entfernt und waschechte New Yorker kommen hier her, darunter Rudy Giuliani.“ Als Clock alte Freunde trifft, verabschiede ich mich. Lokale mögen schließen, aber nachdem ich die Cigar Spots in New York gesehen habe, bin ich zuversichtlich, dass die Stadt, die niemals schläft, selbst in Sachen Zigarren ihre Augen nicht so schnell zumachen wird.

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Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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