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cabinet humidor empty side view

So baut man seinen eigenen begehbaren Humidor – Teil zwei

Nach der Bauplanung für den begehbaren Humidor, die wir im vorhergehenden Artikel behandelten, befassen wir uns diesmal mit Materialien, Befeuchtungstechnik und Luftzirkulation.

 

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass keine Materialien mit ausgeprägtem Eigengeruch verbaut werden. Auch sind Materialien zu vermeiden, die bei dauerhaft hoher Luftfeuchte einen muffigen Geruch entwickeln.

marc andre diy walk in humidor inside view

Photo: Marc André

Relativ unproblematisch sind die Wandflächen. Werden diese nicht mit Holz verkleidet, so ist ein handelsüblicher Anstrich mit Dispersionsfarbe bedenkenlos machbar. Wenn Holzverkleidung, dann mit Laubhölzern wie Sipo, Sapeli oder Meranti.

Wer den typisch tabakähnlichen Duft im Humidor wünscht, verwendet das teurere spanische Zedernholz. Gleiches gilt für die Regalstellagen. Ein Material-Mix aus spanischem Zedernholz und Sipo hat sich sehr gut bewährt. Als Bodenbelag kann grundsätzlich jedes geruchlose Material verwendet werden.

Auf Materialien wie PVC oder Teppichböden sollte man verzichten. Werden Echtholzparkettböden versiegelt, so sollte das entweder mit wasserbasierenden Lacken geschehen oder mit professionellen 2-Komponenten-Lacken, die nach der chemischen Durchhärtung vollkommen geruchlos sind. Am problemlosesten ist ein Bodenbelag aus Fliese, Stein oder Terrakotta.

Regalsysteme

Das Teuerste beim Einrichten eines begehbaren Humidors kann die Inneneinrichtung werden. Kann. Wen die Optik nicht stört, der kann mit Chromstahlregalen eine einfache, effiziente und optisch saubere Lösung für kleines Geld realisieren. Wem es auch um das Ambiente und das tabakaffine Aroma im Humidor geht, der wird einen gewissen Anteil aus Spanischer Zeder verbauen müssen.

Vermeiden Sie folgende Materialien:

MDF und Spanplatten, OSB-Werkstoffe, Teppiche und PVC-Böden, Lacke auf Lösemittelbasis, Lacke und Lasuren auf Basis von Zitrusölen, Holzöle und Wachse mit Eigengeruch wie beispielsweise Leinöl, lösemittelhaltige Steinversiegelungen. Abdichtungen sollten nur mit Acryl und nicht mit Silikon verfugt werden. Muss aus baulichen Gründen Silikon verwendet werden, dann nur das nicht säurevernetzende Silikon einsetzen.

Die einfachste Lösung ist eine Wandverkleidung aus Spanischen Zedernholzpaneelen. Danach werden die Stahlregale aufgestellt. Je nach Budget bieten sich die unterschiedlichsten Lösungen an. Egal wofür Sie sich entscheiden, keinesfalls sollten sie fertige Regale aus Spanplatte, mittedichter Faserplatte oder Hartfaserplatte verwenden.

Auch haben Regale aus Massivholz (meist Kiefer, Fichte, Tanne oder Buche) nichts im Humidor zu suchen. Nadelhölzer haben einen zu dominanten Eigengeruch, Laubhölzer wie Buche oder Eiche beginnen zu müffeln.

Beleuchtung

Vermeiden Sie in jedem Fall spotartige Beleuchtungsquellen, die UV-Licht emittieren. Es besteht die Gefahr, dass die Deckblätter bei offener Lagerung ausbleichen. Eine warmweiße, nicht zu helle LED-Beleuchtung ist die beste Wahl. Zudem lassen sich mit LED-Bändern sehr reizvolle Beleuchtungskonzepte realisieren. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Befeuchtungstechnik und Luftzirkulation

In begehbaren Humidoren werden nahezu alle verfügbaren Techniken der Luftbefeuchtung verbaut – mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

Hochdruck-Aerosolverneblung:
Wasser wird mittels Hochdruck zu feinsten Wassertröpfchen zerstäubt. Bei korrekter Installation des Systems und einer vorgeschalteten Wasserenthärtungsanlage kann das gute Ergebnisse liefern. Allerdings muss mit zusätzlichen Ventilatoren für eine ausreichende Durchmischung der Luft gesorgt werden. Zur Selbstinstallation sind diese Systeme nicht geeignet.

