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Mark Twain

Mark Twain und die Zigarren: Leidenschaft eines Humoristen

Samuel Langhorne Clemens, alias Mark Twain, hat in seinem Leben viele Karrieren begonnen und wieder aufgegeben: Mississippi-Lotse, Soldat, Goldgräber … Zwei Leidenschaften blieb er aber treu: dem Schreiben und dem Rauchen. Glaubt man dem Autor, so kam er mit der Frage auf die Welt: „Hat jemand Feuer?“ 

Anekdoten aus dem Wilden Westen

Eine denkwürdige Begebenheit schildert Twain in seinem Buch „Roughing It“, einer Zusammenfassung seines fünfjährigen Aufenthalts als Goldgräber und Journalist im „Wilden Westen“: Gemeinsam mit anderen Goldsuchern streift er durchs Land, die Gruppe verirrt sich in einem Schneesturm. Als der Abend hereinbricht und das letzte Streichholz verlischt, bevor sie ein Feuer entzünden konnten, schließen sie mit dem Leben ab.

Um wenigstens guten Gewissens sterben zu können, schwört jeder Einzelne noch seinem Laster ab. Einer wirft seine Whiskeyflasche in den Schnee, ein anderer seine Spielkarten und Twain seine Pfeife. Als der Morgen heraufdämmert und das Schneetreiben sich gelegt hat, bemerken die Abenteurer, dass sie die Nacht nur wenige Schritte entfernt von einer Herberge verbracht haben – sie sind gerettet. Und das Verlangen ist groß.

Es dauert nicht lange, da stiehlt sich Twain davon, um im Schnee nach seiner Pfeife zu suchen. Er schleicht hinter den Schuppen, um in Ruhe zu qualmen – und begegnet dort prompt seinen beiden Kameraden. Der eine hat die Whiskey-Flasche am Mund, der andere ist in eine Patience vertieft … 

Mark Twain

Trotz aller guten Vorsätze: Ohne Zigarre brachte Mark Twain keine Zeile zu Papier | Photo: Ullstein Bild

Nur eine Zigarre am Tag?

Mark Twain rauchte viel, manchmal zu viel. Oft versuchte er, sich vom Tabak gänzlich zu lösen: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich muss es wissen – schließlich habe ich es schon tausende Male getan.“ Sein guter Vorsatz, den Konsum auf eine Zigarre pro Tag zu beschränken, läuft darauf hinaus, dass er immer größere Zigarren pafft. „Innerhalb eines Monats hatten meine Zigarren solche Ausmaße angenommen“, berichtet er, „dass ich sie als Krücke verwenden hätte können.“ 

Twain kommt früh mit dem Tabak in Berührung. Nach eigenen Angaben raucht er die erste Zigarre im zarten Alter von acht Jahren. In seiner Heimat, dem US-Bundesstaat Missouri, gibt es zu jener Zeit riesige Tabakpflanzungen, Zigarren werden allerorts gerollt und sind spottbillig – so muss er seinen heiß geliebten Tabak nie entbehren. Nach eigenen Angaben erreicht er schnell ein monatliches Pensum von 100 Stück. Kritik von Gesundheitsfanatikern kommentiert Twain gelassen mit dem Hinweis, dass sein Konsum doch recht moderat sei: „Ich habe es mir zur Regel gemacht, nie mehr als eine Zigarre gleichzeitig zu rauchen.“ 

Bloß keine Havannas!

Zwar wird Twain oft mit der Havanna assoziiert, doch tatsächlich sagte er selbst einmal: „Mich stellt fast jede Zigarre zufrieden, außer einer Havanna.“ Stattdessen kauft er meist die billigsten Zigarren, die auf dem Markt zu haben sind. Teure Zigarren nämlich seien „aus Hundehaaren, und noch nicht einmal aus besonders guten“. Für seine Freunde sind Twains Zigarren eine Quelle des Abscheus. Seine Gäste bringen ihre eigenen Zigarren mit, um nicht seine Marke rauchen zu müssen. Dabei sei es Aberglaube, so Twain, Zigarren nach ihrem Geschmack unterscheiden zu können: „Man glaubt, den Geschmack zu beurteilen, richtet sich aber nur nach der Marke.“

Da die Zigarre Twain in allen Lebenslagen begleitete, liegt es nahe, dass er mit der Zeit gewisse Parallelen zwischen Mensch und dem aromatischen Glimmstängel zog: „Beide werden am Anfang gewickelt, lassen sich später entflammen und enden als Asche“, bemerkte er beinahe philosophisch. Nun, er hat jedenfalls einer Menge Zigarren zu ihrem Schicksal verholfen, bevor er es ihnen gleich tat. Mark Twain starb am 21. April 1910. Wo auch immer er in diesem Jahr seinen runden Todestag feierte – er tat es bestimmt nicht ohne Rauch. Ohnehin nie ein Mann der Religion, setzte Twain nämlich auch für seinen posthumen Aufenthaltsort klare Prioritäten: „Wenn ich im Himmel nicht rauchen darf, gehe ich nicht hin.“ 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2010 veröffentlicht. Mehr


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