Heißverdampfung:
Wasser wird über einen Dampfzylinder erhitzt und verdampft. Nachteilig ist die extreme Wärmeentwicklung, weshalb auch eine Klimaanlage installiert werden muss. Vorteil der Lösung ist die hygienisch einwandfreie Dampferzeugung. Regelungstechnisch ist eine derartige Kombination aus Heißverdampfer und Klimaanlage ein kompliziertes Unterfangen. Diese Variante benötigt viel Platz, und die Energiebilanz ist eine Katastrophe.

Ultraschallvernebelung:

Luftbefeuchter zerstäuben über eine schwingende Membran das Wasser, und es wird als feiner Nebelschleier sichtbar. Nachteilig ist, dass die feinen Wassertröpfchen nicht gänzlich verdampfen und die Gefahr des Niederschlages besteht. Der Betrieb ist nur mit entmineralisiertem Wasser möglich. Im Humidor sollte man auf diese in jedem Baumarkt erhältlichen Geräte verzichten.

Verdunstungsbefeuchtung:
Diese Methode würde ich als die sanfteste bezeichnen. Luft wird durch ein befeuchtetes Medium (Verdunstermatte) gedrückt und tritt molekular befeuchtet aus. Das heißt, das Wasser ist bereits im Befeuchter in den Dampfzustand übergegangen. Es werden also keine Aerosole in die Luft geblasen. Besonders in Humidorschränken ist diese Befeuchtungstechnik zu empfehlen. Für begehbare Humidore gibt es entsprechend große Geräte. Nachteilig sind die relativ großen Abmessungen und die Tatsache, dass man sie regelmäßig reinigen sollte.

Steuerungstechnik

Verdunstungsbefeuchter leiden nahezu alle unter einer eklatanten Schwäche – der mangelhaften Regelpräzision. Eine pfiffige Lösung bietet die Huminator-Powerbox. An das steckerfertige externe Schaltgerät mit eigener Präzisionssensorik können beliebige Luftbe- oder -entfeuchter angeschlossen werden.

humidor huminator powerbox

Photo: Mark André

Der im Verdunstungsbefeuchter eingebaute Hygrostat wird quasi außer Kraft gesetzt. Somit kann jeder handelsübliche Luftbefeuchter zu einem Präzisionsbefeuchter aufgerüstet werden.

Als Grundregel für den richtigen Aufstellungsort des Befeuchters gilt: an der Schmalseite des Raumes aufstellen und entlang der Langseite die Luft quer durch den Raum blasen lassen.

Den Messfühler (Feuchtesensor) an der gegenüberliegenden Seite befestigen, sodass er einen leichten Luftzug abbekommt.

Die Luftauslasslamellen des Befeuchters (soweit vorhanden) im 30°- bis 45°-Winkel Richtung Decke einstellen, sodass die befeuchtete Luft zunächst an die Decke strömt, dort abprallt und wieder nach unten gedrückt wird. Auf dem Boden strömt die Luft dann zum Befeuchter zurück.

Wenn Sie diese Hinweise befolgen, steht einem erfolgreichen Walk-in-Humidor nichts mehr im Wege. Da jeder begehbare Humidor ein Unikat ist, kann hier auf spezielle, bauseits bedingte Einzelheiten nicht eingegangen werden.

 

Zu Teil Eins: So baut man seinen eigenen begehbaren Humidor

Information:

Richten Sie Ihre Fragen gerne direkt an den Autor:
info@humidorbau.de

Der Humidor
www.humidorbau.de

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr

Marc André

Marc André ist leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Humidorbauer. Er hat verschiedene Befeuchtungselektroniken für Humidore entwickelt, ist beratend und ausführend im Bereich Humidor-Sonderserien und Individualanfertigungen tätig. Neben seiner Vortragstätigkeit zum Thema Zigarrenlagerung und Humidorbau betreibt er die Website www.humidorbau.de und bietet dort mit seinen zu 100% in Deutschland gefertigten Humidoren der Century-Serie vom kleinen Tischhumidor bis zum Agingschrank Lösungen zur professionellen Zigarrenlagerung an.


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